Forschung an embryonalen Stammzellen steht vor der Zulassung

5. Dezember 2012, 18:44
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Klare Mehrheit im Senat für Forschung unter "strengen Auflagen und ohne jegliche Vermarktung"

Paris - In Frankreich soll die Forschung an embryonalen Stammzellen künftig unter Auflagen erlaubt werden: Der Senat stimmte in der Nacht zum Mittwoch mit breiter Mehrheit einer entsprechenden Gesetzesvorlage zu, die von linken Senatoren eingebracht und auch von der sozialistischen Regierungsmehrheit unterstützt worden war. Auch viele Vertreter der konservativen Opposition stimmten für die Vorlage. Nun soll sich demnächst die Nationalversammlung mit dem Gesetzesvorschlag befassen.

Die Forschung an embryonalen Stammzellen war in Frankreich 2004 verboten worden, Ausnahmen sind aber möglich. Nun soll diese Forschung unter "strengen Auflagen und ohne jegliche Vermarktung" erlaubt werden, sagte Jacques Mezard, der Vorsitzende der linken Gruppierung RDSE. So muss das Forschungsvorhaben "wissenschaftlich relevant" und nur "mit menschlichen Embryonen" möglich sein. Nach Einschätzung der RDSE macht die derzeitige Regelung die Forschung in der Praxis unmöglich. 

Hintergrund

Die Stammzell-Forschung setzt zur Therapie schwerer Krankheiten auf embryonale Stammzellen, die Alleskönner sind, weil sie sich praktisch in jede menschliche Zelle verwandeln können. So kann Ersatzgewebe für kranke Körperpartien gezüchtet werden.

Dieses Verfahren ist jedoch ethisch umstritten, denn die Stammzellen werden vor allem aus Embryonen gewonnen, die bei künstlichen Befruchtungen übrigbleiben. Kritiker argumentieren, dass menschliches Leben bereits mit der Befruchtung der Eizelle beginnt. Kritiker warnen zudem vor einem Krebsrisiko, denn auch nach erfolgversprechenden Tests etwa an Mäusen ist nicht sicher, ob sich die Zellen wie gewünscht entwickeln.

In Deutschland und Italien ist die Herstellung embryonaler Stammzellen verboten, erlaubt ist nur die Einfuhr und Verwendung von vor dem 1. Mai 2007 bestehenden Stammzell-Linien. Polen und die Slowakei untersagen die Stammzell-Forschung ganz. (APA/red, derStandard.at, 5. 12. 2012)

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