Die große Aktienlüge

Lukas Sustala, 20. Dezember 2012, 08:47
  • Bei der aktuellen Aktienvolatilität brauchen Investoren einen guten Magen.
    foto: ap/hoerhager

    Bei der aktuellen Aktienvolatilität brauchen Investoren einen guten Magen.

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    grafik: standard/shiller

Jahrzehntelang haben Banken ihren Kunden eingeredet, Aktien seien nicht riskant – wenn man sie nur lange genug halten würde. Dieser Tipp ist fahrlässig

Anleger sind aus einem Albtraum aufgewacht. Wer zur Jahrtausendwende in Aktien investiert hat, hat gemessen an den großen Indizes wie dem Dax oder Dow Jones kein Geld verdient. Der Tipp der alten Börsengurus wie André Kostolany - eine Aktie kaufen, sie unter den Kopfpolster legen und ein paar Jahre schlafen - ist nicht aufgegangen. Die Parole vom Erfolg des "buy and hold", von "Kaufen und Halten", wird von Forschern und Praktikern zu Grabe getragen.

In einer preisgekrönten wissenschaftlichen Arbeit (siehe Link unten) hat Lubos Pastor, Finanzprofessor an der University of Chicago, nachgewiesen, dass das Risiko, Aktien lange zu halten, viel höher ist als bisher angenommen. Der Grund: Die Aktienrisikoprämie, also die Kompensation der Anleger dafür, dass sie in die riskante Aktie statt der risikolosen Staatsanleihe investieren, lässt sich kaum schätzen. "Aktienanleger hatten einfach unglaublich Glück über einige Jahrzehnte", sagt Pastor. Aus diesem Glück hatte sich der Mythos abgeleitet, dass Aktien kein riskantes Investment sind, wenn man sie nur lange genug hält.

Geld kommt von Geduld

In den 1990er-Jahren hätten "nur Idioten Anleihen gehalten", schreibt Dylan Grice, Stratege von Société Générale, "das Mantra war, dass man langfristig mit Aktien kein Geld verlieren konnte". Das funktionierte bis zum Ende der 1990er auch ganz gut. Aber zu einem hohen Preis, wie der Finanzprofessor und Investmentexperte Max Otte warnt: "Die Bewertungen sind der Realität davongelaufen."

",Buy and hold‘ ohne Wenn und Aber war noch nie richtig." Für Robert Karas, Leiter des Asset Managements der Schoellerbank, ist Geduld dennoch eine wichtige Tugend, um am Aktienmarkt Erfolg zu haben. "Die Kraft liegt vor allem im Warten. Langfristigkeit ist die einzige Chance, die man als Anleger hat", mahnt der Investor ein. So habe etwa Warren Buffett, einer der reichsten Menschen der Welt und berühmter Aktieninvestor, drei Jahre lang, zwischen 1984 und 1987, keine einzige Aktie gekauft, weil er keine passenden Unternehmen für Investitionen gefunden hat. Doch viele Anleger würden an dem "Action Bias" leiden. Sie kaufen lieber eine unattraktive Aktie, als mit ihrem Geld nichts zu machen. "Dabei ist einer der wichtigsten Faktoren die Einstiegsbewertung", sagt Karas. Vor zwölf Jahren, also vor der verlorenen Dekade für Aktien, sei die Bewertung eben extrem teuer gewesen.

Das lässt sich etwa am zyklisch bereinigten Kurs-Gewinn-Verhältnis ablesen. Dabei wird der langjährige Durchschnitt der Unternehmensprofite mit dem Kursniveau der Aktien verglichen. Diese Daten von Professor Robert Shiller der Universität Yale, der den Datensatz kostenlos zur Verfügung stellt, zeigen eindrücklich: Wenn Anleger teuer Aktien kaufen, werden sie auch über zehn Jahre Geld verlieren (siehe Grafik). Haben Anleger die Aktien des S&P-500 zu einem Zeitpunkt gekauft, als das Kurs-Gewinn-Verhältnis mehr als 20 war, haben sie in den folgenden zehn Jahren im Schnitt ein Prozent pro Jahr verloren. Hätten sie gewartet, dass Aktien ein Shiller-KGV von unter zehn haben, hätten sie real im Schnitt fast sechs Prozent pro Jahr verdient - ohne Dividenden. Aktien können langfristig ein gutes Investment sein, müssen es aber nicht - auf eine niedrige Bewertung müssen Anleger warten.

