Unterschätzter Kämpfer und Brückenbauer

3. Dezember 2012, 22:19
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Borut Pahor wird neuer und jüngster Präsident Sloweniens

Er hat immer wieder gesagt, dass man ihn nicht unterschätzen solle. Und dennoch haben es alle getan. Borut Pahor wurde nachgesagt, zu nett, zu harmoniebedürftig, zu wenig durchsetzungsstark zu sein. Vor einem Jahr zerfiel die Regierung Sloweniens unter der damaligen Führung des Sozialdemokraten. Und seine Partei ließ ihn fallen. Doch Pahor, der nun fast im Alleingang den Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen bestritt, hatte sein Scheitern als Premier offenbar als Ansporn genommen weiterzukämpfen.

Vor wenigen Wochen noch hielt man ihn für einen Zählkandidaten. Heute ist das breite Lächeln, über das sich manche früher lustig machten, mehr als berechtigt. Der 49-Jährige wurde am Sonntag zum neuen und jüngsten Präsidenten Sloweniens gewählt. Tatsächlich passt die neue Rolle gut zu ihm. Denn Pahor ist ein Mann des Ausgleichs. Immer wieder hat er versucht, die tiefen Gräben zwischen der Linken und Rechten im Land zu überbrücken, die vor allem von der unterschiedlichen Interpretation des Bürgerkriegs herrühren.

Obwohl man dem sportbegeisterten, immer adrett angezogenen Mann oftmals unterstellte, er sei zu sehr an Medienauftritten interessiert und gefallsüchtig - sein Spitzname ist Barbie -, gilt er mittlerweile als moralische Instanz. Auch weil er die schwere Wirtschaftskrise, in der Slowenien steckt, nicht beschönigt. "Wenn die Leute glauben, dass jetzt alles schlecht und schlimm ist, sind sie sich nicht bewusst, was uns in den kommenden Jahren erwartet."

Der Politikwissenschafter, der bereits mit 14 der Jugendorganisation der slowenischen Kommunisten beigetreten und 1990 als jüngstes Mitglied in das Zen tralkomitee der Partei gerufen worden war, hat nach den ersten freien Wahlen maßgeblich die sozialdemokratische Partei aufgebaut. 1997 wurde er Parteivorsitzender, ab 2004 war er Europaparlamentarier und führte die Partei 2008 dann zum Wahlsieg.

Pahor wollte Reformen durchziehen, dabei gingen ihm die Koalitionspartner verloren und schließlich auch das Vertrauen der Bürger. Mittlerweile hat man in Slowenien aber offenbar verstanden, dass es wohl ohne tiefgreifende Veränderungen und Disziplin nicht geht. Auch dafür steht Pahor.

40 Prozent der Sloweninnen würden ihn gern zum Ehemann haben. Der Sohn einer Näherin, der sein Studium teils durch Jobs als Dressman finanzierte, ist mit der Rechtsanwältin Tanja Pecar verheiratet und hat einen Sohn. (Adelheid Wölfl /DER STANDARD, 4.12.2012)

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