Frühes Trauma verändert Erbgut

3. Dezember 2012, 19:42
  • Kindheitstraumata zeitigen bei Trägern bestimmter Genvarianten spätere Störungen.
    foto: hendrich

    Kindheitstraumata zeitigen bei Trägern bestimmter Genvarianten spätere Störungen.

Kindliche Traumatisierung führt bei Trägern einer speziellen Genvariante zu einem physiologischen Unterschied

München - Ein Trauma in der Kindheit kann schwere Folgen im Erwachsenenalter zeitigen. Misshandlungen oder Gewalt an nahe stehenden Personen können später zu posttraumatischen Belastungsstörungen und Depressionen führen. Allerdings lösen Traumata nicht bei allen Betroffenen diese Krankheiten aus. Ob der frühe Stress das Opfer tatsächlich krank macht, hängt auch von der genetischen Veranlagung ab.

Wissenschafter vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München haben nun herausgefunden, wie Kindheitstraumata Krankheiten in Erwachsenen auslösen. Für ihre im Fachblatt "Nature Neuroscience" publizierte Studie untersuchten sie das Erbmaterial von knapp 2000 Menschen, die im Lauf ihres Lebens schwer traumatisiert wurden. Ein Drittel von ihnen litt unter posttraumatischen Belastungsstörungen. Für die Träger einer speziellen genetischen Variante des FKBP5-Gens hatte das Erkrankungsrisiko mit steigender Schwere der Traumatisierung zugenommen. FKPB5 bestimmt, wie gut der Körper auf Stresshormone reagieren kann.

Für die Opfer, die Träger der FKBP5-Variante sind, führte die kindliche Traumatisierung zu einem physiologischen Unterschied. Die hohen Konzentrationen an Stresshormonen sorgten dafür, dass von der DNA eine bestimmte Methylgruppe abgespalten wurde. Das erhöhte die Aktivität von FKBP5 deutlich und auf Dauer. Studienteilnehmer, die im Erwachsenenalter traumatisiert wurden, zeigten dagegen keine solche Veränderung der DNA.

Die Erkenntnisse über Kombinationen von Umwelt- und genetischen Faktoren, die zu psychischen Krankheiten führen, sollen helfen, Patienten künftig individualisierter zu behandeln. (pum, DER STANDARD, 4.12.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2
Da die Studie aber post hoc untersucht,

wissen wir nun nicht, ob die gefundene Genvariante eine Ursache oder eine Folge des Traumas der Kindheit ist.

??

Wie kann denn ein Gen Ursache für ein Trauma (als externes Geschehen betrachtet und nicht als psychische Reaktion auf ein solches) sein?

Bevor jetzt unappetitliche Gedankenspiele beginnen, weshalb die Gen-Variante und Kindheitstraumata eine Korrelation aufweisen könnten, möchte ich darauf hinweisen, dass im Artikel beschrieben wurde, dass NUR Personen mit Trauma für die Studie untersucht wurden.

ist das neu?

Ist eigentlich ja schon seit 2003 bekannt?
http://www.psychotherapiepraxis.at/pt-blog/t... vererbung/
Manche Studien werden offenbar immer wieder aufs Neue durchgeführt, und dann als grosse Neuheit "verkauft", das fällt mir besonders im medizinischen Bereich auf.

Sind Borderliner (traumatisiert bis zum 4. Lebensjahr)

dann genetisch anders?

Ich gehe weiter und sag "unheilbarer Seelenkrebs" dazu.

du bauer, hast du das jetzt noch immer nicht gerafft, das es für alles außer den tod eine lösung gibt, den tod kann man nur verzögern aber nicht verhindern (!)

ja

eine bestimmte variante der tryptophanhydroxylase erhöht das risiko zu erkranken leicht. ob der methylierungsunterschied hier was mit borderline zu tun hat ist nicht bewiesen, aber ich halte es für durchaus wahrscheinlich.

danke. ein gelehrter, ich hab ab dem trypto.. aufgehört zu verstehen um was es geht.

aber google ist mein freund :)

jeder ist genetisch anders

title misleading

wenn veränderungen des methylierungsstatus der dna jetzt als 'veränderungen des erbgutes' deklariert werden, verändert sich unser erbgut nahezu ununterbrochen.

wollte das selbe posten...

ist scheinbar auch für eine qualitätszeitung zu viel verlangt zwischen erbgut und epigenetik zu unterscheiden...

Bitte mehr Qualität im Titel, danke.

Was ihr hier zusammenschreibt ist völlig falsch.

Epigenetische Veränderungen, gerade solche die durch DNA Methylierung vermittelt werden (Während der Gametogenese wird die gesamte DNA Methylierung verworfen und neu aufgesetzt), sind nicht erblich.

Somit ist die Überschrift: "...verändert Erbgut." einfach nur eines: Kompletter Unsinn.

Deswegen sind diese religiös Traumatisierten,..

.. eben Geisteskrank.
Die Traumatisierung mit dem religiösen Zwang, Beschneidung, Bestrafung, ist ein Verbrechen an der Menschheit.

kann man solche reisserischen überschriften nicht einfach bleiben lassen?
zumal epigenetische änderungen nicht eigentlich "das Erbgut verändern" ...

