Die Suche der ÖVP nach ihrem Familienbild

Julia Herrnböck, Gudrun Springer
3. Dezember 2012, 18:27

Familienpolitik wird für die Schwarzen zur Zerreißprobe: Einerseits verschrecken sie Wähler mit fundamentalistischen Ansprüchen, andererseits wollen sie die Sehnsucht nach Tradition bedienen

Zwei Buben gehen nebeneinander, ihre Hände kommen einander sehr nahe. Zwei mit wenigen Strichen angedeutete Frauen liegen nackt in einer Badewanne. Das sind Abbildungen einer vorrangig für Volksschullehrer gedachten Aufklärungsbroschüre, die vergangene Woche bei der ÖVP für Aufregung sorgte.

Was einmal mehr die Frage aufwirft, welches Familienbild die Volkspartei vertritt, die sich "über Jahrzehnte als Familienpartei gesehen hat", wie Politologe Fritz Plasser sagt. Offenbar herrschen dazu auch parteiintern Meinungsverschiedenheiten, meint Plasser. So sieht das auch sein Kollege Peter Filzmaier: "Dahinter stand keine akkordierte Strategie, das war ein pawlowscher Reflex." Als rechts der Mitte stehende Partei musste die ÖVP gegen ein allzu modernes - sprich: linkes - Familienbild auftreten. " Doch mit christlich fundamentalistischen Positionen wird sie in den Städten nichts gewinnen", fasst Filzmaier ihr Dilemma zusammen.

Die christlich orientierte Kernwählerschaft würde der ÖVP vermutlich auch mit liberalerem Antlitz nicht abhandenkommen, meint Filzmaier - es sei denn, sie wandert zur christlichen Partei, die jedoch aufgrund ihrer Größe keine Gefahr darstellt. Noch mehr als andere Parteien steht die ÖVP vor der Aufgabe, den Spagat zwischen den Ansprüchen moderner Familienpolitik und ihren Widersprüchen zu schaffen. Denn obwohl die " klassische Kernfamilie", wie die ÖVP sie etwa durch die Aufklärungsbroschüre bedroht sieht, immer seltener wird, wünscht sich jede zweite junge Frau laut Jugendstudie ein Leben als Hausfrau bei den Kindern, solange der Mann genug verdient.

Die Schwarzen in Niederösterreich, wo im März 2013 Wahlen anstehen, wissen offenbar, dass sie das Thema Familie nicht ignorieren dürfen: Die zuständige Soziallandesrätin Barbara Schwarz (VP) hat eine Art Orientierungsprozess und mit der Niederösterreichischen Landesakademie, in der auch Filzmaier tätig ist, gestartet. Zentral für die " Denkwerkstatt Familie" ist die Seite www.familie-noe.at, die am Montag online ging.

Im Rahmen dieses Projekts will Schwarz eine Debatte mit Experten und Bürgern führen sowie mithilfe von Online-Fragebögen ein Jahr lang Anregungen, Probleme, Geschichten sammeln, "um mir ein Bild zu machen: Was ist die Stärke der Familie? Wie kann man Familien stützen? Wann ist Familienleben wichtig?", sagt Schwarz. Sie betont, dass es nicht mehr nur das klassische Vater-Mutter-Kind-Modell gibt, sondern eben auch Patchwork und Alleinerzieherinnen. Gleichgeschlechtlichen Eltern gegenüber sei aber "der gesetzliche Rahmen vorgegeben".

Für die Landesrätin ist Familie jedenfalls "der Platz, wo das Kind Alltag erlebt". Das könne auch bei Opa oder die Oma sein. Oft müssen in Niederösterreich die Großeltern auf die Kinder aufpassen, halten Grüne und SPÖ dagegen: Das Betreuungsangebot für Kinder ab 2,5 Jahren ist zwar inzwischen breit aufgestellt (und vormittags gratis), laut Arbeiterkammer hat nach 17 Uhr aber nur jede fünfte Einrichtung geöffnet.

