Merkel preist sich den Deutschen als Krisenmanagerin an

Reportage4. Dezember 2012, 17:42
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Deutschland kommt gut durch die Krise, sie selbst führt die beste Regierung seit langer Zeit an. Am CDU-Parteitag geizt Kanzlerin Angela Merkel nicht mit Eigenlob und wird mit Rekordergebnis wiedergewählt.

Schon am Weg zur Messe-Hannover ist die Stimmung gut. Während die S-Bahn dem CDU-Parteitag entgegenfährt, scherzen und lachen die Delegierten. Doch plötzlich stört ein SPD-Werbebanner den beschwingten Klassenausflug. "Ein Wahlsieg kommt selten allein. Erst Hannover, dann Berlin", steht darauf.

"Spielverderber", murmelt jemand. Am 20. Jänner wählt Niedersachsen, im Herbst dann der Bund. Da wie dort wird die Regierung von der CDU geführt, aber in Niedersachsen könnte sich das ändern. Zwar ist die CDU mit Ministerpräsident David McAllister in Umfragen die stärkste Kraft. Aber Rot-Grün liegt vorne, weil die FDP bei nur drei Prozent steht.

Also darf McAllister auf dem Parteitag den Zeremonienmeister geben und scharwenzelt auffällig um die Hauptperson Angela Merkel herum. Diese ist ausgesprochen gut gelaunt, als sie zu Mittag ihre große Rede hält. Aus ihrer Sicht gibt es zehn Monate vor der Bundestagswahl viel Gutes zu verkünden. "Die Bundesregierung ist die erfolgreichste Bundesregierung seit der Wiedervereinigung", sagt Merkel und wiederholt dies gleich zwei Mal.

"Mittelstands-Gefährdungsprogramm"

Die niedrigste Arbeitslosigkeit, höchster Stand an Erwerbstätigen, keine Reallohnverluste, Rekordausgaben für Bildung - all das zählt Merkel auf und konstatiert: "Die Fakten sprechen eine ganz eindeutige Sprache. Was wir geschafft haben, sucht seinesgleichen. Wir haben Deutschland stärker aus der Krise geführt, als es hineingekommen ist."

Der Name des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück fällt während Merkels Rede kein einziges Mal. Sehr laut wird der Applaus jedoch, als Merkel gegen die SPD wettert. Diese wolle Einkommens- und der Abgeltungssteuer erhöhen und eine Vermögensteuer einführen. "Das ist ein Mittelstands-Gefährdungsprogramm", ruft Merkel, hat aber auch gleich die passende Beruhigung parat: "Keine andere Koalition könnte unser Land in eine bessere Zukunft führen als diese christlich-liberale."

Allerdings macht Merkel keinen Hehl daraus, dass sie sich um den in Umfragen immer noch sehr kleinen Koalitionspartner FDP sorgt: "Wir müssen um jede Stimme kämpfen, und unser Koalitionspartner muss noch zulegen." Denn, so Merkel, CDU/CSU und FDP hätten immer noch "die größten Gemeinsamkeiten."

Doch selbst die FDP bekommt von Merkel ihr Fett weg. In einer Satiresendung sei ihr einmal aus der Seele gesprochen worden, bekennt die Kanzlerin. Da nämlich habe jemand gesagt: "Gott hat die FDP nur geschaffen, um uns zu prüfen." An dieser Stelle tobt der Saal vor Vergnügen.

Euro soll stärker werden

Dann aber kommt Merkel auf die Euro-Krise zu sprechen. Sie könnte es sich leicht machen und sagen: "Das Schlimmste ist überstanden." Das wäre jedoch falsch, denn "den einen Befreiungsschlag gibt es nicht - auch nicht durch Eurobonds oder Schuldenschnitte". Sie, Merkel, habe jedoch ein großes Ziel: "Ich will nicht, dass der Euro irgendwie über die Runden kommt, sondern stärker aus der Krise herauskommt, als er hereingekommen ist. Ich verwende all meine Kraft darauf."

Die Delegierten sind begeistert, es gibt viel Applaus und ein fulminantes Wahlergebnis. Als Merkel erneut zur CDU-Chefin gewählt wird - zum siebten Mal seit dem Jahr 2000- erhält sie ihr bestes Resultat aller Zeiten, knapp 98 Prozent. Ihre Reaktion: "Wer mich kennt weiß: ich bin echt platt und bewegt. Aber jetzt geht es ran an den Speck, wir haben noch viel vor. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 5.12.2012)

 

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    Angela Merkel, alte und neue CDU-Chefin.

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