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Pier Luigi Bersani ist der Kandidat der Linkskoalition für das Amt des Premiers. Der Vorsitzende des Partito Democratico (PD) gewann Sonntag die Stichwahl gegen seinen Herausforderer Matteo Renzi unerwartet deutlich mit 61 zu 39 Prozent. Der 37-Jährige gestand seine Niederlage ohne Beschönigung ein und gratulierte Bersani zum Erfolg: "Wir haben versucht, die Politik zu verändern, aber wir haben es nicht geschafft."
Der 62-jährige Parteichef zeigte Genugtuung, vermied jedoch unnötige Siegerposen: "Renzi hat einen wesentlichen Beitrag geleistet, um die Vorwahlen lebhaft zu gestalten. Doch der große Kampf beginnt erst jetzt." Bersani gilt als Mann, von dem die meisten Italiener ohne Zögern einen Gebrauchtwagen kaufen würden. Auch politische Gegner halten ihn für verlässlich und unbescholten. Bereits mit 29 Jahren saß er in der Regierung seiner Heimatregion Emilia, war mehrmals Minister und verfügt über viel Erfahrung und Sachkenntnis.
Die gelungenen Vorwahlen verbucht er als persönlichen Erfolg. Trotz wachsender Politikverdrossenheit drängten drei Millionen Wähler an zwei Sonntagen zu den Urnen. Rege Diskussionen begleiteten das Ereignis, aus dem der PD gestärkt hervorgeht. Bersanis Partei geht damit als klare Favoritin in die Parlamentswahlen am 10. März. Nach Umfragen erreicht sie allerdings kaum mehr als 35 Prozent und könnte damit gezwungen sein, sich in langwierigen Verhandlungen einen Koalitionspartner unter den Zentrumsparteien zu suchen.
Bersanis Sieg könnte auch Silvio Berlusconi dazu verleiten, wieder in den Ring zu steigen - als Retter vor der roten Gefahr. Der Cavaliere verhindert seit Monaten erfolgreich die Verabschiedung eines neuen Wahlrechts, das Staatspräsident Giorgio Napolitano als Bedingung für die Auflösung des Parlaments fordert.
Um sein Ziel zu erreichen, benötigt Bersani einen langen Atem: "Wir müssen ohne Demagogie und Populismus gewinnen - und ohne Märchen zu erzählen". Sein linksalternativer Koalitionspartner Nichi Vendola hatte im ersten Wahlgang 15 Prozent der Stimmen erhalten und seine Wähler aufgefordert, in der Stichwahl für Bersani zu stimmen. Nun fordert er eine "Linkswende im Regierungsprogramm". Bersanis Pech: Vendola lehnt genau die von ihm als Koalitionspartner gewünschten Christdemokraten kategorisch ab. (Gerhard Mumelter aus Rom /DER STANDARD, 4.12.2012)
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