"Europe vs. Facebook" will vor Gericht ziehen

Birgit Riegler, 4. Dezember 2012, 08:59
  • Die Wiener Studentengruppe "Europe vs. Facebook" rechnet mit einem Gerichtsverfahren gegen Facebook.
    foto: standard

    Die Wiener Studentengruppe "Europe vs. Facebook" rechnet mit einem Gerichtsverfahren gegen Facebook.

  • "Europe vs. Facebook"-Sprecher Max Schrems
    foto: dapd

    "Europe vs. Facebook"-Sprecher Max Schrems

Irische Behörde konnte Datenschutz-Konflikt bisher nicht lösen - Spendenplattform für Gerichtsverfahren gestartet

Die österreichische Studentengruppe "Europe vs. Facebook" will wegen des Vorwurfs von mangelndem Datenschutz beim sozialen Netzwerk Facebook vor Gericht ziehen, wie die Gruppe am Dienstag mitteilte. Nach der Veröffentlichung des Berichts der irischen Datenschutzbehörde im Beschwerdeverfahren gegen das soziale Netzwerk hat die Studentengruppe rund um Max Schrems nun einen Gegenbericht geliefert. Darin wird kritisiert, dass die irische Behörde in vielen Punkten nur halbe Lösungen biete.

Erfolge wie deaktivierte Gesichtserkennung

Das Untersuchungsverfahren der Behörde habe durchaus einige Erfolge gebracht. So muss Facebook etwa mehr Daten der Nutzer herausgeben, die Gesichtserkennung wurde deaktiviert und Löschungsfristen wurden verkürzt. Auch die Datenschutzrichtlinie wurde geändert. Das sei definitiv ein Schritt in die richtige Richtung. Im Detail sei jedoch schlampig und ungenau gearbeitet worden.

Abweichung von EU-Recht

In vielen Punkten weiche die irische Behörde vom EU-Recht ab, kritisiert die Initiative. "Wir haben uns strikt an die Rechtsansichten des gemeinsamen Gremiums der europäischen Datenschutzbehörden gehalten. Was die Iren behaupten ist oft meilenweit vom Rest der EU entfernt", so Schrems. Die Behörde verfüge nicht über die Ressourcen und sei von den Anwälten des sozialen Netzwerks praktisch überrannt worden. EU-Bürger hätten jedoch ein Grundrecht auf Datenschutz "und bei Grundrechten hört sich unter Verständnis für halbe Lösungen auf."

Halbherzige Umsetzung

Viele Lösungen seien nur halbherzig umgesetzt worden. 40.000 Nutzer hätten beispielsweise von ihrem Recht auf Auskunft Gebraucht gemacht, bislang jedoch keine Daten erhalten. Bei der Gesichtserkennung sei unklar, wieso sie nur für EU/EWR-Bürger deaktiviert sei, zumal die irische Behörde für alle Facebook-User außerhalb der USA und Kanada zuständig sei. Auch sei nicht klar, wie das "Gesichtserkennungsverbot" technisch umgesetzt sei.

Auf Angaben von Facebook verlassen

Die Initiative wirft den Sachverständigen vor, sich teilweise nur auf die Angaben von Facebook zu verlassen. So habe ein Sachverständiger in Bezug auf die Datensicherheit behauptet, dass es wohl keine Datenlecks gebe, da er in den Medien noch nichts davon gehört habe. Für Schrems sei das vergleichbar mit einem Bautechniker, der sagt, dass eine Brücke sicher sei, solange er in der Zeitung nicht von einem Einsturz gelesen habe. Die Gruppe äußerte auch Zweifel an der Seriösität der Sachverständigenfirma FTR Solutions.

Studenten rechnen mit Gerichtsverfahren

Bislang sei den Studenten auch noch immer die Akteneinsicht verwehrt worden. "Europe vs. Facebook" werde die Behörde nun nochmal auffordern alle notwendigen Unterlagen herauszugeben. Danach werde eine formelle Entscheidung aller Anzeigen verlangt. Man hoffe zwar auf eine günstige Entscheidung, rechne aber damit, dass die Behörde in vielen Punkten nicht im Sinne der Nutzer entscheiden werde. Nach irischem Recht bestehe dann eine Frist von 21 Tagen, um Berufung einzulegen.

Entscheidung vor EuGH hätte "Signalwirkung"

Schrems: "Wenn wir die Sache vor die Gerichte bekommen, dann würde das mit großen Chancen sogar bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH) gehen. Eine Entscheidung dort hätte Signalwirkung für die gesamte Online-Industrie, ähnlich wie die Microsoft-Entscheidungen im Kartellrecht. Für Facebook alleine würde sich ein solches Verfahren eher nicht auszahlen."

Hohe Kosten

Das Kostenrisiko bei einem Gerichtsverfahren gegen die Datenschutzbehörde liege allerdings bei 100.000 bis 300.000 Euro, eine Prozesskostenbegrenzen oder Prozesskostenhilfe gebe es in Irland nicht. Um ein Verfahren finanzieren zu können wurde eine Crowd-Funding-Plattform eingerichtet. Sollte zu wenig Geld gesammelt werden und es zu keinem Verfahren kommen, bzw. Geld übrig bleiben, könnten die Spender ihr Geld zurückbekommen.

