Präziser in die Augen schauen

4. Dezember 2012, 21:02
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Physikerin Teresa Torzicky arbeitet an der Verbesserung der Augendiagnostik

Um krankhafte Veränderungen im hintersten Abschnitt des menschlichen Auges aufzuspüren, wird mit unsichtbaren Laserstrahlen gearbeitet. Als berührungsloses bildgebendes Verfahren hat sich dabei die sogenannte optische Kohärenztomografie (OCT) bewährt. Bei dieser Untersuchungsmethode wird das von Netzhaut, Aderhaut und Lederhaut rückgestreute Laserlicht erfasst und so ein hoch aufgelöstes Bild des Gewebes erstellt.

Es ist bereits belegt, dass sich die einzelnen Schichten der Augenhäute darin unterscheiden, wie sie mit polarisiertem Licht interagieren und dabei die Schwingungsrichtung, also die Polarisation, der Lichtwellen verändern. Dabei gibt es unterschiedliche Strukturen. Für die Physikerin Teresa Torzicky gilt es herauszufinden, ob sogenannte polarisationssensitive optische Kohärenztomografiegeräte (PS-OCT) neben einem Mehraufwand für die Messungen auch die erwarteten Verbesserungen in der Augendiagnostik bringen.

Seit ihrem Diplom im Herbst 2009 ist die 27-Jährige als Forschungsassistentin am Center for Medical Physics and Biomedical Engineering der Medizinischen Universität Wien beschäftigt, wo Geräte für Diagnose, Forschung und Behandlung (weiter-)entwickelt werden. Mit einem von Wissenschaftsministerium, L'Oréal, der Österreichischen Unesco-Kommission und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften vergebenen Stipendium "For Women in Science", das sie kürzlich erhielt, will sie wichtige Ergebnisse aus ihrer Doktorarbeit weiterverfolgen, die Forschung dazu abschließen und in Publikationen verarbeiten.

Die Wienerin schätzt die Anwendungsnähe ihrer Arbeit: "Ich war immer auf der Experimentalseite der Physik zu Hause, wo man sich die Versuchsanordnung selbst zusammenschraubt." Die Anforderungen für verbesserte PS-OCT Geräte erarbeitet sie nun gemeinsam mit Ärzten und Ärztinnen der Augenklinik.

"Das können wir genauer messen!"

Ihr Zugang als Physikerin ist dabei: "Das können wir genauer messen!" Derzeit feilt sie an der Verbesserung eines Algorithmus, mit dem die Dicke der Aderhaut (Choroidea) bestimmt wird: "Bisher wurden in den hochaufgelösten Bildern die Grenzen der Aderhaut von Hand eingezeichnet, was vor allem eine Frage der Erfahrung des Mediziners ist. Mithilfe von PS-OCT-Messdaten können verschiedene Gewebsschichten exakter und automatisiert zugeordnet werden. Man vermutet, dass Veränderungen der Aderhautdicke eine Rolle bei Augen-Erkrankungen spielen. Das sollte also möglichst exakt dargestellt werde", erklärt Torzicky.

Die Entscheidung für das Fach Physik an der Universität Wien fällte sie sehr strategisch anhand der Kriterien: kein Massenfach, wenig Absolventinnen und entsprechend gute Berufsaussichten. "Als Physikerin bist du doppelt etwas Besonderes", sagt sie und ist froh, die Herausforderung angenommen zu haben.

Im Nebenjob ist die langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin nun Projektmanagerin für das Globale Strategieteam bei IAESTE (International Association for the Exchange of Students for Technical Experience), einem Verein, der Praktika an Technikstudierende auf der ganzen Welt vermittelt. Manchmal bleibt ihr nebenbei noch Zeit für Kultur und ihre Lieblingssportart Reiten. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, 05.12.2012)

  • Teresa Torzicky studierte Physik an der Uni Wien.
    foto: privat

    Teresa Torzicky studierte Physik an der Uni Wien.

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