Hundstorfer: Ab 2015 Freiwillige statt Zivildiener

4. Dezember 2012, 18:35
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Wie begeistert man die Burschen bei einem Fallen der Wehrpflicht dennoch für einen freiwilligen Dienst an der Allgemeinheit?

Wien - Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist davon überzeugt: Das von ihm ersonnene Freiwillige Sozialjahr kommt so oder so - selbst wenn das Wahlvolk am 20. Jänner für den Erhalt der Wehrpflicht und damit auch des Zivildienstes votiert. Hintergrund für die Zuversicht des Ministers: Aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge rund um die Jahrtausendwende gibt es stetig weniger Stellungspflichtige - und damit kaum Nachwuchs für Bundesheer wie Zivildienst. Hundstorfer über seine Alternative: "Das Modell verschwindet nicht. In drei Jahren werden wir wahrscheinlich das Freiwillige Sozialjahr wieder aktivieren - weil die Demografie zuschlägt."

Montagabend, im Haus der Musik. Unter der Leitung von Standard-Kolumnist Gerfried Sperl diskutiert eine Expertenrunde, wie vor allem junge Männer bei einem Wegfall der Wehrpflicht für einen Dienst an der Allgemeinheit begeistert werden können, denn: "Der Zivildienst ist für sie zwar seit Jahrzehnten eine gute Lernwerkstatt des sozialen Tuns", analysiert Bernd Wachter, Generalsekretär der Caritas Österreich, aber: "Bis heute ist die Sozialbranche sehr weiblich." Um "das Dilemma" aufzulösen, werde es daher notwendig sein, in den Schulen an die Jugendlichen heranzutreten, um sie für ein Sozialjahr zu motivieren.

STANDARD-Montagsgespräch zum Thema: "Kein Zivildienst ohne Wehrpflicht?" (Teil 1)

Zu diesem Zweck kann sich Karl Schmidseder, Stabschef im Kabinett von Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ), vorstellen, die Wehrpflicht - wie in Deutschland - vorerst nur einmal auszusetzen. Die Vorteile laut dem Generalmajor: "So würde für die Stellungspflichtigen nicht nur die einmalige Chance auf den Gesundheitscheck bestehen bleiben." Rund um die Musterung könnte es für die 17-Jährigen - wie in Dänemark - dann auch " Schnuppertage" beim Militär und bei den Sozialdiensten geben.

Generell beruhigt die Diskutanten jedoch der Blick nach Deutschland: Dort bewerben sich für die rund 30.000 Stellen im neuen Bundesfreiwilligendienst mittlerweile circa 50.000 - obwohl man als " Bufdi" bloß 336 Euro im Monat verdient. Zum Vergleich: Für Hundstorfers Sozialjahr sind etwa 8000 Freiwillige anvisiert, die 1386 Euro brutto erhalten sollen. 2011 leisteten immerhin 13.000 Burschen Zivildienst ab.

STANDARD-Montagsgespräch zum Thema: "Kein Zivildienst ohne Wehrpflicht?" (Teil 2)

Als Vorsitzende der Katholischen Jugend tritt Noemi Müller zwar " grundsätzlich für die Entmilitarisierung der Gesellschaft" ein, an die Jugend will sie aber dennoch "keine Empfehlung für die Volksabstimmung abgeben". An Hundstorfers Freiwilligem Sozialjahr gefällt ihr jedenfalls, dass damit der Zwangsdienst ein für alle Mal Geschichte wäre. Ob die jungen Männer beim Bundesheer nicht zumindest Bettenmachen und eine gewisse Disziplin lernen würden, will Sperl wissen. Müller: " Viel früher müsste da eigentlich die Erziehung ansetzen." Wenn all das ein 18-Jähriger erst erlernen müsse, sei das recht spät.

Ein Schüler aus dem Publikum hat eine andere dringende Frage: Ab wann es bei entsprechendem Votum denn Berufsheer und Sozialjahr gäbe? Hundstorfer: "Ab 2014." Der junge Herr, sichtlich erleichtert: "Glück gehabt!" (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 5.12.2012)

  • "Der Zivildienst ist für junge Männer eine Lernwerkstatt des sozialen 
Tuns", sagt Bernd Wachter.
    foto: standard/urban

    "Der Zivildienst ist für junge Männer eine Lernwerkstatt des sozialen Tuns", sagt Bernd Wachter.

  • "Das Modell für das Sozialjahr verschwindet nicht - weil die Demografie 
zuschlägt", sagt Rudolf Hundstorfer.
    foto: standard/urban

    "Das Modell für das Sozialjahr verschwindet nicht - weil die Demografie zuschlägt", sagt Rudolf Hundstorfer.

  • "Die Katholische Jugend ist für eine Entmilitarisierung der Gesellschaft", sagt Noemi Müller.
    foto: standard/urban

    "Die Katholische Jugend ist für eine Entmilitarisierung der Gesellschaft", sagt Noemi Müller.

  • "Dänemark verbindet die Stellung für 17-Jährige mit Schnuppertagen", so Karl Schmidseder.
    foto: standard/urban

    "Dänemark verbindet die Stellung für 17-Jährige mit Schnuppertagen", so Karl Schmidseder.

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