Kapitalflucht aus dem Süden geht zu Ende

3. Dezember 2012, 18:02
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Erstmals seit Anfang 2011 profitieren Spanien und Italien von Geldzuflüssen

Wien - Da in Südeuropa Sparer und Investoren das Vertrauen in ihre Banken und in den Staat verloren hatten, deutet bis vor kurzem alles auf einen raschen Zusammenbruch der Eurozone hin. Wer konnte, schaffte schließlich sein Geld aus dem Land. Allein zwischen Juni 2011 und Juni 2012 wurde über eine halbe Billion Euro aus Italien und Spanien abgezogen.

Umschwung in Italien

Nun sieht es so aus, als sei die Kapitalflucht aus Südeuropa vorerst zu Ende gegangen. Die deutsche Commerzbank veröffentlichte am Montag eine Analyse, wonach erstmals seit Anfang 2011 wieder mehr Geld in die Peripherieländer hinein- als hinausfließt. Noch sei es zu früh, von einem Ende der Staatsschuldenkrise sprechen zu können, allerdings habe sich die Situation deutlich entspannt, heißt es im Papier.

Die Kapitalrückflüsse nach Italien, Spanien, Griechenland und Portugal entsprachen zusammengerechnet sechs Prozent der Wirtschaftsleistung BIP der vier Länder. Am deutlichsten war der Umschwung in Italien (Zuflüsse von acht Prozent des BIP), auch Spanien profitierte aber spürbar vom gestiegenen Vertrauen. Aus Portugal ist im dritten Quartal zumindest kein Kapital abgeflossen, am "ungünstigsten" ist die Lage weiter in Griechenland, wo der Abzug von Geldern andauert.

EZB-Programm hilft

Als Auslöser für die Trendumkehr gilt die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB) diesen Sommer, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenländern kaufen zu wollen. Seitdem die EZB dieses Versprechen abgegeben hat, rechnen Investoren nicht mehr mit einem bevorstehenden Zusammenbruch des Währungsraumes. Wer das Geld nach Spanien und Italien zurückgeschafft hat, ob Sparer oder ausländische Investoren, lässt sich derzeit aber noch nicht abschätzen, sagt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen dem Standard.

Und er warnt auch, dass frühere Entspannungsperioden, wie etwa nach Bekanntgabe des ersten Hilfsprogrammes für Griechenland 2010, rasch wieder zu Ende gegangen sind. (szi, DER STANDARD, 4.12.2012)

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