Syriens beachtliches Raketenarsenal

4. Dezember 2012, 20:20
15 Postings

Hauptquartier des Kommandos ist in Aleppo

Wien - "Dass die Türkei angesichts des syrischen Raketenarsenals nervös wird und Solidaritätsbeweise der Nato sehen will, kann ich mir gut vorstellen", sagt ein Militärexperte, der anonym bleiben will, zum Standard. Die Patriots der letzten Generation (PAC-3), die an der türkischen Grenze stationiert werden sollen, sind natürlich nicht für das Abfangen von Artillerie- und Mörsergranaten sowie kleineren Artillerieraketen gedacht, mit denen es die Türkei heute zu tun hat - dafür wären sie auch viel zu teuer -, sondern für eine neue Konfliktstufe.

Die Patriots könnten aber auch ein erster Schritt zur Einrichtung einer Flugverbotszone im Norden Syriens sein. Ein Teil des nordsyrischen Luftraums könnte mit der Stationierung der Patriots kontrolliert werden, die syrische Luftwaffe dort zumindest behindert werden, sagt der Experte.

Die Angaben darüber, was Syrien an ballistischen Raketen haben könnte - für deren Abwehr die Patriots zuständig wären -, gehen weit auseinander. Es könnte aber bis zu 550 Raketen der verschiedenen Scud-Varianten geben, sagt der Experte - das heißt, wesentlich mehr, als die Türkei hat, die dafür wesentlich moderne amerikanische Waffen besitzt.

Drei Scud-Typen

Die syrischen Scuds stammen aus sowjetischer, spätere Varianten aus nordkoreanischer Produktion. Zwei Typen, die Scud-B und die Scud-C, können auch mit chemischen Gefechtsköpfen bestückt werden. Scud-B hat 300, Scud-C bis zu 600 km Reichweite. Syrien könnte auch rund hundert Scud-D haben, mit einer Reichweite von 700 km. Die größten Gefechtsköpfe trägt die Scud-B mit 985 kg.

Neben den Scuds - die einen langwierigen Startvorgang haben, weil sie mit flüssigem Treibstoff betrieben werden - soll Syrien noch vier andere Raketentypen haben, darunter die von China gelieferte M-9 mit bis zu 600 km Reichweite und einem Gefechtskopf von bis zu 950 kg.

Anzahl völlig unklar

Die syrischen SS-21 Scarab (120 km Reichweite, 482 kg Gefechtskopf) stammen noch von den Sowjets, da gehen die Schätzungen von "Dutzende bis 200 Stück". Von den iranischen Fateh A-110B (bis 300 km, 480 kg Gefechtskopf, keine Angaben zu ihrer Menge) und den kleineren FROG-7 (70 km, 200 kg, bis hundert Stück), die auch im syrischen Arsenal vermutet werden, ist unklar, ob sie nicht auch chemische Gefechtsköpfe tragen können.

Das Hauptquartier des syrischen Raketenkommandos liegt in Aleppo, das auch Zentrum von Forschung und Produktion ist, erklärt der Sicherheitsexperte - und ortet darin auch einen der Gründe, warum Aleppo so heiß und brutal umkämpft ist. Weitere Produktionsstätten liegen in Hama und bei Damaskus.

Die Patriots PAC-3, die die Türkei bekommen soll, sind nur in den USA, Deutschland, den Niederlanden, Israel und in Südkorea einsatzbereit. Andere Staaten (Saudi-Arabien, Taiwan, aber auch Griechenland) sind dabei, das System einzuführen. Deutschland hat derzeit 24 von ursprünglich 32 Patriot-Batterien einsatzbereit, zwei davon sollen in die Türkei verlegt werden. Jede Batterie hat zwei Züge mit je vier Startern und ein Radar. (Gudrun Harrer /DER STANDARD, 5.12.2012)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Eine syrische Rakete auf einer Basis in Ghouta.

Share if you care.