Ein Engel für Aufsteiger

4. Dezember 2012, 18:47
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Business Angels bringen privates Kapital für Technologie-Start-ups

Wenn junge Techniker sich mit einer ausgefeilten Entwicklung auf die Suche nach Geldgebern machen, haben sie bei einer klassischen Bank meistens kein Leiberl - Idee zu komplex und zu wenig Sicherheiten, kriegen sie da oft zu hören. Hier können sogenannte Business Angels einspringen, private Unternehmer, die sich idealerweise im Metier auskennen und an die Idee glauben.

Derer gibt es auch in Österreich nicht so wenige. Vergangene Woche fand in Wien eine Branchenkonferenz mit mehr als 120 Investoren statt. Zum " Business Angel of the Year" wurde Werner Wutscher erkoren. Der Ex-Rewe-Vorstand, Unternehmensberater und Vorstand der Plattform für nachhaltiges Wirtschaften respAct, hat sich zuletzt als Mentor für Start-ups hervorgetan.

"Bei uns melden sich im Jahr rund 600 Gründer. 90 Prozent sind aber nicht geeignet für Investoren", sagt Bernd Litzka von der Förderbank Austria Wirtschaftsservice GmbH (AWS). Die restlichen zehn Prozent werden dann zum Beispiel in die AWS-"Börse" i2 aufgenommen, eine Vermittlungsplattform zwischen Start-ups und privaten Investoren.

Seit der Gründung 1997 haben Business Angels, das Gros davon aus Österreich, mehr als elf Millionen Euro in 73 Firmengründungen investiert. Der typische "Engel" lässt einen Betrag zwischen 100.000 und 300.000 Euro springen und ist selbst ein Unternehmer mit technologischem Know-how. Die meisten Projekte, die i2 vermittelt, kommen aus den Bereichen Physik und Elektrotechnik (27 Prozent), IT, Internet sowie Maschinenbau (je 17 Prozent). "Unsere Projekte sind sehr technologielastig", sagt i2-Leiter Litzka. Das sogenannte Crowdfunding sei für Start-ups wenig geeignet. "Das sind keine banalen Dinge. Die kann ich der Crowd nicht kommunizieren."

Vorsichtige Banken

Auch auf Bankkredite können Technologie-Start-ups meist nicht bauen. " Ohne Besicherung sind die nicht bereit zu finanzieren", so Litzka. " Banken sind in den letzten drei, vier Jahren vorsichtiger geworden", meint auch AWS-Geschäftsführer Bernhard Sagmeister. Diese Zurückhaltung spürten vor allem Neugründungen, wenngleich es insgesamt keine Kreditklemme gebe. "Bei Folgeinvestitionen läuft es gut", so Litzka. Die Gründung und den Aufbau von Firmen im Hochtechnologiebereich unterstützt auch Seedfinancing - ein Programm, das die AWS im Auftrag des Wirtschaftsministeriums abwickelt.

Ziel der AWS, die ja auch staatliche Fördermittel verteilt, ist es, vermehrt auch private Investoren an Land zu ziehen. "Geld gibt es genug" , ist Sagmeister überzeugt. Einen Anreiz soll ab 2013 der Business-Angel-Fund bieten, der mit 22,5 Millionen Euro an öffentlichen Mitteln dotiert ist. Diese werden von der AWS an Business Angels vergeben, die dann in Start-ups investieren. Die Auflage: Für jeden Euro aus dem Fonds müssen sie einen Euro privates Kapital dazuschießen. (APA, kri, DER STANDARD, 05.12.2012)

  • Werner Wutscher, prämierter Start-up-Mentor.
    foto: aws

    Werner Wutscher, prämierter Start-up-Mentor.

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