Asylwerber am Wort: Wie es uns so geht

Leserkommentar | Clifford Aghator
7. Dezember 2012, 08:58

Ein klärendes Statement aus dem Camp

Ich bin seit mehr als acht Jahren in diesem Land, ohne an die Zukunft denken zu können - ich habe acht Jahre hier verbracht, als ein Asylwerber. Das bedeutet zum einen, dass ich vom Feuer in eine Bratpfanne gekommen bin. Und das bedeutet zum anderen, dass in Österreich Träume sterben. Ich frage mich oft, "Was bedeuten die Menschenrechte für ÖsterreicherInnen, die das Ausmaß an Ungerechtigkeit sehen, und trotzdem nichts sagen?" Wie kann es sein, dass die Übereinkunft zwischen einem gewissen Bürgermeister in Kärnten und dem Innenministerium, AfrikanerInnen und TschetschenInnen nicht in dessen Dorf zu verlegen, von so Vielen stillschweigend hingenommen wird?

Flüchtlinge und AsylwerberInnen sind weder Idioten noch AnalphabetInnen, die ihre Rechte nicht kennen, oder nicht erkennen, wenn ihre Rechte verletzt werden. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die EuropäerInnen immer noch nicht erkannt haben, wie weit sich die gesamte Welt vorwärts bewegt hat.

Im Moment gibt es mir zu denken, dass viele AsylwerberInnen sich immer noch nicht aus ihren Quartieren trauen - trotz unseren wiederholten Aufforderungen, sich uns im Sigmund Freud Park in Wien anzuschließen. Hätten sie dies getan, wären jene Stimmen, die behaupten, dass wir von AktivistInnen und politischen Parteien benutzt werden, wohl erheblich leiser geworden.

Die AktivistInnen, die uns unterstützen, hören uns zu und helfen uns dabei, die Öffentlichkeit zu erreichen. Ist das etwas Schlechtes? Wir haben Repressionen erlitten und sind dazu verdammt worden, eine sprachlose Einheit zu werden, der nur eine Option offen steht: Zu versagen, ganz egal in welche Richtung wir uns drehen, und dabei zu hören, dass Österreich ein freier Staat ist, in dem jedem (zumindest in der Theorie) Rede- und Bewegungsfreiheit zugestanden wird.

Bisher haben auch die Medien einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, die Glaubwürdigkeit der Flüchtlinge zu untergraben, die sich im Moment gegen die unmenschlichen Umgangsweisen in den Lagern auflehnen. Das Gleiche gilt für die politischen Parteien die von der Initiative des Flüchtlingscamps zu profitieren versuchen.

In Reaktion auf den Standard-Kommentar "Traiskirchen und das 'Sprachrohr'-Problem", der darauf hinweist, dass AsylwerberInnen noch nie so gut organisiert waren, bleibt zu sagen, dass der Moment der Wahrheit gekommen ist. 'What goes up, must come down' - der Rassismus, die Repression und die Kriminalisierung, die die AsylwerberInnen ertragen mussten, haben eine Reaktion ausgelöst. Ich habe, im Gegensatz zu Euch, in einem Flüchtlingslager gelebt. Ich wurde diskriminiert, ich habe offensichtlichen Rassismus und Hass erlebt, und ich weiß, wie sich Freiheit anfühlt.

Freiheit ist das Gegenteil davon, was ich hier in Österreich erlebt habe. Ihr beschuldigt Flüchtlinge auf der faulen Haut zu liegen und antriebslos zu sein. Wie könnt ihr euch Gegenteiliges überhaupt erwarten, wenn eure Bemühungen immer wieder darauf ausgerichtet sind, uns unsere Rechte an dieser Gesellschaft teilzunehmen und zu ihr beizutragen, zu nehmen. Talente und Träume sterben hier. In diesem Land fließen weder Milch noch Honig im Überfluss, deshalb sind wir Flüchtlinge ausgetrocknet. Die kontinuierliche Manipulation durch das Asylwesen und vergangene und gegenwärtige InnenmisterInnen wird ganz bestimmt auch den letzten Rest unserer Energie ersticken, wenn wir uns weiterhin in unseren Sechser-Betten verstecken. (Leserkommentar, Clifford Aghator, derStandard.at, 7.12.2012)

Clifford Aghator sieht sich als Aktivist; auf Grund des Drucks, unter dem er seit fast einem Jahrzehnt lebt, wurde er zu einem Freiheitskämpfer, der sich für seine Familie einsetzt. Er zieht drei Kinder groß und hofft darauf, dass die Situation sich bald verändern wird.