Seltsamer Artikel

Ob psychische Krankheiten ausbrechen oder nicht hängt von vielen Faktoren ab, u.a. von Veranlagung und Umwelt. Das ist aber nichts Neues. Nicht neu ist auch, daß diese Gene ein-, oder ausgeschaltet werden können.
Darum bringt die zitierte Studie nicht wirklich neue Erkenntnisse. Eine Erwähnung dieser würde nur Sinn machen, wenn sie auch Schlußfolgerungen in Bezug auf Medikation bringen würde. Der Artikel sagt aber nichts darüber.
Übrigens liefert das AKH in Wien laufend Studien zu diesem und ähnlichen Themen. Da braucht man nicht nach München schauen, selbst wenn die im "Nature Neuroscience" erschien.
Ein bißchen mehr Lokalpatriotismus bitte!

Das mag seltsam sein...

... ist aber Neues und "Heißes"-> Epigenetik!

Nur ein Bruchteil unseres Erbguts ist aktiv. Durch Chemikalien, Lebensweise und life-events, wird bestimmt was von dem inaktiven Teil aktiviert wird oder wieder abgeschalten wird.

Und diese Studie ist sicher in Punkto Epigenetik ein Meilenstein.

Typisch wehleidiges Getue von den AKHlern, die alles mit Arroganz abtun. Die Studie wurde einem Review-Prozess unterzogen und auf Herz und Nieren überprüft.

Wenn Sie so tolle Daten haben publizieren Sie sie doch ...

Dann kann der Standard drüber schreiben. Das was sie da schreiben ist wie immer peinlich, wie vieles andere Gehörte vom AKH. Als Wissenschaftler aus Österreich der in Deutschland tätig ist muss man sich oft fremdschämen für unsere angebliche Elite und ihr Gehabe.

wissenschaft ist weder lokal noch patriotisch, noch macht lokalpatriotismus in der wissenschaft irgendeinen sinn. internationale kooperationen sind standard und in jedem halbwegs vernuenftigen lab sind die leute in der regel nicht nur aus dem eigenen land. es mag ausnahmen geben, aber die regel ist es sicher nicht.

und zum anderen - zeigen sie mir die konkrete studie, die tatsaechlich bereits abdeckt, was klengel et al. zeigen konnten. ich bezweifle stark, dass es sie gibt. sie bedienen nur allgemeinplaetze und beziehen sich auf nichts konkretes.

fuer proponenten dieses hier so populaeren, noerglerischen "wiss ma doch eh schon alles schon laengst" kann ich duncan watts' buch "everything is obvious - once you know the answer" empfehlen.

der von ihnen verlinkte artikel geht in eine voellig andere richtung als der obige und hat mit diesem weder viel zu tun noch deckt er eine erkenntnis bereits ab, von der der obige berichtet.

im einen gehts um depression, im anderen um stress. im einen gehts um blosses vorhandensein/nichtvorhandensein eines gens, im anderen um expressionsprofile - usw.

""Übrigens liefert das AKH in Wien laufend Studien zu diesem und ä h n l i c h e n Themen.""

und suizidalitaet ist doch ein wichtiges thema......

wie aehnlich man etwas sieht, ist bloss frage des referenzpunkts. ich meine ja nicht, dass die akh-studie unwichtiger waere - ich dachte, sie bezoegen sich auf die meinung des obigen posters, das sei alles "nichts neues" und man wuesste das schon laengst.

nb: wenn man sich die autorenliste der akh-studie mal ansieht, stoesst man auf einige sehr unoesterreichische namen - ein dezenter hinweis darauf, dass gute forschung kaum lokalpatriotisch zustande kommt - und damit verweise auf de besonderheit "heimischer" studien irgendwie sinnlos sind.

Im Grunde wollte ich in meinem Post u.a. darauf hinaus, daß die Erkenntnisse der im Artikel beschriebenen Studie nicht so herausragend sind und daß das AKH als wiener Forschungseinrichtung ebenso Studien liefert, die gleich relevant sind.

Und ÄHNLICH ist das schon. Psychiatrische Studien werden zu einem Großteil von Pharmafirmen gesponsert, zum Ziel der Entwicklung neuer Medikamente, hauptsächlich Antidepressiva.

es ist voellig irrelevant, ob das eine wiener oder muenchner oder londoner forschungseinrichtung ist - was in der wissenschaft zaehlt, sind artikel, und die kommen mittlerweile (vor allem im medizinischen bereich) sehr selten aus nur einem institut.

wenn sie sich mal die autor affiliations der oben verlinkten "akh-studie" ansehen: die autoren sitzen in wien, bologna, bruessel, london, gazi, tel-hashomer und paris.

und zum anderen: das meinte ich ja, wenn man diese studien aus grosser entfernung ansieht, scheinen sie aehnlich (na klar will man mit psychiatrischen studien in erster hinsicht heilungserfolge erzielen), aber im detail unterscheiden sie sich dann oft gewaltig - und auch medikamente sind nicht gleich medikamente.

mit ihrer argumentation haben sie natuerlich recht, keine frage.

die wissenschaft lebt von internationalitaet und der "besten" koepfe, die wiederum an land/nation gezogen werden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.