Presserat akzeptiert verdeckte Recherche in öffentlichem Interesse

4. Dezember 2012, 18:27
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Wien - Die Träger des Presserats machen eine Ausnahme vom Verbot verdeckter Recherchen: Um Infos von "besonderem öffentlichen Interesse" zu bekommen, müssen sich Journalisten nicht zu erkennen geben, wie es der Ehrenkodex der österreichischen Presse grundsätzlich vorschreibt. In diesem Interesse wäre etwa, "gravierende Missstände in Politik und Wirtschaft aufzudecken".

Kontrollfunktion

Oscar Bronner, Präsident des Presserats und Herausgeber des STANDARD, sieht so "die demokratiepolitisch wichtige Kontrollfunktion der Medien gegenüber Staat und Gesellschaft" gestärkt. "Aufdecken von Korruption und Misswirtschaft gehört zu den ureigensten Aufgaben der Presse und ist manchmal erst durch verdeckte Recherche möglich."

Der Presserat verweist bei der Gelegenheit auf die verdeckte Recherche zweier britischer Journalisten: Sie gaben sich als Lobbyisten aus, boten Ernst Strasser, damals Europaabgeordneter (ÖVP), Geld für Einfluss auf EU-Gesetzgebung. Strasser muss sich derzeit vor Gericht verantworten.

Als Verstoß gegen den Ehrenkodex wertete der Presserat, als sich eine Magazinjournalistin in eine geschlossene Abteilung einschlich, um dort die Frau eines mutmaßlichen Verbrechers zu interviewen. (red, DER STANDARD, 5.12.2012)

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