Wien soll dichter werden, Ottakring geht voran

4. Dezember 2012, 12:26
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Stadt Wien will das Wachstumspotenzial gründerzeitlicher Stadtquartiere zunächst anhand des Ottakringer "Hippviertels" untersuchen lassen

Das "Hippviertel" in Wien-Ottakring, das seinen Namen in erster Linie wegen der Hippgasse trägt, wird für ein halbes Jahr zum Forschungs-Grätzel in Sachen innerstädtischer Nachverdichtung. Hier will die Stadt erforschen lassen, wie in Zukunft mit dem Bevölkerungswachstum in den dicht bebauten Stadtteilen umgegangen werden kann bzw. soll - etwa durch Aufstockungen und Dachgeschoßausbauten.

Gründerzeit-Bestand

Das "Hippviertel" scheint dafür gut geeignet zu sein, weil der dortige Bestand laut Daniel Glaser, dem Verantwortlichen bei der Gebietsbetreuung Stadterneuerung im 7., 8. und 16. Bezirk (GB 7/8/16), im Wesentlichen fast ausschließlich aus den 40 Jahren zwischen 1870 und 1910 stammt. Der "Zählbezirk 16.02", wie er das Grätzel nennt, sei deshalb ein "exemplarisches Viertel", anhand dessen im kommenden halben Jahr "geschaut werden soll, an welchen Stellschrauben man drehen kann".

Vor wenigen Tagen fand dazu bereits eine erste Fachtagung statt, an der neben sämtlichen Mitarbeitern der GB 7/8/16 auch Architekten, Stadt- und Freiraumplaner teilnahmen. "Jede Menge Ideen" seien da in mehreren Arbeitsgruppen schon angesprochen worden, sagt Glaser. Nun gehe es bis Sommer 2013 darum, diese auf ihr Potenzial und ihre Durchführbarkeit abzuklopfen. "Mehr Menschen, mehr Freiraum, mehr Qualität, mehr Gerechtigkeit" - das seien die groben Leitlinien des Vorhabens, und die Schwierigkeit daran sei, dass sich manches eben "gegenseitig ausschließe"; "denn wenn man eine vorhandene Baulücke verbaut, kriegt man zwar mehr Menschen unter, aber der Freiraum geht verloren", nennt er nur als simples Beispiel.

Ergebnisse bis zum Sommer

Die Bundeshauptstadt wächst bekanntlich stark, Zahlen der Statistik Austria lassen einen Bevölkerungszuwachs von derzeit 1,72 Millionen auf 1,96 Millionen Einwohner bis zum Jahr 2030 erwarten. Der Bedarf an zusätzlichem Wohnraum wird laut Wohnbaustadtrat Michael Ludwig (SPÖ) "nicht ausschließlich mit den bisher unverbauten Flächenreserven der Stadt gedeckt werden können". Neben den bekannten großen Entwicklungsgebieten (Seestadt Aspern, Sonnwendviertel am Hauptbahnhof, Nord- und Nordwestbahnhof) müsse deshalb auch im bereits dicht verbauten Gebiet noch neuer Wohnraum geschaffen werden.

Ludwig, der sich bis Mitte 2013 fundierte Ergebnisse aus der Feldforschung im 16. Bezirk erwartet, gibt dabei die Devise aus, dass "die hohe Lebensqualität in den gründerzeitlichen Vierteln erhalten bleiben soll". Die vorhandenen Bestände optimal auszunutzen anstatt immer mehr Boden durch Neubauten zu versiegeln, sei das Gebot der Stunde, so der Stadtrat. Der innerstädtische Bereich sei außerdem in Sachen Öffi-Infrastruktur und Nahversorgung bereits bestens erschlossen. (map, derStandard.at, 4.12.2012)

  • Bis 2030 wird jährlich mit rund 18.000 neuen Wienerinnen und Wienern gerechnet. Diese brauchen Platz zum Wohnen.
    foto: putschögl

    Bis 2030 wird jährlich mit rund 18.000 neuen Wienerinnen und Wienern gerechnet. Diese brauchen Platz zum Wohnen.

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