Springer will für Online-Angebote "unkomplizierte Bezahlmodelle"

5. Dezember 2012, 17:26
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Während für die "Welt" an ein Abo-Modell nach dem Vorbild der "New York Times" gedacht werde, müsse bei der "Bild" berücksichtigt werden, dass sie keine Abo-Zeitung sei

Hamburg - Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner hat Einzelheiten zu den geplanten Bezahlmodellen für die Online-Ausgaben der Verlags-Flaggschiffe "Bild" und "Welt" genannt. Für die beiden Zeitungen seien unterschiedliche Modelle geplant, sagte Döpfner der Wochenzeitung "Die Zeit" in einem am Mittwoch im Voraus verbreiteten Interview.

Während für die "Welt" an ein Abo-Modell nach dem Vorbild der "New York Times" gedacht werde, müsse bei der "Bild" berücksichtigt werden, dass sie keine Abo-Zeitung sei, sondern im Einzelverkauf angeboten werde. Das Bezahlen müsse für die Leser auf jeden Fall unkompliziert verlaufen: "Ein Klick, jederzeit, störungsfrei", sagte Döpfner.

Der Springer-Verlag hat als erster der großen Verlage eine Bezahlstrategie für die Online-Ausgaben seiner Zeitungen angekündigt, bereits seit längerem wird daran gearbeitet. Für die "Welt" plane der Konzern ein Modell, das dem der "New York Times" ähnele, sagte Döpfner. "Eine Art kostenloses Probelesen, bei dem man nach einer bestimmten Anzahl von Klicks entscheiden muss, ob man das Produkt abonnieren möchte." Die "New York Times" habe es in kurzer Zeit damit auf 566.000 Abonnenten geschafft.

Alternativlos

Für die "Bild" müsse dagegen ein Modell gefunden werden, "das der Tatsache gerecht wird, dass sie keine Abonnement-, sondern eine Einzelverkaufszeitung ist. Das Medium hat in seiner Vertriebsform einen anderen Charakter." Döpfner vertrat in der "Zeit" die Überzeugung, dass trotz auch von ihm erwarteter sinkender Reichweite für die Bezahlmodelle diese alternativlos seien. "Das Schicksal unserer Branche wird sich an der Frage entscheiden, ob auch zukünftig in der digitalen Welt erfolgreiche Geschäftsmodelle für journalistische Inhalte zur Verfügung stehen."

Die deutsche Presse steckt derzeit in einer schweren Krise. Die "Financial Times Deutschland" wird eingestellt, die "Frankfurter Rundschau" ist ebenso wie die Nachrichtenagentur dapd insolvent. (APA, 5.12.2012)

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