USA: Sicherheitsprobleme erschweren Drohneneinsatz im Inland

6. Dezember 2012, 13:30
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Unbemannte Flugkörper können einfach vom Kurs abgebracht werden und gefährden Luftfahrt

US-Präsident Barack Obama setzt auf den Drohnenkrieg: in seiner ersten Amtszeit wurde in über 300 Fällen der Einsatz unbemannter Fluggeräte (Unmanned Aerial Systems - UAS) gegen Terrorismusverdächtige angeordnet, dabei kamen laut "Washington Post" mehr als 3.000 Menschen ums Leben. Doch auch immer mehr zivile Anwender wollen die die im Vergleich zur bemannten Luftfahrt äußerst kostengünstigen Flugkörper einsetzen.

Eine Studie des US-Kongresses geht davon aus, dass in den kommenden zehn Jahren weltweit fast 90 Milliarden Dollar für die Anschaffung und Weiterentwicklung unbemannter Fluggeräte ausgegeben werden könnten. Während bisher vor allem das Militär Drohnen einsetzt, sollen in Zukunft auch Behörden und Hilfsorganisationen dazukommen. Zur Überwachung von Staatsgrenzen oder Waldbränden werden UAS bereits verwendet, auch Polizei und Wissenschaft zeigen großes Interesse an der kostengünstigen Alternative zu bemannten Flugzeugen: Überwachungsdrohnen kosten mit 30.000 bis 50.000 Dollar nicht viel mehr als ein Streifenwagen.

Einzelgenehmigung erforderlich

Derzeit ist der Betrieb unbemannter Fluggeräte im US-Luftraum nur mit einer Einzelgenehmigung möglich, was hohe Kosten verursacht. An einer Integration in die reguläre Luftraumüberwachung wird gearbeitet. Das Problem war bisher vor allem die hohe Kollisionsgefahr, weil ein Flugkörper auf einer fix programmierten Route im Gegensatz zu einem menschlichen Piloten anderen Verkehrsteilnehmern nicht ausweicht. Hier sind technische Lösungen in Sicht: die Drohnen sollen mit der nächsten Generation von Transpondern ausgerüstet werden, die auf Basis von GPS-Daten die aktuelle Position ausstrahlen. Bei dieser Gelegenheit wird auch die Luftraumüberwachung von bodenbasierten Radars auf Satelliten umgestellt.

Ein großes Problem sind abreißende Funkverbindungen: bisher fliegen die UAS in diesem Fall einfach im Kreis, bis sich der Empfang wieder einstellt oder leiten schlimmstenfalls automatisch den Rückflug zum Startplatz ein. Durch falsche GPS-Signale ("Jamming") soll es iranischen Technikern vor einem Jahr gelungen sein, eine US-Spionagedrohne zur Landung auf iranischem Staatsgebiet zu bringen: das Fluggerät glaubte, dem programmierten Rückweg zu folgen (derStandard.at berichtete). Weil die Landebahn im Iran etwas höher liegt als die US-Basis, zu der die Drohne eigentlich zurückkehren sollte, wurde damals offenbar das Fahrwerk beschädigt.

1.000-Dollar-Hardware

GPS-Störsender, die man leicht selber bauen kann, sind vor allem für kleinere Drohnen ein Problem, weil sich diese für die Bestimmung ihrer Position ausschließlich auf dieses in den 70er Jahren geplante und 1994 in Betrieb genommene satellitengestützte System verlassen. Bei einem Versuch auf der White Sands Missile Range im Juni dieses Jahres gelang es Technikern der University of Texas, mit Hardware um 1.000 US-Dollar und selbstentwickelter Software eine kleine Drohne zum Absturz zu bringen.

Größere Flugkörper sind zusätzlich mit Kreiselkompassen ausgestattet, die ihnen auch ohne GPS-Empfang ermöglichen, ihren Kurs beizubehalten. Eine andere Lösung wäre, die GPS-Signale zu verschlüsseln, was aber zusätzliche teure und schwere Elektronik erfordern würde.

EU unterscheidet zwischen schweren und leichten Drohen

Auch in der EU wird über die rechtlichen Bedingungen ziviler Drohneneinsätze diskutiert: hier sollen Regeln für Drohnen unter einem noch festzulegenden Gewichtslimit von den einzelnen Mitgliedsstaaten erarbeitet werden, große Fluggeräte sollen unter ein EU-weites Gesetz fallen. (bed/derStandard.at, 6.12.2012)

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    Überwachungsdrohne "MAV" im Afghanistan-Einsatz

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