Schimpansen nutzen Wissen über soziale Vernetzung ihrer Gruppe

4. Dezember 2012, 13:10

Männliche Schimpansen haben bessere Chancen auf Nachwuchs, wenn sie eine sorgfältige Wahl unter den möglichen Bündnispartnern treffen

Soziale Vernetzung ist für männliche Schimpansen besonders wichtig. Sie bilden Bündnissen gegenüber Artgenossen und stärken so ihre Position in der Gruppe. Allerdings ist nicht jede Koalition gleich erfolgreich - mit wem aus der Gruppe man sich einlässt, um gegen Dritte vorzugehen, spielt daher eine bedeutende Rolle. Eine Gruppe von Forschern um Ian Gilby von der Duke University in North Carolina hat nun herausgefunden, dass die Schimpansen das Geflecht der sozialen Netzwerke innerhalb ihrer Gruppe genau verstehen und dem entsprechend ihre Wahl unter den möglichen Verbündeten treffen.

Vor allem Schimpansen, die eine Schlüsselrolle in der Gruppe einnehmen, haben die besten Chancen Nachwuchs zu zeugen und im Rang aufzusteigen. Gleichzeitig sind Bündnispartner, die sonst keinerlei Bündnisse eingehen, die sicherste Garantie für den Erfolg eines Bündnisses. Die Arbeit der Forscher erschien in der Fachzeitschrift "Behavioral Ecology and Sociobiology".

Bündnisse erhöhen Chancen auf Nachwuchs

Wenn sich zwei Individuen verbünden und sich gegenüber Dritten aggressiv zeigen, wird das "gemeinschaftliche Aggression" (coalitionary aggression) genannt. Bei vielen Tierarten spielen solche Aggressionen und Bündnisse eine große Rolle, wenn es um die Positionierung in der Gruppe geht. Grundsätzlich liegen alle Vorteile bei den dominanten Tieren: Ihre Chancen auf eine erfolgreiche Paarung sind spürbar höher und entsprechend zeugen sie mehr Nachwuchs. Männchen, die ein wirkungsvolles Bündnis geschlossen haben, sind jedoch auch sehr erfolgreich. Sie paaren sich deutlich häufiger, als es ihrem Rang entsprechen würde.

14 Jahre lang wurden im Gobe Nationalpark in Tansania Daten über freilebende Schimpansen gesammelt. Diese Daten nutzten Gilby und seine Kollegen für die Studie. Sie untersuchten, inwiefern Schimpansen von der gemeinschaftlichen Aggression profitieren. Dazu beurteilten sie vier verschiedene Verhaltensmerkmale der Affen. Das einzige dieser vier Merkmale, das sowohl auf den Rang als auch auf die Zeugung von Nachwuchs Auswirkungen hatte, war "Betweenness". Dies ist ein Maß dafür, wie zentral die Position ist, die ein Männchen im sozialen Netz einer Gruppe einnimmt.

Wissen über Beziehungsgeflecht sinnvoll eingesetzt

Je mehr Verbindungen zu anderen Affen bestehen, desto zentraler die Stellung. "Betweenness" gibt außerdem Auskunft darüber, ob ein Männchen dazu neigt Bündnisse mit Schimpansen einzugehen, die sonst keine Bündnispartner haben. Die Forscher beobachteten, dass Schimpansen mit einer hohen "Betweenness"-Bewertung die einzigen Nicht-Alpha-Männchen waren, die Nachwuchs zeugen konnten. Auch stiegen diese Tiere im Rang auf, was sich wiederum positiv auf ihre Paarungschancen auswirkte.

Die Wissenschafter schlossen daraus, dass Schimpansen das Geflecht der sozialen Netzwerke innerhalb ihrer Gruppe verstehen und bewerten können. Diese Fähigkeit nutzen sie für die sorgfältige Auswahl ihrer Bündnispartner. Die Autoren: "Wir haben in unserer Studie gezeigt, dass Schimpansen die Beziehungen innerhalb ihrer Gruppe beurteilen können und dass sie dieses Wissen nutzbringend für sich einsetzen. Diese Erkenntnis trägt zum besseren Verständnis von sozialer Intelligenz und Teamwork unter Schimpansen bei." Es seien jedoch weitere Untersuchungen nötig, um die Ergebnisse der Studie im vollen Umfang erfassen zu können, fügten die Wissenschaftler hinzu. (red, derStandard.at, 04.12.2012)


Abstract
Behavioral Ecology and Sociobiology: Fitness benefits of coalitionary aggression in male chimpanzees

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9 Postings
haben da nun die affen von den politikern gelernt?

dass männchem zum zweck der häufigeren begattungsmöglichkeit klubs bilden, die einander die rutschen legen, was nicht ganz unintrigant ablaufen mag, das ist aber ungemein überraschend!
;)

Nicht von sich selbst ausgehen.

Die meisten Tiere sind Einzelkämpfer, was Paarung angeht. Katzen zB.
Sinnvoll ist sowas nur bei Promiskuität und Sippenbildung.

Dass einander unbekannte Männchen einander helfen, ist unwahrscheinlich. Was hätten die davon?
Man kann bei sozialeren, intelligenten Tieren erwarten, dass wahrscheinlich verwandte Tiere einander helfen, da das der Weitergabe der eigenen Gene hilft, wenn Geschwister sich fortpflanzen. (Löwen!)

Große Menge an immer schnelleren Spermien produzieren kann ausgleichen, dass mehrere Männchen ein fruchtbares Weibchen begatten. Aufmerksame, intelligente Männchen könnten außerdem den Östrus einer Schimpansin abschätzen und vorher begatten - im Östrus werden sie von Ranghohen monopolisiert.

ich hab nur die Überschrift gelesen und mir gedacht

was Schimpansen benutzen jetzt auch schon Facebook ?

die zwei im bild schaun aber sehr nach bonobo und wenig nach schimpanse aus. ^^

Bonobos...

zählen auch zu den Schimpansen (Pan)

Is eh wuscht, weils niemand interresiert!

Dann wüsste man auch nicht, dass es 2 Spezies von Schimpansen gibt, die sich ziemlich unterschiedlich verhalten.

Derzeit gibts interessanterweise in diesem Forum doppelt so viele, die es interessiert wie die, die meinen, es interessiert niemanden. Diese Aussage macht daher keinen Sinn.

Ich denke nicht. Der hübsche Backenbart vom hinteren Schimpansen ist den Bonobomähnen ähnlich, aber sie haben zu dunkle Gesichter. Die Bonobos haben um den Mundbereich herum hellere Partien und sehr rote Lippen. Außerdem wirken ihre Schultern und Hälse etwas klobig.

Beide leben im Kalkutta Zoo.
http://foto.panorama.it/ANIMALI-l... o%29/tutte

Die beiden dürften verpartnert sein und Babu und Rani heißen, der Kalkutta-Zoo hat nur 4 Tiere (wenn überhaupt noch). Die haben sich sogar mal selbst befreit :)

Ich hoffe, ich sehe Schimpansen und Bonobos bevor sie aussterben - und dass sie einen reichen Sponsor finden und die Menschen in ihrem Gebiet Alternativen für Siedlung, Lebensraumzerstörung und Ausbeutung finden.

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