Forscher fanden Wattwurm-Spuren auf den Stufen zur Kelheimer Befreiungshalle

4. Dezember 2012, 18:00
  • Die fossilen Spuren auf der Treppe zur Befreiungshalle in Kelheim ähneln den Fressspuren heute lebender Wattwürmer.
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    foto: bayerisches landesamt für umwelt

    Die fossilen Spuren auf der Treppe zur Befreiungshalle in Kelheim ähneln den Fressspuren heute lebender Wattwürmer.

Rund 100 Millionen Jahre alte Fossilien sind Beweis für Existenz eines Meeres im heutigen Niederbayern

München - Geologen sind an unerwarteter Stelle auf die bislang ersten Spuren von urzeitlichen Wattwürmern in Bayern gestoßen: Die Forscher entdeckten die rund 100 Millionen Jahre alten Spuren des Wurms auf den Steinstufen zur Befreiungshalle im niederbayerischen Kelheim südwestlich von Regensburg. Die Experten sehen in dem Fund den Beweis, dass es in der Region einmal ein Meer gegeben hat. "Die Versteinerungen sind eindeutig mit den Spuren heute lebender Wattwürmer vergleichbar", sagte Roland Eichhorn, Chefgeologe des Landesamtes für Umwelt in Augsburg, am Dienstag. Solche versteinerten Wurmspuren seien noch nie in Bayern entdeckt worden.

Auf den Treppenstufen, die jährlich von tausenden Besuchern benutzt werden, sind die strahlenförmigen Fossilien mit einem Durchmesser von fünf Zentimetern im Grünsandstein zu sehen. Dabei handelt es sich um Fressspuren, wie sie auch heute lebende Wattwürmer hinterlassen, wenn sie sich in den weichen Schlamm nach unten vorarbeiten.

Nachweis für flaches Meer

Der Fund sei ein Nachweis dafür, dass vor 100 Millionen Jahren an jener Stelle, wo heute Kelheim liegt, ein flaches Meer existierte. Damals bedeckte nährstoffreicher Schlick die Region. Als sich die sandigen Meeresablagerungen mit der Zeit verfestigten, wurden sie zu Sandstein. Die Steine aus den Steinbrüchen im Kelheimer Raum wurden zu einem begehrten Baumaterial für Prachtbauten wie die Befreiungshalle, die Residenz in München oder die Steinerne Brücke in Regensburg.

Die monumentale Befreiungshalle ist Mitte des 19. Jahrhunderts im Auftrag des bayerischen Königs Ludwig I. auf einem Hang in der Nähe des Donaudurchbruchs gebaut worden. Die Gedenkstätte soll an den Sieg in den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813 bis 1815 erinnern. In dem vom bayerischen Hofbaumeister Leo von Klenze konzipierten Gebäude stehen 34 Siegesgöttinnen, die mit vergoldeten Schildern an die verschiedenen Schlachten erinnern. (APA/red, derStandard.at, 04.12.2012)

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