Zwitscher, Zwitscher

5. Dezember 2012, 17:01
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Was dem einen Benutzer des "Modemediums" die Schmetterlinge im Bauch sind, sind dem anderen Tweets, die ihn auf eine verrutschte Krawatte hinweisen

Ohne beim Publikum für Phantomschmerzen zu sorgen, hat Susanne Schnabl am Dienstag das Magazin Report von Gabi Waldner übernommen. Lediglich ihr Interview mit Norbert Darabos geriet vielleicht etwas sehr ehrgeizig, auch Verteidigungsminister müssen atmen dürfen.

Anschließend konnte sich Mausi Lugner in einem Beitrag über Prominente, die sich für die Wehrpflicht beziehungsweise ein Berufsheer starkmachen, in kein neues Licht nicht rücken. "Ich selbst bin natürlich keine Expertin dafür." Schön, dass das wieder einmal gesagt wurde.

Expertischer behandelte man am Ende das "Modemedium Twitter". Da kam ein Twitter-Stammtisch zu Wort, dem die 140 Zeichen, die das Medium mitteilungsdürftig gestattet, nicht ausreicht - weshalb man sich total unvirtuell beim Wirten zum Bier trifft. Dort sitzen bekanntlich die besten der Experten: verkannte Fußballnationaltrainer, die besseren Bundeskanzler und, und, und.

Die Antwort der eingangs aufgeworfenen Frage, warum Politiker dieses seit 2006 existierende Medium kaum nutzen, beantwortete der Beitrag nicht. Auch als Bundeskanzler Faymanns Twitterauftritt erwähnt wurde, erfuhr man nicht, warum dieser mittlerweile wieder verstummt ist.

Lediglich Zwitschervöglein Stefan Petzner durfte kurz belanglos sein, am Ende wurde das Thema mit einem Interview mit dem ORF-Twitterer Armin Wolf nicht weniger eitel.

Die Erkenntnis: Was dem einen Benutzer des "Modemediums" die Schmetterlinge im Bauch sind, sind dem anderen Tweets, die ihn auf eine verrutschte Krawatte hinweisen. Ja, wenn es um Mode geht, ist die Torheit nicht weit. (Karl Fluch, DER STANDARD, 6.12.2012)

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