Aufholbedarf bei Betreuung

"Beim Angebot für die unter 2,5-Jährigen haben wir Aufholbedarf", räumt Schwarz ein. AK-Zahlen belegen es: In neun Bezirken Niederösterreichs fehlt jegliche Kinderkrippe. Politikwissenschafter Plasser zufolge ist in ÖVP-regierten Ländern die Zahl der Kinderbetreuungseinrichtungen " immer noch geringer". Bei der jungen ÖVP sieht man das kritisch: Die JVP fordert eine Entlastung für junge Eltern, Bundesobmann Sebastian Kurz will sogar ein zweites verpflichtendes Kindergartenjahr durchsetzen.

Für den früheren ÖVP-Vizekanzler Erhard Busek steht vielmehr die Frage der persönlichen Verantwortung für Kinder im Zentrum, als der Ausbau des Betreuungsplätze oder der Trauschein für gleichgeschlechtliche Paare. " Mir kommt vor, Familien nach altem Muster haben keine Lobbyisten." Neue Modelle wie Patchwork würden erbschaftsrechtliche Fragen aufwerfen. "Wir befinden uns in einem Übergangsstadium. Gleichzeitig wird die Sehnsucht nach Tradition wieder stärker, es gibt ein nicht zu unterschätzendes Publikum für konservative Politik", sagt Busek.

Die Aufregung über die Broschüre nimmt Busek nicht ernst: "Das ist doch bei jeder Broschüre das Gleiche. Dabei findet Aufklärung ganz woanders statt. Zuhause, bei Freunden - oder gar nicht." (Julia Herrnböck, Gudrun Springer, DER STANDARD, 4.12.2012)

Keine weiteren Verbesserungen für homosexuelle Paare

Lesbische und schwule Paare dürften der bürgerlichen Ehe zwischen Mann und Frau keinesfalls gleichgestellt werden: Diese Position ist in der ÖVP derzeit unverrückbar - was sich zuletzt am 22. November manifestierte, als im Innenausschuss die Novelle des Personenstandsgesetzes diskutiert wurde.

Verbesserungen für Eingetragene Partnerschaften (EPs) nämlich, wie sie Homosexuelle seit Jahren fordern, kommen in dieser Gesetzesneufassung nicht vor. Bereits im Vorfeld habe es "klare Signale" gegeben, dass Dinge wie das verbriefte Recht, die EP im Standesamt zu schließen - und nicht, wie derzeit, bei der Bezirksverwaltungsbehörde - mit der ÖVP nicht zu machen seien, heißt es aus der SPÖ. Aus Koalitionsraison sei auf diese in der SPÖ seit langem konsensualen Maßnahmen von vorn herein verzichtet worden.

Fortpflanzung so "natürlich" wie möglich 

Die Empfehlung der Bioethik-Kommission, künstliche Befruchtung auch für gleichgeschlechtliche Paare und alleinstehende Frauen zuzulassen, stieß bei der ÖVP auf taube Ohren: "Ich bin dagegen", sagte etwa Familiensprecherin Ridi Steibl, die mit ihrer Position innerhalb der Partei nicht alleine dasteht. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) fordert weiterhin eine Reform des Fortpflanzungsgesetzes, die ÖVP sieht keinen Grund dafür. Der Oberste Gerichtshof erachtet das derzeit gültige Verbot als verfassungswidrig.

Nicht ganz einig scheint sich die ÖVP bei der Frage, ob lesbische oder schwule Paare ein Kind adoptieren dürfen: Erst im August verkündete der Kärntner Landesrat Wolfgang Waldner entgegen der Parteilinie, er habe grundsätzlich kein Problem mit dieser Vorstellung.

Väterkarenz ja, Papamonat vorerst nicht

Schon alleine bei den Zahlen haben das schwarze Familienministerium und das rote Frauenministerium verschiedene Ansichten: während die SPÖ aufgrund einer Monatsstatistik von rund fünf Prozent Vätern in Karenz ausgeht, sehen die Schwarzen laut ihrer Berechnung auf Jahresbasis etwa 17 Prozent der Papas zu Hause.

Die Unternehmen seien gefragt, familienfreundliche Bedingungen zu schaffen, heißt es aus dem Ministerium von Reinhold Mitterlehner (ÖVP). Gleichzeitig blockiert die schwarz dominierte Wirtschaftskammer den von der SPÖ gewünschten Papamonat für alle, den es derzeit nur für Beamte im öffentlichen Dienst gibt.

