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Mainz - Während Geschichte nur allzu oft an Herrschernamen und Datumsangaben großer (kriegerischer) Auseinandersetzungen aufgemacht wird, gewinnen Archäologen die interessantesten Einblicke oft aus der Rekonstruktion des Alltags einer historischen Epoche. Forscher am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) haben sich mit Kollegen von der Universität Reading römischen Handelsrouten gewidmet und dabei neue Einblicke in die antike Wirtschaft gewonnen.
Die Forscher sammelten und verknüpften Daten von mehr als 200.000 römischen Gefäßen mit Namensstempel, die aus über 3.500 Fundorten stammen. Mittels softwarebasierter Kartierung des europaweit verstreuten Fundmaterials rekonstruierten die Forscher die einstigen Handelswege. Dabei zeigte sich unter anderem, dass schon damals der günstigste Transportweg nicht immer der kürzeste war.
Um ihre Waren möglichst günstig zu transportieren, nahm die römische Wirtschaft weite Umwege in Kauf. So wurden etwa Amphoren aus Südspanien möglichst lange über das Meer und entlang der Flüsse transportiert, was zu Umwegen von bis zu tausend Kilometern führen konnte. Dennoch war der Versand über Wasser günstiger als der teure Landtransport - und Transport flussabwärts deutlich günstiger als in der umgekehrten Richtung. Auch das römische Porzellan, die sogenannte Terra Sigillata, gelangte beispielsweise von Mittelfrankreich über manchen Umweg nach England.
Auch konnten überlieferte Angaben zu Transportkosten, die vorwiegend aus den spätantiken Preislisten von Kaiser Diokletian stammen, mit dieser riesigen Materialsammlung erstmals ernsthaft überprüft und korrigiert werden. So stellte sich heraus, dass die Preise für Terra Sigillata im "Barbaricum" (also den Gebieten außerhalb der römischen Reichsgrenzen) enorm hoch gewesen sein mussten. Dies wird dadurch bestätigt, dass dort in der Regel nur Einzelstücke gefunden wurden.
Das RGZM hat seine Ergebnisse in einer Online-Datenbank gesammelt. Außerdem wurde für Besucher des Mainzer Museums für Antike Schiffahrt ein Informationskiosk eingerichtet, der Aufschluss über antike Transportkosten gibt und Vergleiche ermöglicht, welche Handelswege am günstigsten waren. (red, derStandard.at, 30.12.2012)
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Ein großer Unterschied zwischen Terra Sigillata und Amphoren: Die TS war ein Wert an sich. Die Amphoren waren primär Verpackung, so was wie die Europalletten ihrer Zeit. Ausschlaggebend für den Weg einer Amphore war also weniger die Amphore an sich, sondern deren Inhalt.
"So wurden etwa Amphoren aus Südspanien möglichst lange über das Meer und entlang der Flüsse transportiert, was zu Umwegen von bis zu tausend Kilometern führen konnte."
Anscheinend so dahingedingelt, von einem Nest zum nächsten:
Neue Amphoren, beste Ware. 1 Denar das Stück . Neue Amphoren. Wasserdicht. Ihre alten sind eh schon kaputt. Olivenöl 2 Denar.
"Waren wurden möglichst lange über das Meer und entlang der Flüsse transportiert, was zu Umwegen von bis zu tausend Kilometern führen konnte."
Tja. Wird wohl eher daran liegen, dass die Römer im Schiffbau technologisch sehr weit vorne waren und der 12-Tonner-LKW noch nicht erfunden war. So viele (echte) Pferde/Ochsen kann man gar nicht vorspannen, um die Nutzlast eines Schiffes zu ersetzen. Dazu gabs jede Menge Sklaven, die bei Flaute auch gut zu rudern hatten.
Fazit: Es war halt einfach praktischer auf dem Seeweg.
Von den Karthagern haben die Römer in erster Linie den Bau von Kriegsgaleeren übernommen bzw. diese kopiert, verfeinert mit einer Enterbrücke um ihre infanteristische Überlegenheit auch in Seegefechten nützen zu können.
Bei den Handelsschiffen dürfte es wohl zwischen den seefahrenden Völkern des Mittelmeerraums zu einem permanenten technologischen Austausch gekommen sein, ohne große Vorsprünge der einen oder anderen Seite. Wobei, Rom war ja mit der Zeit dann das einzige Mittelmeerreich, beeinflusst von Kultur und Technologie aller Vorgängerstaaten.
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