Serbien/Kosovo: Wettlauf gegen die Zeit

Kommentar5. Dezember 2012, 18:15
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Brüssel will Ordnung und Frieden auf dem Balkan haben - Serbien strebt den Beginn von Beitrittsverhandlungen an

Die Hoffnung auf einen EU-Beitritt aufrechterhalten" - so lautete die Zauberformel der EU für die Staaten des Balkans. Allein ihr immer noch magischer Bann hat die einstigen Erzfeinde und heutigen Ministerpräsidenten Serbiens und des Kosovo, Ivica Dacic und Hashim Thaçi, an einen Tisch gebracht. Und sie machten gute Miene zu dem Spiel der EU, die von den beiden einst kompromisslosen Politikern Kompromisse fordert.

Brüssel will Ordnung und Frieden auf dem Balkan haben. Der Kosovo möchte das Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der Union unterzeichnen, Serbien strebt den Beginn von Beitrittsverhandlungen an. Dafür müssen die Serben und die Kosovaren zeigen, dass sie sich vertragen können. Deshalb wollen weder Belgrad noch Prishtina für ein eventuelles Scheitern des Dialogs verantwortlich gemacht werden. Immer noch.

Der Versöhnungsprozess auf dem Balkan ist ein Wettlauf gegen die Zeit. Unter dem starken und langanhaltenden Druck der sozialen und wirtschaftlichen Misere wollen die Kriegswunden nicht verheilen, die EU verliert an Glaubwürdigkeit, und somit erlischt auch allmählich die Hoffnung auf ein besseres Leben. Gleichzeitig lauern extremistische Gruppen auf allen Seiten: Im Elend des eigenen Volkes wittern sie ihre Chance. Je größer die Not, desto stärker der Bann der einstigen Feindbilder. Aber hoffen darf man. Immer noch. (Andrej Ivanji, DER STANDARD, 6.12.2012)

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