Sorge um Cash

Doch Warten bedeutet vor allem eines: Cash halten. Obwohl Geld auf dem Konto derzeit kaum verzinst ist, schwören Anleger wie Buffett auf eine angemessene Cash-Quote. Nur dann lassen sich auch die Aktien kaufen, wenn die Märkte stark gefallen sind und damit auch die Bewertungen. "Leider kriegen Privatanleger das kaum hin, die Vogelperspektive zu bewahren. Sie leiden unter dem ‚Action Bias‘ (Drang, etwas zu tun, Anm.)." Anstatt die Geduld aufzubringen, Cash zu halten und auf attraktive Aktienbewertungen zu warten, würden viele Anleger mit den aktuellen Moden mitgehen. Sind Immobilien gerade gefragt, werden diese gekauft, klettern die Aktienkurse nach oben, eben Unternehmenspapiere. Cash oder Warten ist selten eine Option, weil sich Anleger oft als entscheidungsschwach fühlen, wenn sie ihr Geld nicht investieren. "Dazu kommt das Karriererisiko. Viele institutionelle Anleger wollen keine Barmittel halten, weil sie dann kurzfristig hinter ihre Konkurrenten fallen", warnt Karas. Deshalb machen gerade auch viele professionelle Anleger bei dem Aufblähen von Blasen mit.

Das Karriererisiko kann aber privaten Anlegern egal sein. Sie müssen sich nur psychologisch disziplinieren. Statt finanziell hyperaktiv zu sein und in jeden boomenden Markt zu investieren, ist Geduld beim Investieren eine Tugend. Aktuell notieren die Aktien in Amerika bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (nach Shiller) von 21,4. Das ist trotz der Unsicherheit ein sehr hoher Wert. (Lukas Sustala, DER STANDARD/PORTFOLIO, 5.12.2012)

Link

Studie von Lubos Pastor

Die STANDARD-Beilage PORTFOLIO ist auch am Kiosk erhältlich

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lang hat er gebraucht, der herr sustala,

bis auch er es g'schnallt hat.

(fahrlässig lang)

Wer eine Aktie nur lange genug hält, erleidet oft einen Totalverlust. Wie viele Unternehmen haben mehr als 50 Jahre überlebt?

Apple ist ein Beispiel, wie knapp Verlust und Gewinn beieinander liegen können.
In den 1990er Jahren war Apple schon einmal pleite, jetzt eine Megaunternehmen, dessen Wachstum aber zu Ende geht.

Aktien werden in einigen Jahren wieder billig sein. Dann liegt das KGV unter 10 und die Dividendenrendite über 7%.

Gold ist jetzt wieder recht günstig (nicht so billig wie im Jahr 2001) zu haben, ganz im Gegenteil zu Aktien!

wäre ich in gold investiert, würde ich jetzt aber gaaaanz schnell aussteigen !!!!

wären sie in gold investiert

würden sie mit dem crash rechnen oder gold als absicherung gegen die finanzielle repression halten.

sie würden doch auch nicht "gegen" die meisten zentralbanken der welt angehen - oder doch?
der chin. zb fehlen noch ein paar tausend tonnen.

ja sicher wird gold etwas billiger, alles eine frage des einstiegs. wenns schnell geht mit dem crash ist gold die versicherung, wenns langsam geht auch (inflation, steuern).

wenn die lage so dahindümpelt wie jetzt - wirds wohl billiger. kann noch dauern, aber irgendwas wirds dann: besser oder schlechter - was glaubens?

"...alles eine frage des einstiegs..." -ja genau ! oder des rechtzeitigen ausstiegs - gell !

Verkaufen's mir bitte ihr Gold.

Zahle eur 1200 pro Unze. Das sind sie noch gut bedient, denn es wird nur mehr fallen, oder?

Aber ich vermute sie besitzen nicht einmal eine Unze in physischer Form.

genau ! hab nicht eine unze und muss daher jetzt auch nicht schlecht schlafen...

Ich würde schlecht schlafen, hätte ich keine einzige Unze Gold, ganz ehrlich!
Gold ist die Versicherung vor dem Währungsverfall.

So unterschiedlich sind die Ansichten.
Sie sollten auch besser eine Langzeitsichtweise entwickeln, wenn sie an den Finanzmärkten erfolgreich (falls Sie keinen Hedge Fund managen) sein wollen. Ich besitze seit ca. 2002 Gold. Bisher habe ich es nicht bereut und ich halte es weiter. Falls der Preis noch weiter zurückkommt, werde ich vielleicht weiter zukaufen.
Natürlich muss man auch Korrekturen, wie diese, durchstehen können. Der Markt möchte stets so viele Zittrige wie möglich rausdrängen.

so schlecht wie die brasilianische zentralbank?

die in 3 monaten ihren goldbestand verdoppelt hat?

http://www.zerohedge.com/news/2012... t-3-months

sie müssen banker sein, gell.

die armen brasilianer - abgezockt von den staatlichen bankstern - gehören sie auch zu diesen typen ?

