Neues Diagnosegerät für Hüft-Arthroskopie

5. Dezember 2012, 12:42

Mit Hilfe einer Zugvorrichtung wird das Bein schonend aus der Gelenkpfanne gezogen und ermöglicht so einen Einblick ins Innere des Hüftgelenks mittels MRT

St. Johann in Tirol - Ehrenfried Schmaranzer und Markus Reichkendler - zwei Mediziner des Bezirkskrankenhauses (BKH) St. Johann in Tirol  - sorgen mit einer neuen Entwicklung für Aufsehen: Ein Gerät für die Früherkennung der Hüftgelenksarthrose, das den Ärzten neue und bislang nicht für möglich gehaltene Einblicke in das Gelenk ermöglicht.

Angewendet wird das Gerät im Vorfeld von Hüftgelenksarthroskopien, einer relativ neuen Operationstechnik, bei der vor allem junge, oft sportliche Patienten mit unklaren Hüftbeschwerden behandelt werden.

Unbefriedigend war allerdings bislang die Diagnostik vor einem derartigen Eingriff. Im Gegensatz zu den meisten anderen Gelenken ist die Darstellung des Hüftgelenkes mittels Magnetresonanztomographie (MRT), Röntgen oder CT nur sehr schwer möglich, so dass häufig erst während der Operation genau erkannt werden konnte, in welchem Ausmaß das Gelenk bereits geschädigt war.

Einfache Apparatur

Dieses Problem konnten nun die Tiroler Mediziner relativ einfach lösen: Mit Hilfe einer Zugvorrichtung wird das Bein schonend aus der Gelenkpfanne gezogen und ermöglicht so einen Einblick ins Innere des Hüftgelenks mittels MRT. "Dadurch erhalten wir Aufnahmen, die bisher mit keiner anderen Methode möglich waren", erläutert Schmaranzer. "Wir waren allerdings selber verblüfft, dass wir für diese Problematik als erste eine marktreife Lösung erarbeiten konnten", ergänzt Kollege Reichkendler.

Das mittlerweile patentierte und zertifizierte Gerät mit dem Namen "trac-view" sorgt auch bei internationalen Fachkongressen für Erstaunen: "Niemand hatte für möglich gehalten, dass mit einer derart einfachen Apparatur derartige präzise Ergebnisse erzielt werden können", sagt Schmaranzer. Nach Meinung der Experten könnte die neu entwickelte Methode künftig zum präoperativen Standard in der Abklärung der Früharthrose am Hüftgelenk werden. So planen etwa englische Orthopäden im nächsten Jahr die neue Untersuchungsmethode an mehreren Krankenhäusern in London vor Ort zu etablieren.

Als nächster Schritt für die Verbreitung der neuen Technologie wurde jetzt ein Kompetenzzentrum für Hüftgelenksdiagnostik und -arthroskopie am Bezirkskrankenhaus errichtet, in dem die St. Johanner Mediziner ihre bisherigen Erfahrungen weitergeben. - Bereits jetzt sind laufend Ärzte aus ganz Österreich am BKH St. Johann zu Gast, die für die neue Anwendung sowohl in der Radiologie wie auch im OP geschult werden. (red, derStandard.at, 5.12.2012)

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