"Viel Arbeit für wenig Geld" im Handel

5. Dezember 2012, 17:47
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Österreichs Handel leidet unter flauen Umsätzen, die Gehaltsrunde ist geprägt von Differenzen. Über Streikkeulen und Managementfehler

Österreichs Handel leidet unter flauen Umsätzen, das Weihnachtsgeschäft lässt bisher vielfach aus. Die Gehaltsrunde wird von schweren Differenzen geprägt. Über Streikkeulen, das Ende der fetten Jahre und Managementfehler.

 

Wien - Österreichs Handel bewegt sich auf dünnem Eis. Der Umsatz ist seit Monaten flau, dem Weihnachtsgeschäft fehlt es trotz steter Stimmungsmache nach wie vor an Schwung. Und was den Lohnabschluss der Beschäftigten betrifft, klaffen die Vorstellungen der Sozialpartner bis zuletzt weit auseinander. Klagen über unerträgliche Kampagnen und Diffamierung bis hin zu angedrohten rechtlichen Schritten prägen das Ringen um den neuen Kollektivvertrag. Auch im sechsten Anlauf am Mittwoch gab es bis Redaktionsschluss keinerlei Signale für eine Einigung.

Die Streikkeulen auszupacken sei eine sehr schwerwiegende Entscheidung. Aber man sei auf alles vorbereitet, sagt der Chefverhandler der Gewerkschaftsseite, Manfred Wolf. Eine Lösung werde am Verhandlungstisch und nicht auf der Straße gefunden, hält Arbeitgebervertreter René Tritscher dagegen "und keine Demonstration und keine Betriebsversammlung wird daran etwas ändern".

Mehr als 500.000 Mitarbeiter in Österreich halten den Einzelhandel am Laufen. Gut 75 Prozent unter ihnen sind Frauen. Viele arbeiten unter prekären Bedingungen, die Fluktuation ist hoch, die Solidarität untereinander gering. Starke Filialisierung macht gemeinsames Vorgehen schwierig. Und die Zahl der Betriebsräte in Handelsketten ist in Relation zur Zahl der Beschäftigten vielfach gering.

Jeder Euro fließt zurück in den Konsum

Der Einzelhandel sei eine Niedriglohnbranche, in der viel für wenig Geld gearbeitet werde, sagt Peter Schnedlitz, der als Buchautor eben die österreichische Handelsgeschichte aufarbeitete. Jeder Euro mehr, den die betroffenen Frauen erhielten, fließe direkt zurück in den Konsum. Er verstehe allerdings auch die Position der Arbeitgeber: Fachhändler wendeten bis zu 25 Prozent ihrer Kosten für Personal auf. Jedes Prozent mehr hinter dem Komma entscheide über Wohl und Wehe eines Betriebs.

Die Gewerkschaft pocht auf ein Gehaltsplus zwischen 3,4 und 3,5 Prozent. Arbeitgeber boten einen Dreier vor dem Komma nur für die untersten Einkommensebenen an. Wer monatlich mehr als 1628 Euro brutto verdient, soll ab Jänner 2,85 Prozent mehr verdienen. Für Wolf ist das von einem fairen Abschluss weit entfernt. "Es reicht nicht."

"Ein Dreier vor dem Komma ist einfach nicht drinnen," warnt Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbands. "Die fetten Jahre im Handel sind vorbei. Viele Unternehmen verdienen nichts mehr und lutschen die letzten Radiergummis aus." Auch unter den großen Ketten gebe es keine unsinkbaren Schiffe mehr. Hohe Gehaltsabschlüsse zögen unweigerlich Filialschließungen und Jobabbau nach sich. "In dieser Situation den starken Mann spielen zu wollen, ist nicht das Allerklügste."

Wolf spricht der Branche wirtschaftliche Turbulenzen nicht ab. Für Fehlentscheidungen des Managements könnten aber die Mitarbeiter nichts. " Die Probleme des Handels lassen sich nicht über die Lohnkosten lösen."

Tauziehen um den Samstag

Österreichs Handel habe in den vergangenen sechs, sieben Monaten real und teilweise auch nominell an Umsatz verloren, rechnet Chefverhandler Tritscher vor und verweist auf Untersuchungen der KMU-Forschung. Im Oktober habe es Rückgänge quer durch alle Bundesländer gegeben. Er wolle seine Branche nicht krankjammern, viele Betriebe seien jedoch stark verschuldet. Die Formel "große Ketten, gute Erträge" gelte nicht mehr. Entscheidend sei, wer über gute Lagen und Frequenz verfüge.

Kommende Woche wollen die Sozialpartner über Rahmenrechte reden. Auf dem Tisch liegen alternative Regelungen zur Samstagsarbeit. So sollen künftig Dienste an mehreren Samstagen hintereinander erlaubt sein. Im Gegenzug könnten Handelsmitarbeiter Anspruch auf zehn verlängerte Wochenenden erhalten. Noch spieße es sich an Details wie Kontrolle und Sanktionsmöglichkeiten, erläutert Tritscher. "Wir sind hier jedoch auf einem guten Weg." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 6.12.2012)

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    75 Prozent der Handelsbeschäftigten sind Frauen, rund 70 Prozent arbeiten Teilzeit. Die Personaldecke in vielen Unternehmen ist dünn, der Arbeitsdruck steigt.

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