ORF finanziert Weihnachtsempfang eines Stiftungsrats mit

5. Dezember 2012, 14:19
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Kooperation zwischen Firma des Kärntner Stiftungsrats und Enterprise - Neuschitzer: "Ich arbeite hier indirekt zum Wohle des ORF" - ORF spicht von "Kunderveranstaltung der ORF-Enterprise"

Wien - Eine Kooperation zwischen dem Kärntner Stiftungsrat Siggi Neuschitzer und der ORF-Werbetochter Enterprise sorgt für Diskussionen. Nach APA-Informationen finanziert die ORF-Enterprise einen Weihnachtsempfang der privaten Firma des FPK-nahen Stiftungsrats mit. Neuschitzer sieht daran nichts Problematisches. "Ich bringe dem ORF Kunden. Ich arbeite hier indirekt zum Wohle des ORF und habe selbst Null davon", sagte der Kärntner Gremienvertreter. Der ORF betonte, dass es sich "nicht um eine Veranstaltung eines Stiftungsrats" handle, "sondern primär um eine Kundenveranstaltung der ORF-Enterprise im Zusammenhang mit dem Kinderprogramm Okidoki".

Neuschitzer ist Eigentümer eines Kärntner Baby-Hotels, Mitbegründer der europäischen Kinderhotels und Miteigentümer einer entsprechenden Marketinggesellschaft. Für 12. Dezember hat er Freunde und Geschäftspartner per Mail "in Kooperation mit der ORF-Enterprise zur diesjährigen Kinderhotels Europa Kooperationsweihnachtsfeier beim Pfarrwirt in Wien" eingeladen. Auch "meine Freunde aus dem Direktorium vom ORF" lud Neuschitzer in dem Schreiben von Ende November ein.

Netzwerken

"Das finanziere ich mit meiner Firma, das hat mit dem Stiftungsrat nichts zu tun", kommentierte der FPK-nahe Gremienvertreter am Mittwoch die Kooperation mit der Enterprise. Er habe etwa 80 Industriekooperationen, mit denen er regelmäßig netzwerke. Dem ORF habe er angeboten, hier dabei zu sein und ebenfalls Kunden einzuladen. Dass er selbst mehr von dieser Kooperation profitiere als der ORF von Neuschitzer, lässt der Kärntner Hotelier nicht gelten. "Das ist ein Witz. Das Gegenteil ist der Fall." Mit den im Juni verschärften Corporate Governance Regeln des ORF-Stiftungsrats sieht sich Neuschitzer jedenfalls nicht im Konflikt.

Kundenveranstaltung

Der ORF folgte der Argumentation Neuschitzers. Demnach handle es sich um "eine kleine Kundenveranstaltung, wie sie die ORF-Enterprise regelmäßig durchführt". Im konkreten Fall "unterstützt durch eine Initiative eines Stiftungsrats". Zweck der Veranstaltung seien "Ausbau und Intensivierung von Kundenkontakten, insbesondere im Bereich von kinder- und jugend-affinen Unternehmen", hieß es. Eingeladen wurden laut der ORF-Werbetochter 50 Partner der Kinderhotels und Werbekunden der Enterprise, die Kosten würden hälftig gesplittet und maximal 2.500 Euro pro Gastgeber betragen, insgesamt ist von 5.000 Euro die Rede.

Nach dem Corporate Governance Kodex des obersten ORF-Gremiums sind Geschäfte zwischen Stiftungsräten und dem ORF erst ab einer Bagatellgrenze von 5.000 Euro im Jahr zu melden. Der Stiftungsrat sei deshalb nicht mit der aktuellen Kooperation zu befassen, hieß es aus dem Sender.

Neuschitzer war in der Vergangenheit vor allem mit Kritik am ORF aufgefallen. Angesichts des Spardrucks im ORF stellte er das Zulagensystem des Senders in Frage. ORF-Mitarbeiter seien "überdurchschnittlich hoch besoldet", auch "Weiße Elefanten" prangerte er an. Bei kritischen FPK-Geschichten in ORF-Sendungen intervenierte Neuschitzer in Redaktionen oder im Stiftungsrat. Zuletzt monierte er etwa, dass die ORF-"Staatskünstler" Maurer, Palfrader & Scheuba in Kärnten Pickerln mit der Aufschrift "Diese Firma ist so frei und zahlt kein Geld an die Partei" verteilt hatten. (APA, 5.12.2012)

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