Den englischen Originalbeitrag können Sie hier nachlesen.

Link zu den Forderungen der Flüchtlinge auf dem Blog von Refugee Camp Vienna

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Warum sagen Sie nicht,

ob Sie einen plausiblen Asylgrund vorweisen können? Haben sie einen positiven Bescheid in der Hand?

ich bin grundsätzlich der meinung das jeder der nach österreich kommt und arbeit (selbe konditionen wie für österreicher) findet, diese auch ausüben dürfen soll, damit integriert er sich in den meisren fällen eh von selbst. was ich aber nicht verstehe ist: jemand flüchtet, weil es wo schlechte bedingungen gibt in ein land und regt sich auf das er dort kein handy bekommt (überspizt dargestellt). wenn asylwerber angeblich nicht arbeiten dürfen, wie haben es die eltern von arigona geschafft offiziell zu arbeiten? Ich verstehe natürlich wenn sie sich über schlechte behandlung oder dergleichen aufregen, aber bevor jemand alle annehmlichkeiten des staats in anspruch nehmen darf sollte er sich integrieren, was bei arbeitsverbot sehr schwer ist.

asylwerberInnen dürfen nicht "angeblich" nicht arbeiten. sondern sie dürfen tatsächlich nicht arbeiten. junge menschen dürfen deswegen auch keine lehre machen, und daher auch nicht in berufsschulen gehen. der großen mehrheit werden schulzeugnisse nicht anerkannt und entsprechende vorbereitungskurse auf österreichische schulabschlüsse werden nicht mehr angeboten (da sie seit 2012 nicht mehr gefördert werden). d.h. weiterführende schulbesuche sind auch unmöglich.
auch wenn wir alle gern "zuspitzen" da gehts nicht um konsumartikel sondern um die möglichkeit menschenwürdig leben zu dürfen.

Ihre Schilderung ist wenig überzeugend.

Allgemein zu jammern über die bösen Österreicher genügt nicht.
Wenn Sie schon acht Jahre hier sind und keinen positiven Asylbescheid vorweisen können, vielleicht gibt es in Ihrem Fall keinen Asylgrund. Das würde jedenfalls die Sache erklären.
Immerhin vermeiden Sie es, diesen Punkt näher zu erklären...

8 jahre in Ö

und kein asylbescheid ist, wenn man die praxis hierzulange etwas kennt, leider keine ausnahme und noch lange kein indiz für "keinen asylgrund".

"vom Feuer in eine Bratpfanne?"

Hat er in den 8 Jahren nicht genug Deutsch gelernt, um den Text gleich auf Deutsch zu verfassen oder warum ist eine (noch dazu so schlechte) Übersetzung aus dem Englischen notwendig?

@Anonymer... Sie haben vollkommen recht.

Der Ausdruck heißt übrigens im Deutschen: "Vom Regen in die Traufe." Die wörtliche Übersetzung ist Unsinn...

.. und wie ist der Unterricht so in der Spengergasse Herr Aktivist?

hallo herr aghator
kann bitte irgendwer erklären welche bescheide dem 8 jährigen aufenthalt hier zugrunde liegen???
das wird bewusst völlig im dunkeln gehalten?
hat er die ins clo geschmissen oder was? war die behörde säumig?
dieser artikel ist völlig losgelöst von irgend einem sachlichen hintergrund.
bitte an die redaktion ob man das nicht objektiv nachreichen kann???

ist das der selbe?

http://at.linkedin.com/pub/aghat... 20/b94/492

zur Schule gehen wäre da wohl angebrachter ..

"Talente und Träume sterben hier. In diesem Land fließen weder Milch noch Honig im Überfluss, deshalb sind wir Flüchtlinge ausgetrocknet."

Das hätt der Quasi auch gesagt! Lieber Herr Aghator, willkommen in der österreichischen Realität!

Zum Trost:

Es gibt wahrlich keinen Grund, die BürgerInnen dieses Landes zu beneiden (von Ausnahmen abgesehen) und Wien ist ein hartes Pflaster, das wird Ihnen jede/r bestätigen, der nicht Netrebko heißt (und vielleicht hat es auch die Frau Netrebko nicht immer ganz leicht gehabt.)

