"Ich möchte mich wieder prügeln dürfen"

Interview5. Dezember 2012, 18:54
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In "8 Frauen" macht Ulrike Folkerts ab Freitag im niederösterreichischen Landestheater gute Figur

Die Berliner Schauspielerin darüber, wie das zum "Tatort" passt und warum alle Fußballer hetero sind.

Standard: François Ozon hatte beim Drehen mit seinen Diven so seine Not. Das gibt es hier nicht?

Folkerts: Die Intrigen haben ihren Platz auf der Bühne. Wir sind als Ensemble richtig zusammengewachsen. Mit Maria Happel zu proben heißt angstfrei zu spielen.

Standard: Wie verschlägt es Ulrike Folkerts von Berlin nach St. Pölten?

Folkerts: Ich tat mehrfach kund, wieder Lust auf Theater zu haben. Vermutlich kam die stille Post über Wien ins Niederösterreichische Landestheater, und Bettina Hering traute sich zu fragen.

Standard: Die Rolle als Tod im "Jedermann" war eine Initialzündung für gedeihliches Nebeneinander von "Tatort" und Theater?

Folkerts: Ja, man wird schnell festgelegt als Typ. Ich bin die Coole, Toughe, und keiner kommt auf die Idee, mich anders zu besetzen. Man muss dran bleiben und darf nicht warten, dass ein Wunder passiert.

Standard: Ozons Film prägte das Bild von den "8 Frauen". Spielt es eine Rolle, dass mit Maria Happel jetzt eine Frau inszeniert?

Folkerts: Film ist ein anderes Medium, es gibt aber sicher das Phänomen, dass Frauen Regisseuren nicht nur als Schauspielerin gefallen wollen, sondern auch als Frau.

Standard: Gehören Sie auch zu denen?

Folkerts: Nein, ich bin davon ja ein bisschen befreit, und das macht mich auch freier. Obwohl, letzten Endes ist es bei uns genauso: Wir alle wollen von Maria Happel geliebt werden. Der Vorteil: Sie weiß besser, wie diese Frauen ticken.

Standard: Die Figur der Pierrette muss ein spezieller Reiz für Sie gewesen sein: Erotik pur?

Folkerts: Pierrette hat ein Leben als Nackttänzerin hinter sich. Es ist ein anderes Leben, das gefällt mir.

Standard: Wie geht's beim Singen?

Folkerts: Erhard Mooshammer hat alle Lieder neu getextet und komponiert. Das sind echte Knallbonbons. Es ist das erste Mal, dass ich auf der Bühne singe. Ich kann gar nicht sagen, wie viel Schiss ich davor hatte. Ich glaube, ich bin musikalisch, aber ich habe schauspielschulenbedingt eine kleine Blockade.

Standard: Was, wenn jetzt ein Theater käme und Ihnen ein Fixengagement anbieten würde?

Folkerts: Schwierig. Ich drehe zweimal im Jahr 24 Tage "Tatort". Ich bin im Vorteil einer Grundsicherung. Alles, was zusätzlich kommt, ist ein Geschenk. St. Pölten passt mir gut in den Kram.

Standard: Der "Tatort" heute auf einer Skala von eins bis zehn?

Folkerts: Aufsteigend, noch nicht bei zehn, aber über die fünf hinaus. Vor drei, vier Jahren war er unter fünf. In dieser Zeit interessierten sich viele Autoren nur für den Krimi und hatten keine Lust auf die Kommissare. Das geht aber besonders beim "Tatort" gar nicht. Die Zuseher schalten wegen der Teams ein.

Standard: Lena Odenthal gibt es seit 23 Jahren. Ist die Figur für Sie immer noch spannend?

Folkerts: Ist sie. Es gibt Möglichkeiten, die wir ungenutzt lassen. Ich habe ein Konzept erarbeitet, das zeigt, in welche Richtung die Figur gehen könnte und setze mich demnächst mit Redaktion und Produktion zusammen.

Standard: Ein Hinweis?

Folkerts: Mich stört, wenn ich höre, Frau Odenthal sei umso vieles weicher geworden. Das hat mich nie interessiert. Diese Figur war immer schwierig, ruppig, hat sich mit anderen angelegt. Ich will das wieder haben. Ich möchte mich wieder prügeln dürfen, streiten, und ich möchte dabei auch weich sein. Es muss nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen sein. Auf die Dauer ist das langweilig.

Standard: Und das Privatleben von Frau Odenthal?

Folkerts: Ja, die Katze, die Katze - und dann die Katze.

Standard: Und auch in Zukunft sonst gar nichts?

Folkerts: Ich bin da dran. Weil ich es auch schade finde, dass diese Frau so gar kein Sexualleben hat.

Standard: Mit Mann oder Frau?

Folkerts: Mann. Dass sie nicht zu nah an mir dran ist, war mir immer lieb. Obwohl die Community darauf wartet, dass Frau Odenthal lesbisch wird. Aber den Gefallen werde ich ihr nicht tun.

Standard: Obwohl die lesbische Kommissarin im Fernsehen fehlt?

Folkerts: Stimmt, aber es ist einfacher, wenn eine Heteroschauspielerin die Rolle spielt.

Standard: Aber doch interessant, dass es das nicht gibt?

Folkerts: Es gibt ja auch keine schwulen Fußballspieler, oder? Im realen Leben ist das gut versteckt. Ich war froh, als es bei mir raus war und ich mich nicht mehr verleugnen musste.

Standard: Sonntagabend ist für viele "Tatort"-Pflicht. Für Sie auch?

Folkerts: Nicht regelmäßig, aber ich beobachte die Kollegen. (Doris Priesching, DER STANDARD, 6.12.2012)

Ulrike Folkerts (51) ermittelt seit 1989 im "Tatort". 2005 und 2006 war sie der Tod im "Jedermann" in Salzburg.

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    Ulrike Folkerts 2009 bei der Verleihung der Bayerischen Fernsehpreise in München ...

  • ... und nun in St. Pölten mit Birgit Doll (blaues Kleid) im galanten Mordspiel "8 Frauen".
    foto: sepp gallauer

    ... und nun in St. Pölten mit Birgit Doll (blaues Kleid) im galanten Mordspiel "8 Frauen".

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