Aus der Traum vom Tannenbaum

5. Dezember 2012, 13:47
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Er ist klobig, steht mitten in Brüssel und kommt ganz ohne Nadeln aus: der laut Kritikern hässlichste Christbaum der Welt

Das Ungetüm streckt sich 24 Meter in die Höhe, besteht aus wenig Holz und viel Metall. Tagsüber bietet es vor einer Klangkulisse Platz für Reklame, sobald es dunkel wird, blinkt der würfelige Klotz in verschiedenen Farben. Blau, grün, orange. Ein Spektakel sollte es werden und Brüssel auf einem der schönsten Plätze der Welt, der Grand Place, zur Weihnachtszeit von anderen Städten abheben, so die Brüsseler Stadtverwaltung. Sie nennt das Gebilde Xmas3 und "Kunstwerk". Zum Anschauen und zum Hineingehen. Man wolle eben zum Ausdruck bringen, wie aufgeschlossen die Stadt für moderne Architektur ist. Einen Bruch mit der Tradition hingegen gebe es nicht. Immerhin bietet das gesamte Weihnachtspektakel auf einer Länge von zwei Kilometern unter anderem 250 traditionelle Hütten, eine Rodelbahn und einen Eislaufplatz.

Für viele Einheimische und Touristen ist der leuchtende Christbaum nichts weiter als ein Ärgernis. Unter dem Motto "Für die Rückkehr des echten Tannenbaums" hagelt es auf Facebook Nadelstiche gegen die Stadtverwaltung. "Nein zur Todesstrafe für unseren Baum, Ja zum Respekt unserer Traditionen", "verschandelt nicht unsere Grand Place", "Zum Kotzen, mehr kann man dazu nicht sagen", "diese Scheußlichkeit soll 40.000 Euro gekostet haben, das ist fünf Mal mehr als eine echte Tanne."

Philippe Close von der Tourismusverwaltung versteht die Welt nicht mehr. Nach den herben Protesten nimmt er in einem offenen Brief dazu Stellung: "Mit 40.000 Euro kostet der Baum dieses Jahr drei Mal weniger als die Tanne vom letzten Jahr." "Außerdem", so Perrine Marchal von der Stadtanwaltung auf Anfrage von derStandard.at, "werden die gesamten Kosten inklusive Beleuchtung vom Energieversorger Electrabel getragen." Zudem stünde am Platz immerhin auch eine traditionelle Krippe. Der Eintrittspreis von vier Euro gehe direkt an eine soziale Einrichtung. Ein Schritt, der in wirtschaftlich schlechten Zeiten doch durchaus begrüßenswert sei. Nicht zu vergessen die 1,5 Millionen Touristen, die der Weihnachtszauber in Brüssel jedes Jahr in die Stadt treibt. Die Dekoration sei wie jedes Jahr "feenhaft und bezaubernd".

Ob das blinkende Objekt auch heuer für so viele Besucher sorgt, ist offen. Vielleicht erweist sich ja gerade die Kritik eines Facebook-Users als Publikumsmagnet: "Hier steht der hässlichste Baum der Welt." (ch, derStandard.at, 5.12.2012)

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    Staunen, Bewunderung, Abscheu?

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    Zu übersehen ist sie jedenfalls nicht, die Brüsseler "Tanne".

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