Der Preis des Friedens in den Favelas von Rio

Sandra Weiss, 4. Dezember 2012, 05:30

Brasiliens Polizei hat einige Favelas erfolgreich befriedet, um das Image der Stadt vor der Fußball-WM und den Olympischen Spielen aufzubessern. Die Banden sind allerdings nicht verschwunden, viele treiben nun in anderen Städten ihr Unwesen.

Vagner hat jetzt eine Adresse: Rua Dr. Nelson 32, Chapéu Mangueira. Das nagelneue, gelbe Straßenschild auf der roten Ziegelsteinmauer ist nicht zu übersehen. Eine Adresse, das ist in Brasilien so viel wie eine Existenzberechtigung: Ohne sie kommt kein Lebenslauf aus, ohne sie gibt es keine Steuernummer, kein Bankkonto. Vagner Machado ist jetzt 38 und mächtig stolz auf seine neue Existenz.

In den engen Gassen seines Slums, oberhalb des weltberühmten Strandes von Copacabana, lieferten sich vor drei Jahren noch verfeindete Drogenbanden Feuergefechte, kassierten Schutzgelder und stellten ihre schweren Waffen zur Schau. "Wir waren Geiseln und Teil eines enormen illegalen Netzwerks", sagt er. Und dann geschah das Wunder.

Übermächtig

Vor vier Jahren nahmen Polizei und Militär die Favela ein. Ihre Übermacht war derart groß, dass die Kriminellen nach anfänglichem Widerstand rasch die Flucht ergriffen. "Die Sicherheitskräfte gingen nicht wie sonst immer, sondern sie blieben", erzählt Vagner. Jetzt herrscht Frieden in Chapéu Mangueira. Fast 100 Polizisten befinden sich seither rund um die Uhr auf Streife in dem Armenviertel.

Andere staatliche Institutionen folgten und eroberten nach und nach das Niemandsland zurück: Die Müllabfuhr kam, eine Kinderkrippe wurde eingerichtet, es gibt Sportkurse für Jugendliche, Nähkurse für Frauen, einen Gesundheitsposten. "Befriedete Favelas" heißt das Konzept, das sich Sicherheitsminister José Mariano Beltrame ausgedacht hat, um das Image der Stadt vor der Fußball-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016 aufzupolieren.

Jugendherberge Favela Inn

Dort, wo früher die Drogengangs herrschten, blüht nun ein anderes Unternehmertun. Vagner hat eine Jugendherberge aufgemacht, das Favela Inn, und auch viele Nachbarn wurden Kleinunternehmer: Überall wird gemauert, gesägt, gehämmert. Die Immobilienpreise in den "befriedeten Favelas" haben sich verzehnfacht.

Die Stadt lässt sich das einiges kosten. Allein die Gehälter belaufen sich pro besetzte Favela jährlich auf mindestens 60.000 Euro. Doch jetzt, vor den sportlichen Großereignissen, ist plötzlich Geld da; auch die Zentralregierung schießt kräftig zu.

90 Prozent der Einwohner sind zufrieden, ergab eine Umfrage. Fundamentalkritik gibt es selbst von linker Seite kaum. Bedenken schon. Von den rund 900 Favelas in Rio sind gerade einmal 30 befriedet, in den übrigen herrscht weiterhin die Mafia. Die meisten der befriedeten Favelas liegen in der reichen Südzone - ein gefundenes Fressen für Immobilienspekulanten.

Mit Drogen wird weiterhin gedealt - nur diskreter. Früher verboten die Mafiabosse den Verkauf der besonders verheerenden Droge Crack. Heute ist der Crack-Konsum unter Jugendlichen stark angestiegen.

Auf Rio beschränkt

Und - darin liegt für Kritiker das größte Manko - das Konzept ist bisher beschränkt auf Rio. Viele der vertriebenen Kriminellen sind ausgewichen auf das Umland; in Niterói, Petrópolis und Vitória steigt die Kriminalität. In anderen WM-Städten wie São Paulo, wo seit Jahresbeginn 88 Polizisten ermordet wurden, herrscht ein bitterer Krieg zwischen den Sicherheitskräften und der Mafia. Von Befriedung können die Bewohner der Armenviertel dort nur träumen.