+400% sind eine verlorene Dekade für Aktien?

nachdem der ATX bis zu den 90ern ewig bei 1000 Punkten herumgedümpelt ist, hat er sich von 2000 bis 2008 verfünffacht! Nach dem 2008er Crash sind es bis heute immer noch +100%.

Die meisten sind aber nicht bei 1000 eingestiegen, sondern eher in der Nähe von 5000, als der Hype perfekt war.

Das meint der Artikel mit Geduld des Anlegers.
Er braucht jetzt wieder die Geduld bei Käufen abzuwarten bis der ATX wieder bei etwa 1000 steht.

Umfasst der ATX noch immer die gleichen Unternehmen oder gab es da vielleicht eine große Fluktuation?

Deshalb ist auch ein Index langfrsitig nicht besonders aussagekräftig. Die Unternehmen, die schlecht liefen und vielleicht sogar pleite gingen fliegen schon davor raus.

Eben!

Lange Rede kurzer Sinn:

Buy low sell high!

Buy not now, buy later.

auf pump

bald könnens mit hohen dividenden auch die kreditzinsen bedienen. da brauchens gar keine kurssteigerungen mehr. spass beiseite, wir sind
ja keine landeskämmerer.

das war alles mal, wen juckt schon eine biedere divi heute.

heute musst du 20% in der woche (facebook, apple) machen, sonst ist die aktie fad.
der artikel ist frass fürs volk und sozialisten.
aktien sind spekulativ keine frage und eigentlich nix fürs volk (ausser gute erzkonservative volksaktien).

das liegt aber am Zufall,

daß Aktien Anfang 2000 am Ende eine Blase angekommen waren, die wenige Monate später geplatzt ist. Wer ausgerechnet da alles Geld in Aktien gesteckt hat, der hat tatsächlich ein verlorenen Jahrzehnt erlebt. Aber das ist Zufall. Hätte er das gleiche ein Jahr früher oder ein Jahr später gemacht, dann könnte er sich über einen Vermögenszuwachs freuen, der über dem einer Sparbuchveranlagung liegt.

Das ist richtig.
Aber hätte er irgendwann in den letzten 15 Jahren Gold gekauft, hätte er jetzt sogar die Kaufkraft des Kapitals erhalten können.

privatanleger haben ueberhaupt

keine chance, durch stockpicking und market timing den markt zu schlagen. wer sich nicht auf den zufall verlassen will, dem bleibt nur die leider erweiterte alte methode: risiko und damit aktienquote bestimmen, passive moeglichst breit investieren (msci acwi) und immer brav rebalancen. neu: hoffen, dass die banken, bei denen das festgeld herumliegt, nicht verschwinden.
und nie das magische dreieck risiko-rendite-liquiditaet vergessen.

Herr Sustala, neu im Wirtschaftsressort?

Mir wird schlecht!

Risiko bei Aktien im Vergleich zu risikolosen Staatsanleihen weit höher. Bitte? Wenn ich so eine Aussage einem Kunden gegenüber treffe, schlägt mich die FMA völlig zu recht grün und blau. Es gibt sicherere (!) Aktien und sicherere Anleihen. Und eben welche, die weniger sicher sind.

Wie risikolos Staatsanleihen sind, sah man bestens am Beispiel Russland, Argentinien, Irland, Spanien, Italien und... da war noch ein Land... ahja, Griechenland. Natürlich kann man mit Buchverlust argumentieren, den hab ich aber auch bei Aktien, bis ich sie verkaufe.

Diese Aussage ist also sowas von falsch, dass es fast schon verboten gehört. Gerade hier nicht zu differenzieren ist mindestens genauso fahrlässig.

was sind denn sichere aktien

a-tec
enron
....

ich bin ja gespannt ;)

das (!) hinter "sicherere" war nicht deutlich genug, oder? Kein Mensch hat was von sicheren Aktien gesagt. Hier hat nur der werte Kollege vom Standard von risikolosen Staatsanleihen gesprochen. Also? Oder ist das nur ein aktienspezifischer Beißreflex?

Dann habe ich das falsch verstanden Pardon

Und einen schönen Weltuntergang ;)

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