Gemeinsam mit den Ländern finanziert das Familienministerium den Ausbau der Kinderbetreuung, zugesagt sind 5000 neue Plätze pro Jahr. (bri, juh, DER STANDARD, 4.12.2012)

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ÖVP und Familien, irgendwie passt das nicht :)

Ist man ein "Fundamentalist",

wenn man eine Familie bestehend aus Vater, Mutter und Kind(ern) für zumindest wünschenswert hält.

Wenn ja, dann bin ich gerne Fundamentalist; und mit mir wohl 85% der Bevölkerung und wohl 100% der Kinder

"100% der Kinder"

>>Liebes Christkind,
Dieses Jahr wünsche ich mir eine RICHTIGE Familie. Ich hab meine Mamis echt voll lieb, aber es wäre trotzdem super, wenn du eine von ihnen gegen einen ECHTEN Papa eintauschen würdest. Am besten die Anni, weil die sagt mir immer, dass ich die HÜs machen soll.
Das wäre auch besser für meine Entwicklung. Der Onkel Herbert kommt zwar oft und wir spielen PlayStation, aber er wohnt nicht bei uns. Wenn ich einen ECHTEN Papa hätte, der so richtig bei uns wohnt, würde aus mir ein RICHTIGER Mann, sagt die Oma, und nicht so eine Schwuchtel.
Liebes Christkind, es wäre super, wenn du mir heuer eine TRADITIONELLE Familie schenken könntest. Um die Anni tut's mir leid, aber wenn ich erst einen Papa hab', ist sicher ALLES gut.
~Fritzi~

Haben die n icht eh ein Familienbild - die ehrenwerte Familie ...

... oder wie war das?

weils so schön war nochmals, die Sexfibel Neu...

biddeschön.
https://fbcdn-sphotos-c-a.akamaihd.net/hphotos-a... 3017_n.jpg

Die Bildersammlung der ÖVP wird immer umfangreicher.

Einmal suchens das Vorbild, dann wieder das Feindbild und jetzt das Familienbild. Das soll sich der Wähler noch auskennen.

Frage.

"Gleichgeschlechtlichen Eltern gegenüber sei aber "der gesetzliche Rahmen vorgegeben". "

Wieso eigentlich?
Diese Aussage ist doch auch nur ein weiteres Feigenblatt vor der eigentlichen Frage, die in Österreich ganz einfach zum wiederholten Male nicht diskutiert wird: Was geht es einen anderen an, wenn Mann und Mann oder Frau und Frau zusammen leben wollen?

JEDE/R soll in seiner selbst gewählten Partnerschaft glücklich werden. Ich habe langsam das Gefühl, daß auch die Kernwähler der ÖVP lange nicht so konservativ sind, daß sie wirklich gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen sind. Das glauben lediglich noch ein paar übrig gebliebene Relikte in der ÖVP. Und in anderen Parteien.

Trennt Euch von diesen ewig gestrigen! Fertig.

"They believe in 'peace, justice, morality, culture, sport, family life, and the obliteration of all other life forms'." (Douglas Adams)

eigentlich sollte einem das ziemlich egal sein

wofür die övp steht.

nur leider wird dieser verlogene haufen noch immer von über 20% gewählt.

Stünde dieser verlogene Haufen nicht der Wirtschaft und ihren Interessen so nahe, er müßte von einer Mehrheit gewählt werden.
Seltsamerweise wählten zumindest in der Vergangenheit genau die, die das Naheverhältnis zu den pöhsen Kapitalisten kritisierten links, also vor allem SPÖ. Und dort hat sich in den Jahren ab 68 eine Strömung breit gemacht, die irgendwie zwar per Gewerkschaftsflügel die Verbesserung des Lebensstandards im Auge hatte, andererseits aber den pöhsen Staat, der ja den pöhsen Kapitalismus schützte seiner Keimzelle berauben wollte. Und da wars halt gerne gesehen, wenn sich Menschen vereinzeln ließen. Und Grün war davon der linke Flügel..
Naja, somit ist die Abkehr von den früheren Großparteien unvermeidlich. Bleibt wer?

Der Bereich Familie ist soweit interessant als er verhilft das Wirtschaftswerkel am Laufen zu halten und die Leute mit sich selbst zu beschäftigen. Wirkliches Interesse an sinnvollen Lebensinhalten nehme ich der VP nicht ab.

