Verfassungsreferendum in Ägypten: Das Match ist offen

Kommentar | Gudrun Harrer
3. Dezember 2012, 18:37

Nicht die gesamte Justiz steht gegen Morsi und schon gar nicht gegen eine islamische Gesellschaftsordnung

Das Referendum über die neue ägyptische Verfassung wird nicht von den säkularen, liberalen und linken Kräften entschieden werden, die gegen die autoritären Tendenzen von Präsident Mohammed Morsi anrennen: Sie sind in der Minderheit gegenüber jenen Ägyptern, die auf eine wertekonservative Gesellschaft setzen, deren Bewahrer der Staat ist. Entscheidend wird sein, was jene Wählerschicht tut, die bei den Präsidentschaftswahlen im Juni für den Kandidaten der Armee, Ahmed Shafik, gestimmt hat, der gegen Morsi nur knapp verlor.

Diese Wähler sind einerseits antiislamistisch, andererseits wissen sie, dass in einer wirklich demokratischen Verfassung vom Status der Armee viel weniger übrigbleiben würde als im jetzigen Entwurf. Muslimbruderschaft und Militärs haben sich ja im Grunde nicht schlecht arrangiert.

Das Match ist also offen. Wenn die jetzige Allianz zwischen Demokraten und Armee-Anhängern hält, können sie für eine Ablehnung der Verfassung sorgen. Wenn die Richter ihre Aufgabe, die Abstimmung zu überwachen, verweigern und wenn die Verfassung durchgeht, dann wird unweigerlich der Vorwurf der Wahlfälschung laut werden.

Aber auch da ist nicht das letzte Wort gesprochen: Nicht die gesamte Justiz steht gegen Morsi und schon gar nicht gegen eine islamische Gesellschaftsordnung. Die Justiz ist genauso gespalten wie das gesamte Land: Nicht alle Juristen sind von Hosni Mubarak ernannte Verfassungsrichter. (DER STANDARD, 4.12.2012)

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6 Postings
Match?

Liebe Frau Harrer,
ich schätze ihre kompetenten Beiträge, aber der Titel "das Match ist offen" liest sich, als ob es sich um eine Meldung im Sportteil handelt - tatsächlich geht es doch wohl um mehr.

Alles für den Hugo!

Wofür ein arabischer Frühling, wenn man dann in einem arabischen Winter mit Sharia wieder aufwacht!

Da hätte Mubarack auch gleich bleiben können!

Und die,die am meisten für seinen Sturz getan haben werden jetzt von den Islamisten verraten!

Was solls!

Sind irgendwo Islamisten an der Macht, geht das Land unter Garantie den Bach runter!

wenn sie statt islamisten noch religiöse rechte saagen wären sie sogar politisch korrekt!

Und wie ist Israel verdammt worden als es genau das vorhergesagt hat.
Ägypten ist schon jetzt am Sand und es wir noch schlimmer werden.
Zuerst haben sie den nationalistischen Unsinn ausprobiert, jetzt wird der islamistische Unsinn durchgezogen und die Chance, dass man irgendwann doch noch draufkommt, dass es ohne Stabilität und Rechtsstaatlichkeit keine sinnvolle Ökonomie und keinen Wohlstand gibt dürfte gering bleiben.
Hauptsache man fühlt sich allen anderen überlegen, und sei es auch nur durch die Religion.

gerade ..

.. Israel sollte jetzt eigentlich lieber sehr, sehr ruhig sein.

Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass dieses Referendum gar viel Gutes bringen wird.

Schade irgendwie - aber das alles war ja wahrend des "Arabischen Fruehlings" schon eher leicht vorhersehbar.

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