Die Ein-Prozent-Schule und andere ganztägige Formen

4. Dezember 2012, 18:47
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Schule den ganzen Tag? Wie das? Zur Auswahl stehen zwei Modelle. Wie sehen sie aus? Wie sind sie zu haben? Der Standard hat Antworten.

Frage: Wie viel von den 2010 von der Regierung beschlossenen 80 Millionen Euro im Jahr für Ganztagsschulausbau wurden auch abgerufen?

Antwort: Im Unterrichtsministerium geht man aufgrund der angebotenen Plätze davon aus, dass alles abgerufen wurde. Die Endabrechnung für das erste Auszahlungsjahr (seit Schuljahr 2011/12) ist aber gerade im Laufen.

Frage: Wie viel Geld steht für die Jahre 2014 bis 2018 zur Verfügung?

Antwort: Die nun verkündeten 80 Millionen Euro zusätzlich zu den bisherigen 80 Millionen Euro sind ein "Maximalbetrag", sagte Vizekanzler Michael Spindelegger. Gibt es weniger Nachfrage, fließt auch weniger Geld.

Frage: Wie hoch wäre der jetzt angestrebte Ganztagsbetreuungsgrad?

Antwort: Wenn bis 2018 die Ganztagsplätze auf rund 200.000 ausgebaut würden, ergäbe das zusammen mit den etwa 50.000 bestehenden Hortplätzen eine Betreuungsquote von 37 Prozent aller Kinder an Pflichtschulen (Volks-, Haupt-, Neue Mittelschule, Polytechnische Schule, Sonderschule) und AHS-Unterstufen.

Frage: Wie kann eine Schule auf eine "echte Ganztagsschule" mit verschränkten Unterrichts- und Freizeitphasen am Vor- und Nachmittag umgestellt werden?

Antwort: So wie bisher müssen dafür alle Kinder einer Klasse teilnehmen und im Schulgemeinschaftsausschuss müssen die Erziehungsberechtigten von zwei Dritteln der betroffenen Schüler sowie zwei Drittel der betroffenen Lehrer einverstanden sein.

Frage: Wie viele Schulstandorte mit dem Modell der "echten" Ganztagsschule gibt es derzeit in Österreich?

Antwort: Laut Unterrichtsministerium sind es österreichweit 126, das ist ein Prozent aller Pflichtschulen sowie AHS-Unterstufen. Zum Teil laufen auch nur einzelne Klassen im Ganztagsbetrieb.

Frage: Was bedeutet eine verschränkte Ganztagsschule für die Lehrer?

Antwort: Verschränkter Unterricht heißt, dass die Lehrer vermehrt auch nachmittags unterrichten. Fachbezogene Lernstunden (z. B. Deutsch-Förderunterricht) werden vollwertig bezahlt, für individuelle Lernstunden (wenn Schüler Hausaufgaben machen), gibt es nur die Hälfte. Für Freizeitgestaltung werden "Freizeitpädagogen" ausgebildet, die der Schulerhalter (meist Gemeinden) bezahlt.

Frage: Wann wird schulische Nachmittagsbetreuung angeboten?

Antwort: Ab 15 angemeldeten Schülern an einer Schule haben Eltern einen Rechtsanspruch. In bestimmten Fällen bereits ab zwölf, etwa in kleinen Orten, wenn schulartenübergreifende Anmeldungen aus Volks- und Haupt- bzw. Neuer Mittelschule da sind.

Frage: Wie ist der Stand der Dinge in Sachen Ethikunterricht?

Antwort: Die ÖVP wollte einen verpflichtenden Ethikunterricht für jene Schüler, die an keinem konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. Unterrichten dürfen sollten Lehrer, auch Religionslehrer, die eine Zusatzausbildung machen. Von der SPÖ gibt es dazu noch keine Zustimmung. Bis zum Sommer sollen Modelle ausgearbeitet werden. Unterrichtsministerin Claudia Schmied hat bereits drei Modelle an das Parlament übermittelt.

Frage: Die Sprachförderung für Kinder mit Deutschdefiziten soll neu aufgestellt werden. In welcher Form?

Antwort: Auch da sollen erst verschiedene Modelle erarbeitet und ab nächstem Jahr in jedem Bundesland ausprobiert werden. Die von der ÖVP angedachten Extraklassen für Kinder mit schlechteren Deutschkenntnissen lehnt die SPÖ ab: "Separationsbewegungen entsprechen nicht der Grundhaltung der Sozialdemokratie", sagte Ministerin Schmied. (nim, DER STANDARD, 5.12.2012)

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