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Wien - Ausreichende Ruhe und häufiger Sex halten die Spermien fit - zumindest ist das bei Kröten so. Werden Spermien älter, wirkt sich das nicht gerade positiv auf ihre Leistungsfähigkeit aus. Damit sinkt die Chance, Eizellen zu befruchten; die Folge ist, dass weniger Abkömmlinge überleben. Erdkröten haben allerdings gleich zwei Möglichkeiten, ihre Spermien fit zu halten - nämlich Winterruhe und regelmäßigen Sex, wie nun Forscher des Konrad-Lorenz-Instituts für Vergleichende Verhaltensforschung (KLIVV) der Veterinärmedizinischen Universität Wien in der Zeitschrift "PLoS ONE" schreiben.
Im Gegensatz zu Menschen produzieren Erdkrötenmännchen nicht ständig Spermien nach, sondern bloß einmal am Anfang der Paarungssaison. Deshalb werden die alten Spermien nicht ständig mit jungen durchmischt. Aus diesem Grund eignen sich die Tiere besonders gut, um die Sperma-Alterung zu untersuchen, so die Forscher. Sie schickten 48 Erdkrötenmännchen bei fünf Grad Celsius in eine künstliche Winterruhe oder hielten sie unter "naturnahen Bedingungen" mit und ohne Weibchen. Nach einiger Zeit untersuchten sie ihre Spermienqualität.
Zwar überlebten zwei der Männchen die Winterruhe nicht, doch war das Sperma der restlichen fitter als das von Männchen, die in der Zwischenzeit unter "naturnahen Bedingungen" ohne Weibchen gehalten wurden. "Dies zeigt, dass das Verlangsamen der normalen Stoffwechselprozesse auch das Altern der Spermien in den Hoden der Erdkrötenmännchen bremste", erklärten die Forscher in einer Aussendung.
Die reine Anwesenheit von Krötenweibchen hatte einen nur unwesentlichen Effekt auf die Leistungsfähigkeit der Spermien, berichten die Forscher. Worauf es vielmehr ankam, war, wie oft die Männchen mit ihnen Sex hatten. "Wir fanden eine signifikant positive Korrelation zwischen der Beweglichkeit des Spermas und der Anzahl der Geschlechtsakte, die ein Männchen durchgeführt hatte", schreiben sie. Je öfter sie also kopulierten, desto fitter waren ihre Spermien.
Die Alterung von Spermien hängt daher nicht fix von einer genetischen Rate ab, sondern wird auch von der Umwelt und der sozialen Umgebung beeinflusst - zum Beispiel von der Temperatur und der Verfügbarkeit von Geschlechtspartnern, schreiben die Forscher. Als Konsequenz könnten von der Evolution jene Männchen bevorzugt werden, die sich in bestimmte (kalte) Regionen begeben, wo ihr Sperma langsamer altert, und "Männchen könnten zudem trachten, die Phasen sexueller Ruhe abzukürzen, indem sie sich mit weniger attraktiven Weibchen paaren oder sich anderweitig ihrer alter Spermien entledigen", erklärte Attila Hettyey, der Leiter der Studie, der mittlerweile am Centre for Agricultural Research in Budapest forscht. (APA/red, derStandard.at, 09.12.2012)
Abstract
PLoS ONE: Post-Meiotic Intra-Testicular Sperm Senescence in a Wild Vertebrate
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