Italien im Wahlkampf: Bersani auf Montis Spuren

Kommentar3. Dezember 2012, 18:40
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Italien könnte zur Instabilität der vergangenen Jahre zurückkehren

Der Erfolg von Pier Luigi Bersani im Rennen um die Spitzenkandidatur der italienischen Linken könnte sich bald als Pyrrhussieg erweisen. Sein Partito Democratico ist zwar unstrittig stärkste Partei, hat aber keine Chance auf eine absolute Mehrheit bei den Wahlen im März 2013. Das bedeutet, dass am Wahlabend niemand wissen wird, wer das Land in den kommenden Jahren regieren soll.

Nach Mario Montis Intermezzo könnte Italien damit zur Instabilität der vergangenen Jahre zurückkehren - eine durchaus risikoreiche Perspektive. Mit Blick auf die Neuwahlen schießen neue Parteien wie Pilze aus dem Boden, 150 Überläufer dienen sich im Parlament dem Meistbietenden an. Silvio Berlusconis "Volk der Freiheit" ist ebenso von Auflösungserscheinungen bedroht wie Antonio di Pietros "Italien der Werte". Gianfranco Finis "Futuro e Libertà" und die Christdemokraten hoffen auf eine Allianz mit der neuen Bewegung des Industriellen Luca di Montezemolo, die aber keine langgedienten Politiker wünscht.

Strategien scheitern am Fehlen des neuen Wahlrechts, das Berlusconi bisher verhindern konnte. Wenige Monate vor der Wahl weiß niemand, ob nach einem Mehrheits- oder Verhältniswahlrecht gewählt wird, ob es eine Fünf-Prozent-Sperrklausel oder einen Mehrheitsbonus geben wird. Berlusconi selbst schweigt über eine erneute Kandidatur. Die Partei des Komikers Beppe Grillo könnte in diesen Wirren mit fast 20 Prozent Zünglein an der Waage werden. (DER STANDARD, 4.12.2012)

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