"Widerspricht Ziel der Presseförderung": Ergebnisse der Studie für das Kanzleramt

Harald Fidler
5. Dezember 2012, 18:29

Zur Reform der Presseförderung liefert Hannes Haas dem Kanzleramt nun sachdienliche Hinweise. Der Wissenschafter rät etwa, Aus- und Weiterbildung besser zu fördern, inhaltliche Vielfalt sowie Onlinemedien. Und nur Medien, die sich Qualitätsstandards verpflichten

Wien - "Qualitätsförderung" zieht sich als Ziel durch die "Evaluierung der Presseförderung" der Kommunikationswissenschafter Hannes Haas, Christian Steininger und Bernadette Kneidlinger. Sie sehen dafür "deutliche Zustimmung". Dem STANDARD liegt ein wesentlicher Teil ihrer Befunde vor.

Aus Workshops schließen sie etwa: "Es muss eine medienpolitische Aufgabe sein, Modelle zur besseren Förderung von Qualitätsjournalismus und Qualitätsmedien zu entwickeln." Gesucht: "Innovative Modelle", „den Qualitätsjournalismus und dessen unverzichtbare demokratiepolitische Leistungen zu finanzieren".

Das heutige System dürfte vorerst eher weiterentwickelt werden - auch anhand von Kritikpunkten:

  • "Nach dem Gießkannenprinzip" erhielten auch Marktführer Vertriebsförderung: "Dadurch werden Marktmonopole großer Zeitungshäuser gestärkt, was dem eigentlichen Ziel der Presseförderung, dem Erhalt beziehungsweise der Förderung von struktureller Vielfalt widerspricht."
  • Inhaltliche Vielfalt ergebe sich nicht nur aus Titelvielfalt. 
  • Neue Technologie in Redaktionsarbeit könnte gefördert werden.
  • Unabhängigkeit von staatlichem Einfluss lasse sich von klar vorgegebenen „mechanischen" Vergabesystemen gewährleisten.
  • Regionale Marktführer hielten sich mithilfe der Presseförderung Zweitzeitungen, um den Markt abzuschotten. Hier sehen die Autoren inhaltliche Vielfalt als mögliche Förderbedingung.
  • Intransparenz, Ineffizienz listet die Studie als häufige Kritik und empfiehlt regelmäßige Prüfung von Vergabekriterien und Wirkung.
  • Onlinemedien, Blogger, Bürgerjournalisten würden bisher nicht gefördert, hörten die Autoren.

Schon zur Kritik verweist die Studie auf Maßnahmen; als "mögliche Lösungsansätze" nennt sie:

  • Qualitätsstandards empfehlen die Autoren als Förderkriterien, etwa "ethische Berufskodizes". Dazu bedürfe es "der Klärung des Begriffs Qualität" und "einfach anwendbarer Kriterien", um ihre Einhaltung zu überprüfen.
  • Inhaltliche Vielfalt sei zu fördern. Gesucht: "Anreizsysteme zur Förderung publizistischer Vielfalt" in der Berichterstattung.
  • Aus- und Weiterbildung von Journalisten, auch technologisch, gelte es besser zu subventionieren.
  • Auch digitale Medien sollen Presseförderung erhalten, sagt die Studie. Ein Kriterienkatalog sei zu entwickeln, "welche Internetangebote geeignet sind und nach welchen Kriterien die Förderhöhe festzulegen ist". (Harald Fidler, DER STANDARD, 6.12.2012)
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12 Postings
och die armen

fest pressend drücken die sog. Qualitätsmedien im Einerlei noch die geringsten Differenzen aufs Papier und sehen ob der ganzen Presserei nicht, dass es immerzu doch nur dasselbe wird.
Der Sog zur Konformität ist zwanghaft. Gesetzt, die Produzenten der Medienindustrie wollten rationalisieren und sich aufs Kerngeschäft konzentrieren, würden sie unweigerlich nur die Presseagenturen erhalten wollen. Mehr ist nicht nötig. Drei privat betriebene Blogs liefern heutzutage Mehr über alles Beliebige als die Hälfte aller deutschsprachigen Blätter. Es ist natürlich schade.
Gut, all dies wird zwanghaft verleugnet und stattdessen auf Blogs und Internet gewettert. Alldreijährlich kommt dann wieder das Gejammere.

wenn nur qualität gefördert wird

wirds billig für den staat: da wir keine qualitätsmedien haben, muss er nichts mehr zahlen

In den letzten Jahren...

...ist ein deutlicher Qualitätsabfall auch bei Qualitätsmedien wie dem Standard zu beobachten. Und das kann nicht nur mit mangelnden Ressourcen begründet werden.

Wesentlich ist auch der "Wurschtigkeitsfaktor". Da werden APA-Meldungen 1:1 übernommen und nicht hinterfragt, obwohl sie in Wahrheit nur eine Presseaussendung einer Partei oder sonstigen Lobby darstellen. Jeder Praktikant bei einer Zeitung müsste zumindest in der Lage sein, den Unterschied zu einem redaktionell bearbeiteten Artikel erkennen und gegebenenfalls selbst weiter zu recherchieren.

Da genügt oft ein Anruf oder eine Internetrecherche.
Sonst ist es nur Copy and Paste. Und dazu brauche ich keine Zeitung zu lesen. Sondern könnte gleich die APA abonnieren.

Weiterbildung wäre wirklich gut. Vor allem Rechtschreibkurse ...

qualität auch in die beschäftigungsverhältnisse!

presseförderung sollte außerdem daran gebunden sein, dass mehr journalist_innen ordentlich angestellt werden - und zwar im richtigen kollektivvertrag.

ups -

das würde ja bedeuten, "heute" nicht mehr zu fördern.

ob die familie dichand damit leben könnte?

Die viel wichtigere Frage ist:

Ob Faymann damit (politisch über)leben kann?

die Familie Dichand sicher

aber was ist dann mit der armen SPÖ Wien

Wenn Sie ihr trübes Adlerauge bitte auf die gesetzlichen Vorschriften richten wollen. "heute" kann auch nach geltender Rechtslage keine Presseförderung bekommen.

Von wegen legal eagle...

Nun, dem Standard würde auch Geld entgehen, aber der schafft es meistens in den schwarzen Zahlen zu bleiben.

Ein- und dieselbe APA-Meldung...

... buchstabengenau (bis hin zu den Rechtschreibfehlern) in fünf Zeitungen, darunter durchaus auch Qualitätszeitungen, lesen zu können, rechtfertigt auch nicht gerade eine Presseförderung aus Steuermitteln.

grundsätzlich ist journalismus ohne agenturmeldungen

schlicht und einfach nicht möglich. die personellen ressourcen die dafür notwendig wären, hat kein medium. die frage ist, wie man agenturmeldungen weiterspinnt. gerade bei meldungen aus dem heimatmarkt, sollte (und tun das die besseren redaktionen eh) die agenturmeldung - im sinne der aktualität - natürlich kommen, aber dann weiter recherchiert werden.

dass die apa ein massives qualitätsproblem hat, ist natürlich nicht zu leugnen.

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