Auch Vagner macht sich Sorgen, dass alles vielleicht nur ein schöner, aber zeitlich befristeter Traum ist und der Staat sich nach 2016 wieder aus seiner Verantwortung stiehlt. "Das wäre eine Tragödie", sagt er. " Aber wir werden das nicht zulassen." (Sandra Weiss aus Rio de Janeiro, DER STANDARD, 4.12.1012)

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unmengen an kosten und leben...dabei wäre es ganz einfach...

freigabe!! dabei nimmt man auch noch steuern ein.

Kommen sie nicht jedes mal mit dem Freigabe = Lösung-Stuss

Was glauben Sie machen die ehrenwerten Damen und Herren, wenn die eine Einnahmequelle versiegt?
Die hören einfach auf kriminell zu sein und beginnen ein "normales" Leben, oder suchen sich eine andere Betätigung?

was haben denn all die Alkoholschmuggler in den usa gemacht?

was heißt hier jedes mal?
gerade jemand mit einem derartigen nick sollte vlt. etwas offener gegenüber anderer meinungen sein und nicht gleich von dingen schreiben die einer blickiererhaltung entsprechen...

das geht nicht jenes geht nicht. alles dinge die wir in österreich ständig lesen, schreiben, sprechen oder hören. kurrios ist es dann immer, wenn andere länder entsprechendes längst tun.

und ja, ich glaube sehr wohl, dass diese menschen ein anderes leben beginnen.

oder was haben denn all die Alkoholschmuggler in den usa gemacht?

stimmt, das war ja etwas gaaaaaaaaaanz anderes.

überall wo einfache produkte mit hohem gewinn verscherbelt werden können und der staat ein illegales monopol fördert sammelt sich der bodensatz an...

Wenigstens..

.. hat sich Max um den Organhandel bereits gekümmert.

hm ich bin mir nicht sicher ob ich an meiner hausecke lieber bis an die zähne bewaffnete soldaten und panzer haben möchte oder einen drogendealer...

Die Kriminellen wanderten nur aus

Was schon vor der Massnahme in Rio jeder vernünftige Mensch hierzulande voraussagte, ist eingetreten: Die Gauner haben nur ihren Standort gewechselt. Ein Beispiel: Sao Paulo erlebt seit Monaten die schlimmste Gewaltwelle seit Jahren. Inzwischen ist man in SP bei 95 getöteten Polizisten angelangt.

Rio ist das Schaufenster des Landes und muss deshalb glänzen, soweit möglich. Was anderenorts passiert, interessiert die Welt nicht.

São Paulo hätte locker das Geld das sowohl militärisch wie auch sozial zu lösen. Bei der vergangenen neoliberalen Stadtregierung war das halt ein sekundäres Problem. Da war es wichtiger die Maconharauchenden Studenten, die für bessere Studienbedingungen protestierten, mit dem Equivalent der BOPE nieder zu prügeln.
Schau'n wir mal, ob das mit dem Haddad jetzt besser wird. Martha (die letzte rote Bürgermeisterin) hat sehr viel für die arme Bevölkerungsschicht unternommen, da sind reale Verbesserungen geschehen.

jetzt hab ich doch tatsächlich Bankenwesen gelesen..

Dann sollten Sie lesen lernen, oder sich in Behandlung begeben, wenn es schon so schlimm ist!

wenn

die meisten was hier posten nur die geringste ahnung hätten ??
was da für ein schwachsinn geschrieben wird !!
lg ein bewohner von rio

Dann raus mit der Sprache!

bitte erzählen sie uns aus erster hand wie es wirklich abläuft.

Bitte

erklären Sie sich näher.

Armut kann man nicht mit Waffen, sondern nur mit Geld bekämpfen!

