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vergrößern 600x480Die elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt Bakterien (Hyphomicrobium sp., gelb koloriert), die zum Teil auf festen Oberflächen, Böden oder sedimentkörnern aufwachsen. Während des Wachstums sterben auch immer Zellen ab und deformierte bzw. fragmentierende Zellhüllen bleiben zurück. Kleinteilige Fragmente dieser Hüllen (im Bild rot) stellen dann die mikropartikuläre Matrix in Böden und Sedimenten dar.
Leipzig - Bisher ging man davon aus, dass die organischen Bestandteile des Bodens größtenteils aus zerfallenem Pflanzenmaterial stammen würden, das in Huminstoffe umgewandelt wird. Nun hat ein internationales Wissenschafterteam nachgewiesen, dass die Überreste von abgestorbenen Bakterien für die Böden eine viel größere Bedeutung haben als angenommen. Nach den Ergebnissen der Forscher, die im Fachblatt "Biogeochemistry" veröffentlicht wurden, werden etwa 40 Prozent der mikrobiellen Biomasse in organische Bodenbestandteile umgewandelt. Offenbar wird das leicht biologisch abbaubare Pflanzenmaterial zunächst in mikrobielle Biomasse überführt und erst danach zur organischen Bodensubstanz.
Organische Bodenbestandteile stellen den größten Anteil an terrestrisch gebunden Kohlenstoff in der Biosphäre dar. Sie haben deshalb nicht nur eine große Bedeutung für die Fruchtbarkeit der Böden und die Erträge der Landwirtschaft. Sie sind auch einer der Schlüsselfaktoren, die die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre kontrollieren. Je nachdem wie diese Ressource gemanagt wird, kann der Klimawandel daher gebremst oder beschleunigt werden.
Im Labor hatten die Wissenschafter zunächst in einem Inkubationsexperiment Modell-Bakterien mit dem stabilen Isotop 13C markiert und in Bodenmaterial eingebracht, das aus dem Langzeitexperiment "Ewiger Roggenbau" in Halle/Saale stammt. Nach 224 Tagen Inkubationszeit wurde der Verbleib des Kohlenstoffs der Bakterien bestimmt. "Als Ergebnis fanden wir Reste von Bakterienzellwänden in Größen bis 500 x 500 Nanometern überall in unseren Bodenproben. Solche Fragmente wurden auch schon in anderen Studien beobachtet, aber nie weitergehend diskutiert und quantifiziert", erklärt Matthias Kästner vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Offenbar wird die Anlagerung der Reste von Bakterienzellwänden von Peptiden und Proteinen aus den Zellen unterstützt, die in höherem Maße als andere Zellbestandteile im Boden verbleiben und dafür sorgen, dass sich auf den mineralischen Bodenbestandteilen ein Film aus organischen Molekülen bildet, in dem der Kohlenstoff der abgestorbenen Bakterien gespeichert wird.
Wenn die Fragmente der abgestorbenen Bakterienzellwände austrocknen, dann verlieren sie ihre gummiartigen Eigenschaften und können hart wie Glas werden. Wird der Boden später wieder feucht, können Sie dann jedoch unter Umständen keine Feuchtigkeit mehr aufnehmen - eine wichtige Voraussetzung, um von anderen Bakterien wieder abgebaut werden zu können. Dies wäre die einfachste Erklärung für die Beständigkeit von theoretisch leicht abbaubaren Kohlenstoffverbindungen im Boden.
"Dieser neue Ansatz erklärt viele Eigenschaften der organischen Bodenbestandteile, die früher widersprüchlich erschienen", so Matthias Kästner. Auf die Idee gekommen waren Kästner und sein Team durch frühere Untersuchungen in den 1990er Jahren zum Abbau des Schadstoffs Anthracen in belasteten Böden von Gaswerksstandorten. Bei Isotopenanalysen zeigte sich damals, dass Kohlenstoffrückstände gebunden waren, die von Bakterien stammen könnten. Mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) begannen sie, ab 2000 im Rahmen von zwei Schwerpunktprogrammen diese Spur zu verfolgen.
Nach dem Laborexperiment folgte die Überprüfung der These im Freiland. Im Sommer 2009 nahmen die Forscher Bodenproben im Vorfeld des Dammagletschers im Schweizer Kanton Uri. Im Lauf der letzten 150 Jahre ist dieser Gletscher um insgesamt rund einen Kilometer Länge geschrumpft. Zurück blieb Granitgestein, das von Lebewesen mit einer Bodenentwicklung einhergehend langsam wieder besiedelt wurde. Auf Pionierpflanzen wie Moose und Gräser folgten Sträucher und später auch Bäume, wenn sich hier Boden neu gebildet hat. Nicht nur für Klimaforscher, sondern auch für Ökologen ist der Dammagletscher deshalb inzwischen zu einem wichtigen Freilandlabor geworden, in dem verschiedenste Studien laufen.
Der untersuchte Boden der Proben war zwischen 0 und 120 Jahren alt und erlaubte so Einblick in die Prozesse der frühen Bodenentwicklung. Bei den darauf folgenden Untersuchungen mittels Rasterelektronenmikroskopie am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen zeigte sich auch hier, dass mit dem Alter der Böden die Bedeckung der Mineralpartikel im Boden mit einem Film aus Rückständen von Bakterienzellwänden zugenommen hatte. These und Laborergebnisse konnten also im Freiland bestätigt werden. Möglich wurden diese neuen Erkenntnisse nicht zuletzt durch Fortschritte in der Rasterelektronenmikroskopie, die es inzwischen erlaubt, solche winzigen Bodenbestandteile besser zu erkennen und auszuwerten.
