Salzach: "60 Kilometer frei fließender Fluss sind ein Schatz"

5. Dezember 2012, 06:26
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Naturschützer lehnen "Flussdialog Untere Salzach" ab und beharren auf naturnaher Flusssanierung

Salzburg - Energiewirtschaft, Politik, Naturschützer - in diesem Kräftedreieck wird seit Jahren über die Zukunft von 60 Flusskilometern des unteren Salzachlaufes debattiert. Die Strecke reicht von der Stadt Salzburg bis zur Mündung der Salzach in den Inn. Aktueller Brennpunkt der Debatte sind jene 15 Kilometer, die der Fluss durch das Freilassinger Becken fließt.

Unstrittig ist, dass der Fluss saniert gehört. Durch die Kraftwerke im Oberlauf fehlt Geschiebe, durch die Begradigungen hat das Wasser an Tempo zugelegt. Die Folge sind unterspülte Uferböschungen und eine Eintiefung bis hin zum Bruch der Flusssohle.

Online-Befragung Anfang 2013

Das bayerische Umweltministerium und das österreichische Pendant in Wien sowie das Land Salzburg haben einen "Flussdialog Untere Salzach" gestartet, im Zuge dessen die Art der Sanierung diskutiert werden soll. Zentraler Bestandteil des Dialoges ist eine Online-Befragung Anfang 2013 von rund 19.000 Haushalten der Anrainergemeinden auf der bayerischen und der österreichischen Seite des Freilassinger Beckens.

Die Naturschutzorganisationen hüben wie drüben halten davon wenig. Es handle sich um "einen Scheindialog", bei dem versucht werde, durch die Hintertür die Option für Kraftwerke offen zu halten, sagt der Geschäftsführer des Salzburger Naturschutzbundes Hannes Augustin im Gespräch mit dem STANDARD.

Kraftwerksbau nicht ausgeschlossen

Die Kritikpunkte sind zahlreich: Die Umweltorganisationen wären bei der Konzeption des Dialoges nicht eingebunden gewesen; die Thematik sei für eine Anrainerbefragung zu komplex und zudem wisse niemand, was mit den Ergebnissen der Befragung eigentlich geschehen soll.

Vor allem aber stört Augustin, dass im Flussdialog der Bau eines Kraftwerkes nicht ausgeschlossen ist. In den Schubladen der Behörden lägen bereits fertige Planungen für eine naturnahe Sanierung mittels Flussrampen, Aufweitungen und weichen Ufern. "Die 60 Kilometer frei fließender Fluss sind ein Schatz", betont der Naturschutzbund-Geschäftsführer. Dieser dürfe nicht durch naturferne Querbauwerke zerstört werden.

Gegengutachten

Statt des Flussdialoges wollen die Naturschutzorganisationen jetzt eine eigene Studie in Auftrag geben, kündigt Augustin an. Diese soll die bisherigen Planungen zur naturnahen Sanierung präzisieren und so für Politik und Wasserbauer eine Entscheidungsgrundlage bilden. Klotzen können die nichtamtlichen Organisationen freilich nicht. 20.000 Euro für das Gegengutachten seien das Maximum, sagt Augustin. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, 5.12.2012)

  • Die Salzach wird bei Oberndorf mit einer künstlichen Rampe gebremst, um die Flusssohle zu stabilisieren.
    foto: wasserwirtschaftsamt traunstein

    Die Salzach wird bei Oberndorf mit einer künstlichen Rampe gebremst, um die Flusssohle zu stabilisieren.

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