Unterstützung für Asylwerber

5. Dezember 2012, 10:30
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Fast 350 Familien hat der Verein Purple Sheep bereits beim Asylverfahren geholfen

Wien - Wer in den letzten Jahren die Meldungen der Tageszeitungen verfolgt hat, dem ist sicher aufgefallen, dass sich die Lage für Asylwerber drastisch verschlechtert hat. Die Gesetze wurden verschärft, und ein Gutteil der Bevölkerung neigt zur Voreingenommenheit. Tatsächlich hat sich das "Ausländer"-Thema zu einem wahrhaftigen Alibithema entwickelt: Wie man früher aus Verlegenheit über das Wetter sprach, schimpfen manche jetzt einfach auf Asylanten.

Im Jahr 2010, als wieder einmal die Vorgaben für Schubhaft verschärft wurden, fand die 35-jährige Juristin Karin Klaric, dass es an der Zeit sei, etwas dagegen zu tun. Sie gründete im April desselben Jahres den Verein Purple Sheep zur Förderung und Einhaltung der Rechte von Asylwerbern.

Elf Jahre im Flüchtlingsheim

Dieser Verein bietet neben kostenloser Rechtsberatung für Flüchtlinge auch Wohnungen, Verpflegung und Kleidung an. Familien, die eigentlich ein Recht auf eine Niederlassungsbewilligung hätten oder bei denen ein behördlicher Fehler im Asylverfahren aufgetreten ist, werden im "Freunde schützen"-Haus in Wien-Meidling aufgenommen, wo ihnen Zimmer, Möbel und Essen zur Verfügung gestellt werden.

Das Projekt finanziert sich ausschließlich aus privaten Spenden, und die Mitarbeiter arbeiten bis auf Frau Klaric alle ehrenamtlich oder nebenberuflich dort. Zurzeit betreut Purple Sheep in ganz Wien verteilt rund 50 Familien, darunter 80 Kinder und Jugendliche.

Der jüngste Familienzuwachs ist eine Roma-Familie, die mit einem durchgehenden Asylverfahren seit elf Jahren in einem Flüchtlingsheim in Österreich lebte. Sie standen schon kurz vor der Abschiebung, doch mithilfe von Purple Sheep haben sie im Juli - nur ein Tag vor der geplanten Abschiebung - erfahren, dass sie doch noch bleiben dürfen. Bald ziehen sie nun in ihre erste eigene Wohnung. "Als wir ihnen davon erzählt haben, sind sie drei Stunden schweigend bei uns im Büro sitzen geblieben. Es war wie ein Schock für sie - nach so vielen Jahren den ersten Raum ganz für sich zu haben", erinnert sich Klaric.

Bereits über 344 Familien konnte der Verein Purple Sheep beim Asylverfahren helfen. Oft werden die Antragstellenden von den Behörden nicht entsprechend informiert.

Was würde wohl mit den Hausbewohnern passieren, wenn sie nicht im " Freunde schützen"-Haus untergebracht wären? "Sie wären nicht mehr hier. Alle wären in ihr Heimatland abgeschoben worden", antwortet Frau Klaric ganz klar.

Deeskalation für Polizisten

Die Juristin kann nicht verstehen, warum Kinder, die hier aufgewachsen sind und sich als Österreicher fühlen, plötzlich innerhalb von Stunden in eine fremde Heimat abgeschoben werden sollen.

Einmal war Frau Klaric im Erstaufnahmelager Traiskirchen und wurde von einer Asylwerberin gebeten, sie zu verteidigen. Als die beiden sich dazu Konkreteres ausmachen wollten, wurde sie von einem Polizisten daran gehindert. Die Begründung: Sie habe kein Recht, mit Insassen zu sprechen. Frau Klaric ist der Meinung, dass die Polizei oft schlecht ausgebildet sei: "Es braucht bessere Arbeitsbedingungen, kürzere Schichten, und vor allem sollten Beamte im Bereich ,Deeskalation' ausgebildet werden." Polizisten seien aber nicht generell ausländerfeindlich

"Es ist erkennbar, dass bei gewissen Asylwerbern aus speziellen Regionen der Antrag von vornherein sehr oberflächlich geprüft wird, mit der Absicht, negativ zu bescheiden", meint Klaric.

Gut, dass es Purple Sheep gibt - doch auch erschütternd, dass der Verein überhaupt benötigt wird. (Max Schwaiger, DER STANDARD, 5.12.2012)

  • Purple Sheep betreut rund 80 Familien in Wien.
    foto: purple sheep

    Purple Sheep betreut rund 80 Familien in Wien.

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