Absolute Hässlichkeit und relative Schönheit

5. Dezember 2012, 19:40
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Experten rechnen damit, dass die Anleihenmärkte kaum mehr Chancen für Anleger bieten. Für Aktien ist das Risiko hoch

Experten rechnen damit, dass die Anleihenmärkte kaum mehr Chancen für Anleger bieten. Das Zinstief berge die Gefahr für heftige Rückschläge. Für Aktien spricht die Bewertung, auch wenn das Risiko hoch ist.

 

Wien - Allen Unkenrufen und Schuldenkrisen zum Trotz war 2012 bis dato ein gutes Börsenjahr. In Europa war gemessen an den Leitindizes Dax oder ATX seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent Rendite möglich, in den USA sind die Märkte trotz der Unsicherheit um die Fiskalpolitik deutlich im Plus. "Die Märkte haben sich deutlich beruhigt, dabei sind viele Probleme noch nicht gelöst", sagte Thomas Steinberger, Geschäftsführer der Spängler IQAM Invest in Wien vor Journalisten.

Die Europäische Zentralbank habe mit ihrer Ankündigung im September, Staatsanleihen hoch verschuldeter Eurostaaten wie Italien oder Spanien im Krisenfall zu stützen, Zeit für Reformen erkauft. Jetzt müssten noch mehr Maßnahmen folgen. Doch Josef Zechner, Finanzprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien und Mitglied der wissenschaftlichen Leitung von Spängler IQAM Invest, sieht "Lichtschimmer am Ende des Tunnels. Die Krisenländer holen wieder auf und konnten ihre Wettbewerbsposition verbessern." So sind die Leistungsbilanzdefizite von Spanien oder Italien zuletzt deutlich gefallen.

Anleihen von Peripherieländern interessant

Daher seien am Anleihenmarkt derzeit die Anleihen von Peripherieländern wie Spanien oder Italien attraktiver als etwa Bonds aus Deutschland. "In Kerneuropa haben wir wohl das Zinstief erreicht, ab jetzt gibt es ein Risiko für deutliche Rückschläge", sagt Steinberger.

Auch Mark Burgess, Anlagestratege der britischen Fondsgesellschaft Threadneedle ist kein Freund der sicheren Staatsanleihenmärkte in den USA, Kerneuropa oder Großbritannien: "Strongly dislike" ist das Attribut des Investors für diese Anlageklasse. Zehnjährige Zinsen, die um die Marke von 1,5 Prozent liegen - unter der Inflationsrate - seien schlicht nicht interessant.

Aktien sind für Steinberger zwar immer noch günstig bewertet, aber "nur relativ interessant. Im aktuellen Umfeld aus geringem Wachstum sind keine brillanten Erträge zu erwarten". Während also die Analysten von Investmentbanken wie etwa des US-Instituts Citigroup in ihren Jahresausblicken bereits von zweistelligen Renditen bei Aktien ausgehen, stapelt Steinberger niedrig. Mit einem diversifizierten Portfolio aus Aktien, Unternehmens- und Staatsanleihen sowie Rohstoffen können Anleger derzeit drei bis vier Prozent erwarten. "Für mehr müsste sich das Wachstumsumfeld noch deutlich aufhellen", sagte Steinberger. (sulu, DER STANDARD, 6.12.2012)

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