Ein Businessplan für den Aufschwung Amerikas

Kommentar der anderen | Lloyd C. Blankfein
5. Dezember 2012, 18:47

US-Unternehmen sitzen auf liquiden Mitteln in enormer Höhe und warten nur auf sinnvolle Reformen, um sie zu investieren: Empfehlungen zur Beilegung des Budgetstreits aus dem Hause Goldman Sachs.

Vor vier Jahren hieß es, die neue Regierung unter Präsident Obama strebe dieselbe Dynamik an, die einst in Abraham Lincolns Kabinett herrschte. Damals schlossen sich ehemalige Konkurrenten zusammen, um dem Land durch den Bürgerkrieg zu helfen. Nach der jüngsten Präsidentschaftswahl halten viele einen Vergleich mit der Innenpolitik von Präsident Roosevelt von den späten Jahren der Großen Depression bis zum Zweiten Weltkrieg für angebracht.

Die USA stehen heute vor anderen Herausforderungen als damals. Es bedarf aber einer ähnlichen Bereitschaft zur Zusammenarbeit - und zwar nicht nur zwischen den politischen Parteien -, um diese Herausforderungen zu meistern.

Die Bereitschaft zum Kompromiss und ein Geist der Versöhnung würden Wunder für die Wirtschaft bewirken, wenn Regierung und Wirtschaft gemeinsam beschließen, folgende dringlichen Aufgaben in Angriff zu nehmen:

Q Ausschaltung des Risikos einer sogenannten "Double-Dip-Rezession" und Stimulierung der Konjunktur. Die zum 1. Jänner auslaufenden Steuersenkungen und die am selben Tag wirksam werdenden automatischen Haushaltskürzungen gefährden die noch schwache Erholung. Jede politische Vereinbarung zur Bewältigung der sogenannten "fiskalpolitischen Klippe" erfordert Flexibilität und gemeinsame Opfer, die einige Mitglieder beider Parteien aber anscheinend nicht zulassen wollen. US-Nichtfinanzunternehmen haben mehr als eine Billion US-Dollar an liquiden Mitteln in ihren Bilanzen stehen. Wenn sie Sicherheit in Bezug auf die Steuersätze erhalten, werden die Unternehmen ihre (derzeit sehr niedrigen) Investitionsausgaben erhöhen und so zu einer Aufwärtsspirale mit neuen Arbeitsplätzen und Wachstum beitragen.

Q Wiederherstellung des Vertrauens in die öffentliche Finanzlage: In den Vereinigten Staaten sind die Zinssätze derzeit niedrig, und die Inflation ist moderat. Das öffentliche Haushaltsdefizit und eine wachsende Schuldenlast werden aber irgendwann zu einem drastischen Anstieg der Zinssätze und der Inflation führen. Eine breit angelegte fiskalpolitische Übereinkunft sollte Ausgabenkürzungen, Reformen in der Sozial- und Krankenversicherung und Einnahmesteigerungen zum Inhalt haben.

Ich glaube, dass Steuererhöhungen insbesondere für die wohlhabendsten US-Bürger angebracht sein könnten - aber nur, wenn sie mit einer ernsthaften Senkung von ermessensabhängigen Ausgaben und Kürzungen bei den Sozialprogrammen verbunden werden. Eine Reihe von Vorstandschefs und Unternehmen teilen diese Auffassung und unterstützen die Forderung nach einer umfassenden und ausgewogenen Lösung des Schuldenproblems durch höhere Steuereinnahmen und Ausgabenkürzungen.

Q Beibehaltung niedriger Grenzsteuersätze: Obwohl sich Demokraten und Republikaner über die Komplexität des US-Steuerrechts beklagen, gibt es praktisch keine ernsthaften Reformen. Eine Verbreiterung der Bemessungsgrundlage in der Einkommensteuer durch Beseitigung von Schlupflöchern wird zu erheblichen Mehreinnahmen führen und gleichzeitig Erhöhungen der Grenzsteuersätze auf ein Mindestmaß beschränken. Denn solche Erhöhungen könnten sich nachteilig auf die Bereitschaft zur Risikoübernahme und das Wachstum auswirken.

