Einigung im Streit um Norilsk Nickel

Abramowitsch als weißer Ritter

Moskau - Der Konflikt um die Vorherrschaft beim Buntmetallkonzern Norilsk Nickel ist beigelegt - vorläufig. Zwischen den Milliardären Oleg Deripaska und Wladimir Potanin, die sich seit 2008 um den Kupfer-, Nickel- und Platinproduzenten fetzen, vermittelt ein dritter Oligarch: Roman Abramowitsch, im Westen vor allem durch seine Vorliebe für teure Yachten und den Fußballclub Chelsea London bekannt.

Abramowitschs Investmentgesellschaft Millhouse Capital übernimmt 7,3 Prozent der NorNickel-Aktien "zum marktgerechten Preis", wie es in der Pressemitteilung heißt. Derzeit kostet ein solches Paket an der Börse knapp 1,7 Milliarden Euro. Die Papiere gehörten bislang Tochtergesellschaften von Norilsk Nickel selbst und wurden vom Management kontrolliert.

Abramowitschs Einfluss auf Norils Nickel wird deutlich größer sein als der Umfang seines Aktienpakets. So stellen Potanins Investmentholding Interros (besitzt 28 Prozent an Norilsk Nickel) und Deripaskas Alukonzern Rusal (25 Prozent) jeweils vier Mitglieder im Aufsichtsrat, während Abramowitsch immerhin drei Mitglieder entsendet. Zudem verpflichten sich die drei Beteiligten, zu gleichen Teilen 22 Prozent der Aktien auf einem Spezialkonto zu lagern. Die Kontrolle über die Stimmrechte an dem Paket liegt bei Millhouse.

Abramowitsch als neuer Vermittler soll Stabilität in die Führungsetage bringen, drei Jahre lang darf er sein Aktienpaket nicht verkaufen. Für Deripaska und Potanin liegt die Haltefrist sogar bei fünf Jahren.

Dividenden für Rusal

Potanin wird mit der Einigung zugleich neuer Generaldirektor bei Norilsk Nickel. An der operativen Führung des Geschäfts werde sich damit wenig ändern, vermuten Analysten in Moskau. Im Gegenzug darf sich Deripaska über einen stabilen Dividendenzufluss für Rusal freuen. Entsprechend der Vereinbarung wird Norilsk Nickel bis 2014 regelmäßig und stabil Dividenden auszahlen.

Die Dividendenpolitik war einer der größten Streitpunkte in der Vergangenheit. Während Potanin den Gewinn in Produktionsausbau und ein Aktienrückkaufprogramm investierte, forderte Deripaska Dividenden ein, um damit Löcher bei seinem mit rund 8,3 Milliarden Euro verschuldeten Konzern Rusal zu stopfen.

Nach der Einigung werden weltweit alle laufenden Gerichtsprozesse zwischen Potanin und Deripaska gestoppt. Unter anderem hatte Deripaska geklagt, dass Potanin gegen eine frühere Vereinbarung verstoßen habe.

Damit sich künftig alle Seiten an den Frieden halten, wurde das Abkommen Medienberichten nach mit einigen Giftpfeilen ausgestattet: Wer demnach gegen die Vereinbarung verstößt, muss einen Teil seiner Aktien weit unter Wert an die Konkurrenten verkaufen. (ab, DER STANDARD, 5.12.2012)

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