Der überwiegende Teil des Eintrags an Pflanzenrückständen in fruchtbare Böden wird also schnell von Mikroorganismen wie Bakterien verarbeitet, was zu mehr Bakterien und damit auch zu mehr absterbenden Bakterien führt. Das führt wiederum zu mehr organischem Material im Boden. "Auch wenn der größte Teil des organischen Kohlenstoffs in den Ökosystemen definitiv primär von Pflanzen produziert wird, so konnten wir zeigen, dass dieser große Teil der organischen Materials tatsächlich aus abgestorbenen Bakterien und Pilzen besteht. Das unterstreicht die Bedeutung, die Bakterien die Organismen in jedem Boden spielen", fasst Matthias Kästner zusammen.
Dazu kommt die Bedeutung für das globale Klima: Der Abbau dieses organischen Materials führt unter anderem zu Mineralisationsprodukten wie dem Treibhausgas Kohlendioxid. Schätzungen aus Großbritannien zufolge entspricht die Menge an CO2, die durch den Abbau von organischem Material in den Böden Englands und Wales pro Jahr in die Atmosphäre entweicht, der Größenordnung, um die die Treibhausgasemissionen dort pro Jahr reduziert wurden. Ohne Bodenschutz kann es folglich keine spürbaren Fortschritte beim Klimaschutz geben. (red, derStandard.at, 31.12.2012)
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Bei industrieller Landwirtschaft gibt es keine Bodenbildung, es wird auch kaum Pflanzenmaterial in den Boden zurückgeführt, da es technisch verwertet wird. Werden organische Böden plötzlich agrarindustriel genutzt, so wird CO2 freigesetzt, bis diese Böden nur noch Mineralsubstrat sind. Sehr bekannt ist der Schaden mittlerweile beim Reisanbau, weil ein gedüngtes, gespritztes Reisfeld unglaublich viel CO2 freisetzt und Organik durch Schlamm immer nachkommt. Um effizient zu wirtschaften muss also die Bodenbiochemie besser verstanden werden. Das eigentliche Grundübel ist die Monokultur, die gespritzt werden muss. Wer kauft aber ein Weizen-Hafermischung, vielleicht noch mit Ölsaaten, aus Mischanbau? Hoffentlich gibt es solche Produkte bald!
natürlich gibt es Bodenbildung und wird von verantwortungsbewussten Landwirten auch gezielt gefördert:
1. die Wurzelmasse der Frucht und die Stoppeln bilden den Grundstock zur Neubildung
2. zusätzlich biogene Düngung (Strohrotte, Stallmist,...)
3. Leguminosen reichern mit ihren Knöllchenbakterien den für die Pflanzen verfügbaren Stickstoff an.
4. seit dem Altertum wird Gründüngung betrieben: http://de.wikipedia.org/wiki/Untersaat
Auf den Versuchsfelder der Boku in Großenzersdorf werden seit Jahren entsprechende Untersuchungen durchgeführt: http://sciencev1.orf.at/news/87945.html Hab selber das Vergnügen gehabt, daran teilzunehmen...
Die Landwirtschaft produziert heute weltweit Lebensmittel in ausreichender Menge und Qualität (bezüglich der Produkte wie auch der Produktionsprozesse). Die Nachfrage wird zukünftig steigen. Die von den Konsumenten akzeptierten Preise sind ein weiterer Faktor für die gewählte Art und Weise der Produktion. Unter diesen für die Bauern schwierigen Rahmenbedingungen kann man weiterhin "Kinder auf unsere Felder lassen", ohne das sie sich vergiften. Dass die chemische Industrie das Vernichten von Bodenlebewesen verfolge, ist eine Unterstellung, die ebenfalls nicht belegbar ist. Ich verstehe, dass es (zudem nicht völlig unberechtigte) Ängste bei Konsumenten gibt, ersuche aber um eine weniger "alchemistische" Argumentation.
aber ich gärtnere und habe eine alchemistische sichtweise des bodens...viel zu komplex für mich, alle details zu benennen.
wenn wir auf unsere felder keine kinder mehr lassen können, weil es dort durch pestizide und dünger zu gifig ist, machen wir irgendwas falsch.
Da bemerkt man an einer Uni, was wir schon als Kinder wussten. Jeder der richtige Erde in Händen gehalten hat weiß, dass sie kein lebloses Substrat ist. Sowas denken höchsten Bauern, die den Hals nicht vollkriegen können. In einem Liter gesunden Ackerboden leben mehr Kleinstlebewesen als Menschen auf der Erde.
Die Chemieindustrie hat sich aber vorgenommen, diese Bodenlebewesen zu vernichten. Das fördert den Düngemittelverkauf. Aber auch Mineraldünger geht zur Neige. Wir stehen vor dem Problem, dass 99% der Ackerböden tot sind und gleichzeitig die größten Phosphorvorkommen der Erde in Marrokko sind. Das wird eine ganz neue Art von Abhängigkeit. Da kann Öl nicht mehr mithalten.
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