Der bewaffnete Langlauf und der Segen der Neutralität

5. Dezember 2012, 18:28
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Wenn die Biathleten in Hochfilzen loslegen, zählen auch Österreichs bewaffnete Langläufer zum erweiterten Kreis der Favoriten

Hochfilzen/Wien - Mit gemessen an 2011/12 geradezu sensationellen Ergebnissen sind Österreichs Biathleten am vergangenen Wochenende in Östersund in die neue Saison gestartet. Die Podestplätze über 20 Kilometer (Dominik Landertinger) und im Sprint (Christoph Sumann) kamen gerade rechtzeitig für den Heimweltcup im Pillersee Tal.

Markus Gandler, zuständiger Sportchef im österreichischen Verband (ÖSV), schreibt einen Gutteil des Erfolges einer Kehrtwendung in der Betreuungsphilosophie zu, weg von zwei Trainingsgruppen mit autonomen Coaches (Reinhard Gösweiner, Alfred Eder) hin zu einem Hauptverantwortlichen. Der gebürtige Thüringer Remo Krug kam im Sommer aus Ruhpolding, wo er als Stützpunkt-Trainer für Herren und Damen gearbeitet hatte.

"Er war neutral, völlig unbefangen und hat gleich eine Linie hineingebracht", beschreibt Gandler das Wirken des 49-Jährigen und deutet damit auch an, woran es krankte, das österreichische Biathlon-Wunder, das erst im Februar 2009 Gestalt angenommen hatte. Die nach dem Olympiaskandal von Turin 2006 völlig auf dem Boden liegende Sparte des ÖSV hatte bei der WM in Pyeongchang, Südkorea, nicht nur die erste Medaille seit Staffelbronze 2005 in Hochfilzen geholt, sondern sie belegte im Medaillenspiegel mit einmal Gold und zweimal Silber auch den niemals für möglich gehaltenen vierten Platz. Neben den routinierten Sumann (Silber im Massenstart) und Daniel Mesotitsch liefen und schossen sich vor allem die relativen Jünglinge Landertinger (Gold im Massenstart) und Simon Eder in die öffentliche Wahrnehmung.

In der Folgesaison gewann Sumann den Einzelweltcup und belegte im Gesamtweltcup Rang zwei, verpassten die Staffel und Eder in der Verfolgung nur knapp die Spezialweltcups. Olympiasilber für Sumann (Verfolgung) und die Staffel befeuerten noch den vom ORF mitgetragenen Boom.

Doch was als Geheimnis des Erfolges galt, die Teilung der Trainingsgruppen, sollte sich in dem Moment als Sollbruchstelle erweisen, in dem ein "gewisser Sättigungseffekt" eingetreten war, wie Gandler es beschreibt. Mit der Harmonie, dem Aufkommen von Eifersüchteleien, ging auch Lösungskompetenz bei alltäglichen Problemen flöten.

Krug setzte neue Reize in der Vorbereitung und erntete zu seiner Erleichterung sofort. In Hochfilzen soll die Mannschaft zeigen, "dass wir im Laufen nah an der Weltspitze dran sind und im Schießen eine Trefferquote von 90 Prozent und besser erreichen". Allerdings gibt der Coach die Dichte in der Weltspitze zu bedenken. Sein ehemaliger Ruhpoldinger Schütze Michael Greis (36) trägt zu dieser Dichte übrigens nichts mehr bei. Der dreimalige Olympiasieger von Turin hat seine Karriere vor Hochfilzen beendet.

Der gleichaltrige Daniel Mesotitsch, der in der Vorsaison das ÖSV-Team fast alleine mit guten Ergebnissen (zwei vierte Plätze bei der WM) in Erinnerung gehalten hatte, fand sich in Östersund noch nicht zurecht und wird im Sprint zu Hochfilzen durch Julian Eber-hardt ersetzt, der zuletzt im IBU-Cup, praktisch der zweiten Liga des bewaffneten Langlaufs, drei Siege feiern konnte. Für die Staffel am Sonntag ist Mesotitsch allerdings gesetzt. (lü, DER STANDARD 6.12.2012)

  • Mit Cheftrainer Remo Krug zog im Biathlon des ÖSV die Zuversicht ein.
    foto: ösv/foidl

    Mit Cheftrainer Remo Krug zog im Biathlon des ÖSV die Zuversicht ein.

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