Q Handeln, als ob wir uns in einem Wettkampf behaupten müssten (denn es ist tatsächlich so): Zum ersten Mal seit Generationen ist klar geworden, dass in den USA reichliche Energieressourcen in Reichweite sind und das Land über die Technologie verfügt, um diese Ressourcen auf verantwortungsvolle Weise zu erschließen. Die Regierung muss mit dem privaten Sektor zusammenarbeiten, um dafür effektive Rahmenbedingungen zu schaffen. Dazu gehört auch, im Zuge der wirtschaftlichen Erholung den Abschluss bilateraler und regionaler Abkommen voranzutreiben, die den internationalen Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr erleichtern. Amerika besitzt mehr Wettbewerbsstärken als die meisten anderen Länder: u. a. eine Kultur, die Innovation und Unternehmergeist fördert, und günstige demografische Voraussetzungen.

Viele Unternehmer in den USA vertreten unterschiedliche politische Auffassungen. Aber ich weiß auch, dass sie alle Fortschritte sehen und ihren Beitrag dazu leisten wollen. Wir alle sind bereit, die Ärmel hochzukrempeln und mit der Regierung Obama und dem Kongress zusammenzuarbeiten, um das dauerhafte Versprechen Amerikas zu erfüllen. (Lloyd C. Blankfein, DER STANDARD, 6.12.2012)

Lloyd C. Blankfein ist Chairman und CEO von Goldman Sachs.

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Interessant, dass Blankfein beim Thema Ausgabenkürzungen

gleich den Sozialbereich erwähnt, nicht aber die enormen Militärausgaben der USA oder die absurd hohen Ausgaben für "Homeland Security"...

Nein danke!

Immer das gleiche: sparen im Sozialbereich. Die Leute von dieser Sorte sollten keinen Platz in den Medien haben!
Einfach unerträglich und schamlos!

Bitte Goldman Sachs.....das sind wohl die Letzten, auf deren guten Rat man hoeren sollte.

Demnächst hier zu lesen: "Wie können wir ein leistungsfähigeres Justizsystem aufbauen und die Korruption am besten bekämpfen" von K.H.Grasser

Steuern müssen nicht erhöht sondern nur bezahlt werden.

General Electric zahlt bei 4 Mrd Dollar Gewinn NULL Dollar Steuern.

Was für einen Müll schrieb der Experte oben gerade?

Das ist der Unterschied warum die USA den Weg aus der Kirse schaffen werden

und Euro-Land wirtschaftlich untergehen wird.

(Da hilft die ganze wirtschaftliche Macht und Gerwerkschaften in Deutschland nichts, bei so vielen ansonsten Sozialisten, man muss sich die franszösischen Idioten ansehen die in Zeiten wie diesen einen Hollande glauben)

die bemühungen helfen nichts, weil jede bewegung im ansatz erkannt wird, durch die vollständige übermittlung der swift daten.
bekanntlich leiten die heutigen business intelligence pakete die komplette performance und das potenzial aus den finanzdaten ab.
und wenn man diese daten von praktisch allen unternehmen hat, dann kann man auch manche unternehmen begünstigen und anderen schaden, wenn man will.
bisher wurde noch jeder versuchung nachgegeben.

bückling

Und - hama wieder amal die Sozialisten am Kieker? Wie intelligent. Sie haben von nichts eine Ahnung, aber auch schon von gar nichts. Die Sozis machen vielleicht manches Mal einen Blödsinn und viele arbeiten auch nur für die eigenen Taschen. Aber das grosse Geld das holen die sich sicher nicht.

Wirklich keine Ahnung..?

.. Sie wissen nicht von was Sie reden. Kaum kommt jemand und sagt Wachstum und schon schreiens mit.

Die Automobilbranche kann machen, was sie will.
Sie produziert heute schon 30% mehr als überhaupt absetzbar ist.
Fragens dort an, vielleicht können Sie Held ja helfen.

.. an wen wollen die Amerikaner denn ihre Produkte verkaufen? Im Inland wirds deswegen kein Wachstum geben. Ins Ausland .. hmm.. aktuell eher schwierig.

Wie wollen Sie denn wachsen .. OHNE Kunden?

wegen den starken und besonders kämpferischen deutschen gewerkschaften

gabs bekanntlich in den letzten 10 jahren auch die niedrigsten reallohnsteigerungen innerhalb der eurozone.
wie alle können uns noch gut an den deutschen Generalstreik unter dem Motto "nieder mit den löhnen, her mit hartz 4, es lebe die Wettbewerbsfähigkeit" erinnern. die unternehmen haben da ja dann auch nur sehr widerwillig eingelenkt.
und die schwache lohnentwicklung in deutschland steht wie ebenso bekannt ist, auch in keinerlei zusammenhang mit den heutigen wirtschaftlichen ungleichgewichten in der eurozone.

erinnere ich mich da richtig?