Aber die Superreichen brauchen diesen Pool an Sklaven dort unten - erschießen würde deren wirtschaftlichen Interessen schaden!

;-)

Wir bauen keine Schulen mehr,

wir verbieten einfach Dummheit und Unwissenheit.

Die Sorge, dass die Armee nach der Fußball-WM wieder abzieht, dürfte berechtigt sein. Dann gibt es ein Machtvakuum, die Kämpfe um die Vorherrschaft werden noch blutiger sein als zuvor.

Arme Schweine sind das, die Bewohner der Favelas. Bittere Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, müssen in Blechhütten hausen, und rund um sie herum schlagen sich die Mafiaclans die Köpfe ein um das Vorrecht, wer der Bevölkerung noch das letzte Hemd abpressen darf.

Gut für Brasilien

Nur wer bezahlt das auf Dauer?

Ist die Mafia weg

blüht die Wirtschaft auf. Gewalt und Drogen hat schliesslich nicht nur keine, sonder eine negative Produktivität.

Wieso auf Dauer. Das Militär muß sowieso bezahlt werden, ob die sich jetzt in der Kaserne langweilen oder für Ordnung sorgen. Im übrigen, wenn sich die Lebensverhältnisse erst verbessert haben, hat es die Mafia enorm schwer dort wieder Fuß zu fassen. So manch ein Favelabewohner kooperiert nämlich nicht nur aus Angst mit der Mafia sondern weil diese auch Arbeit und Brot gibt. Die dortige Mafia ist ja nicht nur ein krimineller Verein sondern übernimmt auch quasi staatliche Aufgaben in Gebieten aus denen sich der Staat aus Mangell an Interesse zurückgezogen hat. Man kann nur hoffen, dass die reiche Oberschicht so langsam mal merkt, dass alle was davon haben wenn es auch den Armen besser geht. Nicht nur zur Fußball-WM.

OMG!!!Da wird doch nicht Brasilien gegen seine Ureinwohner vorgehen, die einfach keine Arbeit haben und für ihre Freiheit kämpften??

Wo ist die UNO? Ein eigener Staat müsste längst her! Wann wird endich Weltfrieden ;) herrschen in Brasilien?

Nur wegen der WM wird ein ganzes "Volk" umgesiedelt und vertrieben, aua aua aua....

mindestens 30 Dörfer sind schon von den Brasilianischen Mördern Besetzt, die auf alles Schießen, was sich bewegt und kein Schutzgeld zahlt!

/sarkasm off

Die Staatengemeinschaft wird nicht länger zusehen, wie der internationale Drogen und Waffenhandel von USA/EU dominiert wird, und will sich die größten Stücke vom Kuchen für seine korrupten Mitgliedsstaaten selber einverleiben.

Deswegen gegen Israel, und Brasilien ist wurscht.

Verlogene UNO, Verkommenes Völkerrecht.

Als mit einer Brasilianerin Verheirateter darf ich Ihnen sagen, sie haben keine, aber wirklich keine Ahnung. Das viele Rot haben Sie sich redlich verdient.

Dazu muss man doch nicht mit einer Brasilianerin Verheiratet sein ums so etwas sagen zu können.

Ich bin mit keiner Brasilianerin verheiratet, kann aber lesen und schreiben und mir ist deshalb klar, dass der Typ wirklich absolut keine Ahnung hat.

Das wars wert ;)

Viel Glück und alles Gute nach Brasilien. Die Völker die bei euch im Urwald verheizt werden, sind die einzig schützenswerten Völker dieser Erde.

Die Restlichen können sich selber helfen, wenn sie wollen. (auch die Palästinenser)

Das Posting oben war schwer ironisch gemeint.
Überall auf der Welt werden Verbrecher gejagt, nur Israel versucht man das anzukreiden.

Wenn sie mir etwas entgegenzusetzten haben dürfen sie das gerne tun, ohne erschossen und durch die Straßen geschliffen zu werden, wie in Gaza.

Also?

Erbärmliche...

Polemik

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