Mumok hofft auf Franz West und Albert Oehlen

5. Dezember 2012, 14:08
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Ausstellungspläne 2013 präsentiert - Auflösung von Rücklagen könnte notwendig werden

Wien  - Umfassende Ausstellungen zu Franz West und Albert Oehlen sowie Präsentationen, die sich mit den politischen, wirtschaftlichen und medialen Umbrüchen unserer Zeit auseinandersetzen, stehen im Mittelpunkt des kommenden Ausstellungsjahres im "museum moderner kunst stiftung ludwig wien" (mumok), das am Mittwoch von Direktorin Karola Kraus und ihren Kuratoren vorgestellt wurde.

Als "durchaus erfreulich" bezeichnete Karola Kraus das laufende Ausstellungsjahr hinsichtlich der Presse- und Besucherresonanz. Hochgerechnet werde man am Jahresende bei knapp 200.000 Besuchern liegen, davon 137.000 zahlende und 63.000 nicht-zahlende, inkl. 32.000 im Rahmen des Gratis-Eintritts für Kinder und Jugendliche. Naturgemäß ist das mehr als im Vorjahr (148.219 Besucher), als umbaubedingt drei Monate geschlossen war, hat die Zahlen der Jahre davor (2010: 227.700, 2009: 241.300) wurden allerdings nicht erreicht. 2012 werde man kein negatives Ergebnis schreiben, sagte Kraus, "aber in den nächsten drei Jahren werden wir unsere Rücklagen auflösen müssen".

Rund 30 "Kombi-Werke"

Mit einer Drefach-Eröffnung startet das Jahresprogramm  am 22. Februar: "Franz West - Wo ist mein Achter?" ist eine "Retrospektive durch die Hintertüre" (Kuratorin Eva Badura-Triska), die anhand von rund 30 "Kombi-Werken", bei denen West selbst mehrere Einzelstücke zu meist installativen Arbeiten kombiniert hat, einen Überblick über das Werk des im Juli verstorbenen österreichischen Künstlers bietet. Dabei werden neben den berühmten Passstücken, Möbeln, Skulpturen, Videos und Arbeiten auf Papier auch Arbeiten befreundeter Künstler zu sehen sein.

Auf fantastischen Realismus und realen Sozialismus spielt der Ausstellungstitel "Fantastischer Sozialismus" der Wiener Künstlerin Verena Dengler (geb. 1981) an. Dengler sei "eine Flaneurin, die sich mit einem feinen Sensorium über die Populärkultur Gedanken macht und daraus Installationen kreiert", schilderte Kurator Achim Hochdörfer. Bilder, Skulpturen, Textilien und Fundmaterialien verbinden sich dabei zu einem anspielungsreichen und poetischen Kosmos.

"in progress. Werke aus der mumok Sammlung" heißt die letzte der drei Auftakt-Ausstellungen. Mit rund 70 Arbeiten wird die Präsentation der hauseigenen Sammlung, die heuer Dank zahlreicher Schenkungen einen "fast an die Millionengrenze" (Kraus) gehenden Wertezuwachs erzielt hat, fortgesetzt. Ab 20. Mai wird die Ausstellung auf zwei zusätzlichen Ebenen um weitere Sammlungshighlights erweitert. Nur 15 der 37 im "Museum der Wünsche" geäußerten Wünsche sind noch unerfüllt.

Oehlen per "konfrontative Gegenüberstellung"

Am 13. Juni eröffnet eine große Überblicksschau zum Werk des deutschen Malers Albert Oehlen (geb. 1954). In der "konfrontativen Gegenüberstellung unterschiedlicher Werkgruppen", bei der auch "erstmals ein neuer Bildzyklus gezeigt (wird), der eine Akkumulation von Oehlens bisherigem Schaffen darstellt" (Pressetext) werde kein Exponat der Sammlung ihrer Familie (Grässlin, Anm.) enthalten sein, versicherte die Direktorin.

Ab 5. Juli zeigt der in Berlin lebende Neuseeländer Simon Denny (geb. 1982) seine medienanalytischen Arbeiten. "Es geht ihm um die Verbindungen von Kommerz, Ästhetik, Information, Politik und Kommunikation", sagte Kurator Matthias Michalka.

"and Materials and Money and Crisis", heißt eine Gruppenausstellung, bei der sich Gastkurator Richard Birkett anhand historischer und aktueller Arbeiten mit Material- und Geldflüssen beschäftigt. Dabei soll u.a. gezeigt werden, dass sich die Kunstproduktion bis hin zur physischen Beschaffenheit der Kunstwerke nicht von großen ökonomischen Prozessen abkoppeln lässt.

Die 1976 in Talinn geborene Film- und Fotokünstlerin Marge Monko, Henkel Art.Award-Preisträgerin 2012 - stellt ab 25. Oktober ihre Arbeiten zum Niedergang des Kommunismus und der Krise des Kapitalismus aus.  (APA, 5.12.2012)

  • Albert Oehlen: "Selbstportrait mit Pferd" (1985).
    foto: mumok / courtesy galerie max hetzler

    Albert Oehlen: "Selbstportrait mit Pferd" (1985).

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