Kodex erweitert: Presserat erlaubt verdeckte Recherchen im Einzelfall

4. Dezember 2012, 11:30
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Journalist muss sich in Fällen von "besonderem öffentlichen Interesse" nicht zu erkennen geben - Bronner: "Stärkt Kontrollfunktion der Medien"

Wien - Die Vorgangsweise jener britischen Journalisten, die als Lobbyisten getarnt dem ehemaligen ÖVP-Delegationsleiter im EU-Parlament, Ernst Strasser, Geld für die Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung geboten und damit die Affäre um den Ex-Innenminister ins Rollen gebracht hatten, wäre nach dem Ehrenkodex für die österreichische Presse in Ordnung. Der Trägerverein des Presserats hat den Kodex insofern erweitert, dass verdeckte Recherchen von Journalisten in Einzelfällen ausdrücklich erlaubt sind.

"Informationen von besonderem öffentlichen Interesse"

Ein Journalist muss sich also künftig nicht in jedem Fall als solcher zu erkennen geben, vorausgesetzt, dass er sich damit "Informationen von besonderem öffentlichen Interesse" beschafft, hieß es am Dienstag in einer Aussendung des Presserats. Das sei beispielsweise dann der Fall, wenn es um die Aufdeckung von gravierenden Missständen in Politik oder Wirtschaft geht. Grundsätzlich ist es laut Ehrenkodex aber nach wie vor unlauter, wenn ein Journalist jemanden über seine Identität täuscht oder sie verschweigt.

 Bronner: "Stärkt Kontrollfunktion der Medien"

"Die neue Bestimmung stärkt die demokratiepolitisch wichtige Kontrollfunktion der Medien gegenüber Staat und Gesellschaft", erklärte Presserat-Präsident Oscar Bronner. "Das Aufdecken von Korruption und Misswirtschaft gehört zu den ureigensten Aufgaben der Presse und ist manchmal erst durch verdeckte Recherchen möglich." (APA, 4.12.2012)

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