Trotzdem: Ich lebe gerne hier, und heute, nach vielen Jahren zähen Kampfes und massiver Mühsal hab ich einen recht guten Mittelplatz gefunden. Zwar, wie heißt es in dem schönen Lied (allerdings nicht über Wien) If You can make it there You'll make it everywhere - aber wenn soviel Energie in eine Sache gegangen ist, schießt man die nicht freiwillig in den Wind.

Nochmals die frage, haben es die österr. Behörden in den 8 jahren nicht geschafft auch nur einen entsprechenden asyl lbescheid auszustellen. Wartet der jetzt 8 jahre schon drauf?
Komisch...

Eventuell hat er auch Bleiberecht erhalten, aber kein Asyl, womit Er gewißermassen in der Schwebe hängt.

Das erinnert irgendwie an den Beginn der Diskussion um

die Zogajs, wo man auch immer von einem Antrag der so lange gedauert hat ausgegangen ist.
Dann waren es über hundert Anträge und Einsprüche die der Österreichische Staat bearbeiten musste.

Die Diskussion ob ihm Recht oder Unrecht angetan wurde ist sinnlos, solange niemand die Einzelheiten kennt.

Sicher ist nur, dass der Mann nicht in Österreich festgehalten wurde und dass er bis jetzt keinen positiv erledigten erledigten Asylantrag hat.

Der Vorwurf:

"...haben es die österr. Behörden in den 8 jahren nicht geschafft auch nur einen entsprechenden asyl lbescheid auszustellen"

wird höchstwahrscheinlich nicht stimmen.
Bescheide werden genug ausgestellt worden sein.

Einfach großartig lächerlich

hier.

Einem Erfahrungsbericht werden die Argumente aus der Krone entgegengehalten. Nein, nein, nein - unser System rund ums Asyl ist eh super, der Autor ist ja nur ein pöser Ausländer, der darf auch keine Meinung haben, sondern darf nur dankbar sein. Warum auch immer.

steht da nicht "ich kenne das Gefühl von Freiheit in Österreich habe ich das nicht" Entschuldigung warum ist er dann hier und vor der Freiheit nach Österreich geflüchtet. Was soll dieser Unsinn?

systemimmanent - ohne der permanenten versorgung mit externen feindbildern hätten wir uns nämlich schon längst gegen das system selbst gewandt, das uns stattdessen lieber mit diesen feindbildern versorgt und sie per medien und politik in mundgerechten häppchen serviert...

er darf jede Menge Meinungen haben, nur sollten sie nicht derart unverschämt sein

Ups, habe ihr Posting falsch verstanden, dachten sie reden

von Meinungen in diesem Forum.

Meinungen sind nicht das Problem.

Das Problem ist, wenn jemand dabei stehen bleibt und in keinster Weise versucht die Probleme dieser Menschen zu verstehen.

Ts ts ts

was motiviert einen Menschen in einem Land, in dem Hass, Rassismus, Repression und unmenschliche Umgangsweisen herrschen um Asyl anzusuchen und das 8 Jahre hindurch.

Sie werden es nicht für möglich halten,

aber er wird wohl nicht wirklich die Wahl haben.

wieso?? er kommt von irgendwoher wo er das Gefühl von Freiheit kennengelernt hat schreibt er. so what??

Schwachsinn. Rund um Ö sind nur(!) sichere Dritt-Staaten, über irgendeinen von denen muss er ja auch im Sinne des Dublin-Abkommens gekommen sein -

es hindert ihn mit Sicherheit niemand, sich ein anderes Land auszusuchen, wenn's ihm hier gar so schlecht geht.

Sehr geehrter Herr Aghator!

Es stünde Ihnen trotz aller Kritik durchaus an, auch ein Wort des Dankes an die österr. Bevölkerung zu richten. Denn seit -wie sie schreiben- 8 Jahren sorgen die österr. Bevölkerung und NGO´s (die ihr Geld auch von der Bevölkerung erhalten) für Sie und Ihre Familie.

Es erscheint mir unangebracht, nur zu fordern und nicht auch einmal zu danken.

Desgleichen finde ich es mehr als unverschämt, diese Forderung mit einer erhobenen Faust und den Worten "We will rise" zu untermauern. (Mehrmals gesehen im Camp und bei Demos)

Wie sie richtig schreiben, fließt in Ö. weder Milch noch Honig im Überfluß. Warum sollte das gerade für Flüchtlinge so sein?

MfG

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