ich hätte da ja einen anderen Vorschlag

1 Billion liquide Mittel in den Bankbilanzen, die bis auf weiteres ungenutzt bleiben, oder die nächste Blase anheizen, sind doch ein schlagendes Argument für eine Vergesellschaftung des Banksektors unter demokratischer Kontrolle. Der Kredit könnte so von einem Hebel der Aneignung von privaten Profit, in ein Werkzeug zur ökologischen und sozialen Transformation der Gesellschaft verwandelt werden.
Das hört sich für mich jedenfalls logischer an, als das schwache us-amerikanische Sozialssystem weiter zu kürzen und sich von Goldman-Sachs und Co gute Ratschläge oder gar Anweisungen geben zu lassen.

sie..... TERRORIST !!!
;)

Ein guter Anfang wäre es

Goldman Sachs zu zerschlagen.

was kommt als nächstes?

ein kommentar von anders behring breivik über zivilcourage?

Warum wird so ein Kommentar übernommen?

Allgemeines, ideologisches Gewäsch eines Typen, der sich für den wichtigsten Mann der Welt hält...

"- aber nur, wenn sie mit einer ernsthaften Senkung von ermessensabhängigen Ausgaben und Kürzungen bei den Sozialprogrammen verbunden werden."

Arg, aber typisch für den Wirtschaftskriminellen. Warum sitzt der noch nicht?

würde man goldmans schließen und alle dortigen entscheidungsverantwortlichen einsperren käme der aufschwung wesentlich schneller zustande

grün für den humor.
würde man in einem (fiktiven) land voller bigotterie die kirchen schliessen, würde das auch nichts ändern, ausser dass man sich ärger einhandelt.

das problem ist nicht, dass es nicht stimmen täte.
zwischen den zeilen ist der grund zu erahnen. und der.

lloyd kann in einem punkt so interpretiert werden, dass die unternehmen die regierung bestrafen, wenn sie mal was für eine andere klientel tut, zb soziales für senioren und kranke, und allgemein für die zivilgesellschaft.

Frodo,

Ich würde das anders interpretieren: dass L.B. will, dass die Unternehmen es so weit bringen, dass die Sozialleistungen wieder zurückgefahren werden. L.B. will nichts anderes, als ans Geld dieser Unternehmen herankommen. Und möglich an all das Geld, ohne Abstriche. Vermutlich darum dieses Süssholzraspeln an die Adresse der Unternehmer in den USA.

das impliziert ja, sich der regierung zu bemächtigen.

Das ist ein Wischi-Waschi kommentar, mit deren Umsetzung wird man die Krise auch nicht lösen können. Ein bischen Vermögenssteuer, viel von den Armen wegkürzen und weiterhin die Erde ausbeuten um somit neues Wachstum zuschaffen. Das wird die Schulden auch nicht abbauen. Diese Maßnahmen bringen erst, die von Blankfein befürchtete Double Dip Rezession.

Die Ursache unserer Krise liegt in unserem Geldsystem. Wir könnten genügend für alle produzieren, nur leider ist kein Geld da um es zu bezahlen. Diese Geldsystemkrise ist nicht mit vermögensteuern und Sozialkürzungen zu lösen, sondern mit substanziellen Änderungen an unserem Geldsystem.

"...leider ist kein Geld da..." - finde ich nicht!

Geld wäre genug da, es ist nur nicht richtig aufgeteilt.

das geldparadigma ist eingewachsen

leute vom schlage blankfein vertreten wohl auch die ansicht, dass nur dieses geldsystem die menschen zum arbeiten veranlasst, wodurch die güter überhaupt erst entstehen.
diese einstellung ist etwas, das die kinder mit dem löffelchen mitessen. sie hat tausend instruktive gesichter. zb wie für wohlverhalten geschenke gegeben werden. oder wie man über leute spricht, die "niedrige" arbeiten verrichten.

mexico und vincente fox. mal nachlesen über diese bilateralen deals.

leichte steuererhöhungen werden mit sozialabbau "versöhnt". das heisst aber - mehr handlungsspielraum,um sich in sachen charity gut darzustellen. ausgesucht (wann und wem) ist "sozialdings" billiger, als wenns pflichthalber über steuern finanziert wird.

wow - was hier so alles promotet wird, und vor allem wer, läßt einen nur mehr staunen:

ertappte lügner und betrüger:

http://www.youtube.com/watch?v=oOpFbjHcxF0

naja, aber wenigstens geht man jetzt schon zum schmied, und nicht mehr zu den schmiedln wie einer merkel, einen obama oder ähnlichen sockenpüppchen:

http://www.youtube.com/watch?v=XXLlrd5dKQc

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