Hab gestern eine Diskussionsrunde mit der ÖVP Nationalratsabgeorneten Tamandl gesehen, wo es um die Aufklärungsbroschüre ging. Es ist wirklich entsetzlich, wie von der ÖVP, die sich ja selbst "Partei der Mitte" nennt, nach wie vor ein Geselschafts- und Familienbild gepredigt wird, das dem der 50er Jahre entspricht und heutzutage höchstens noch bei irgendwelchen obskuren fundamentalistischen Katholensekten zu finden ist.

Wahlkampfthema

Jaa ja, dass sind die richtigen themen für einen wahlkampf, um abzulenken von Budget, Finanzkrise, Arbeitsplätze, Bildungsproblematik, EU, usw.....

Aber Herr und Freu Österreich machen sich über das Ideale Familienbild Gedanken, natürlich sehr wichtig.

Und ja ich hab den Artikel nicht ganz gelesen, fällt mir bei Politik immer schwieriger.

in der övp-ideologie geht es um zwei dinge

1. wie kann ich möglichst viel macht/geld bekommen
2. wie halte ich die anderen von macht/geld fern

und die övp-familie ist die unterste stufe, der größte versager hatte früher, im der övp ideal,
wenigstens noch frau und kinder, die von ihm abhängig waren

Warum sind mehrere Modelle nicht richtig?

2+2=4 richtig
2*2=4 richtig
1+3=4 richtig
5-1=4 richtig
2+3-1=4 richtig
3+2+4-1+2-3+4-8=3 ist auch richtig!

Ich habe DAS perfekte Familienmodell der ÖVP:(Der geschilderte Fall existiert tatsächlich)

Er, Bürgermeister, Bauernfunktionär.
Sie, Landesrätin
2 Kinder; Sie macht auf Powerfrau (mit x Kindermädchen, Putzfrauen etc.)

Nach außen werden christlich soziale Werte gelebt;
In Wirklichkeit hat(te) SIE eine Affäre mit dem LHStv.

Einfach verlogen
Einfach ÖVP

Im Burgenland ist alles möglich

Ja sag Du mir!

Im Burgenland gibt es echt Leute, die eine Affäre haben? Ja dürfens das überhaupt? Diese phöse ÖVP aber auch schon wieder!

Das Familienbild der ÖVP

In diesem Video der ÖVP sehr gut sichtbar

http://www.youtube.com/watch?v=k54IDz8gStI

was für ein

Dilemma!

Ich frage mich...

wenn die ÖVP im Jahr 2012 die Einstellungen aus dem Mittelalter hat, heißt das dann, dass sie erst im Jahr 2612 dort ist wo wir jetzt stehen? Das nenn ich einmal traurig.

ich rechne eher damit, dass die auch 2612 noch auf mittelalterlichem stand sind.

das mit dem Familienbild

is ja schön - schade nur dass ich es mir nicht ausgesucht hab schwul zu werden.

nicht, dass ich unzufrieden bin , aber lieber würd ich NICHT permanet diskriminiert werden ...

Horizontal

spritzt mir die Zähre aus dem Auge ob der argen Diskriminierung. Kinder machen geht halt nur mit xx und xy.

Wo werden Sie diskriminiert?

OK: Keine Adaptionsrechte (sehr wohl aber die Möglichkeit, Pflegekinder aufzunehmen (zumindest in Wien); aber sonst?

lg
Dimple

lieber dimple

ja wo werd ich diskriminiert? puuuh erstens mal : ich darf keine kinder adoptieren, reicht das nicht aus?

ich muss, wenn ich mit meinem zukünftigen mann auf der straße unterwegs bin, mich bzw uns zu oft erklären, wir sind bösen blicken ausgesetzt, werden öffentlich diffamiert (von der Politik, von den Medien, von der Öffentlichkeit) wir wurden von der polizei am flughafen schwechat auseinandergezerrt und konnten der anzeige wegen gefährdung der öffentlichen ordnung nur entgehen weil mein vater selbst bei der LVA ist (wir haben uns umarmt - hände jeweils an den schultern, wie man es unter freunden macht) und zwar für gefühlte 3 sekunden

das schlimmste aber ist die kirche, ich war mal gläubig und ich vermisse gott - aber ich darf ja ni

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