"Öl, Gas, Kohle profitieren von versteckten Kosten"

5. Dezember 2012, 18:07
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Einer Studie zufolge wird fossile Energie stärker gefördert als Wind oder Sonne

Berlin/Wien - Fossile Energieträger wie Öl, Gas und Kohle werden von der Mehrzahl der Menschen im Vergleich zu erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne als eher billig wahrgenommen. In Deutschland trifft das auch auf Atomenergie zu. "Das stimmt aber nicht", sagte Swantje Küchler vom Berliner Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS) am Mittwoch in Wien. "Öl, Gas, Kohle und Kernenergie haben Kosten, die auf keiner Rechnung stehen, aber von uns allen bezahlt werden."

Das FÖS hat im Auftrag von Greenpeace Energy und des Bundesverbandes Windenergie erstmals für Deutschland Daten über die tatsächlichen Kosten der Energieträger zusammengetragen. Ergebnis: Würde man die Belastungen des Staatshaushalts und die externen Kosten durch die konventionellen Energieträger nach dem Vorbild der Erneuerbaren-Umlage auf den Verbrauch der Haushalte umlegen, läge diese Konventionelle-Energien-Umlage im Jahr 2012 bei rund 10,2 Cent je Kilowattstunde (kWh).

Finanzhilfen, Steuervorteile

Weil diese Umlage im Gegensatz zur Erneuerbare-Energien-Umlage von den Haushalten nicht direkt, sondern indirekt über das Staatsbudget zu zahlen ist, heiße es, erneuerbare Energien seien zu teuer, Atom- und Kohlestrom billig. Küchler, die auf Einladung der IG-Windkraft in Wien war, wies darauf hin, dass Steinkohle von 1970 bis 2012 in Deutschland mit 311 Milliarden Euro gefördert wurde, Braunkohle mit 87 Milliarden und Atomenergie mit 213 Milliarden Euro. Erneuerbare Energien kommen auf 67 Milliarden Euro, wobei der Boom aber erst später eingesetzt hat.

Berücksichtigt wurde die ganze Palette an Unterstützungen - von Finanzhilfen bis Steuervergünstigungen. Heruntergebrochen auf die Kilowattstunde ergibt sich bei Steinkohle ein durchschnittlicher spezifischer Förderwert von 3,3 Cent, bei Braunkohle sind es 1,3 Cent, bei Kernenergie 4,0 und bei Erneuerbaren 3,4 Cent. Daten für Österreich gibt es nicht. (stro, DER STANDARD, 6.12.2012)

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