Zumindest 5.000 Unterstützter erhofft

Die Spendenaktion soll möglichst transparent verlaufen, die Initiative wolle selbst daran nicht verdienen. Bisher hätten die Leute durchschnittlich 20 Euro beigesteuert. Bei 5.000 Unterstützen könnten die wichtigsten Punkte vor Gericht gebracht werden. "Aus allen Kanonen" könne man bei 15.000 Unterstützern schießen. "Wenn es nicht funktioniert, dann haben wir zumindest alles versucht." (Birgit Riegler, derStandard.at, 4.12.2012)

Update 14:00

Ursprünglich wurde behauptet, dass die Studenten direkt gegen das Unternehmen Facebook vor Gericht ziehen wollen. Korrekt ist, dass sich die Gruppe auf ein Verfahren gegen die irische Datenschutzbehörde vorbereitet. Diesem Verfahren könnte sich Facebook anschließen und wäre somit der "faktische Gegner", heißt es seitens der Initiative in einer Klarstellung.

Update 14:30

Die deutsche Datenschutzbehörde, das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), hat auf den Bericht der Studenten reagiert. "Die eingehende Analyse kommt unter Auswertung der verfügbaren objektiven Fakten zu dem Ergebnis, dass Facebook insofern weiterhin gegen europäisches und selbst gegen irisches Recht verstößt. An vielen Beispielen wird nachvollzogen, wie auf der durch Facebook bereitgestellten Plattform in unzulässiger Weise Verhaltensdaten der Nutzerinnen und Nutzer ausgewertet und kommerziell verwendet werden. Das ULD teilt die in der Antwort geäußerte Kritik an den unzureichenden Einwilligungen und der mangelhaften Transparenz in Bezug auf die Datenverarbeitung in den Hintergrundsystemen bei Facebook", heißt es in einer Aussendung.

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coole Jungs/Mädls

sollte mehr von ihnen geben. was auch immer ihre Gründe sind, FBI (fb international) hält sich vorsätzlich nicht an die Gesetze und das sollte nun Konsequenzen haben.

fb ist einfach ein sinnloser zeiträuber..

Wer auf Facebook nicht sein will soll es nicht ....

Immer diese selbst ernannten Kämpfer für "Recht und Ordnung"

Wenn den Studenten fad ist sollens was sinnvolles machen. Aber da geht es vermutlich nicht um die Sache selbst sondern nur um das profilieren. Denn sind die dann bekannt habens später super Chancen auf einen guten Job.

Wem Facebook nicht passt (aus welchen Gründen auch immer) soll nicht teilnehmen.

Für alle die es noch nicht verstanden haben:

Das ist kein staatlicher Zwang (bei dem solche Dinge ev. sinnvoll wären) sondern reines Privatvergnügen bei einen rein privaten Unternehmen!

Sie haben offenbar was verpasst. Facebook sammelt auch Daten über Nichtmitglieder. Wenn Sie als Nichteuropäer ein Foto hochladen, werden Sie aufgefordert, die Namen der darauf zu sehenden Personen anzugeben. In einem Posting weiter unten habe ich beschrieben, warum ein Freund von mir davor derart Angst hat, dass er vor ein Paar Jahren erwogen hat, Mitglied zu werden, weil man das nur so unterbinden kann. Er hat es nicht getan, googelt sich aber seitdem regelmäßig selber, um rechtzeitig eingreifen zu können, wenn dabei Facebook-Fotos von ihm mit Bart und in Frauenkleidern auftauchen. (Er hat viele Kollegen außerhalb Europas.) Seine Freunde/Kollegen können das richtig einordnen, Personalchefs nicht - und die werden kein Risiko eingehen.

Ich widerspreche den AGB auf Standard.at

Scherz :)

"gefällt mir" und

Ich widerspreche den AGB auf Standard.at :))

"Europe vs. Facebook"

Allein der Name der Plattform ist arrogant ende nie.

Mag sein dass Facebooks gegen EU Datenschutzrecht verstösst, und ja, das muss abgedreht werden.

Aber diese Gruppe geht darüber hinaus...hier wird fast schon fanatisch ein juristischer Kreuzzug geführt, angeleitet von einer Riege selbstherrlicher ewiggestriger, technologiefeindlicher Juststudenten, Vertreter des wohl sinnlosesten Studienzweigs den man sich überhaupt vorstellen kann.

Ich bin Europäischer Bürger, und ich unterstütze Facebook. Den Namen dieser Gruppe empfinde ich als Beleidigung.

Vielleicht sollte man mal prüfen ob sich eine Klage gegen diese Kasperl lohnt...wäre lustig sie die eigene Medizin fressen zu lassen.

Technologiefeindlich?

Diese Leute sind selbst auf FB, nur haben sie feststellen müssen, dass FB sich nicht an Gesetze hält. Unverschämt wie sie sind wollen sie das nun durchsetzen! Unglaublich, oder?

Wie kann es bitte sein, dass ich auch Konzerne an geltendes Recht halten müssen? Das ist nichts anderes als Staatsterrorismus gegen die Wirtschaft. Ich verlange, dass Billa gesundheitsschädliche Lebensmittel verkaufen darf und deren Filialen nicht der Bauordnung entsprechen müssen. Es zwingt mich ja niemand, dort einzukaufen, und wenn ich es doch tue, dann auf eigenes Risiko.

... so zumindest die Logik des Mister Magister. Nächstes mal schalte bitte die 2g Hirn ein, bevor du sowas postest.

Wenn sie sich auf das beschränken würden hätte ich nichts dagegen.

Problem an der Sache ist, dass diese Gruppe über die rein rechtliche Tätigkeit hinaus aktiv Stimmung gegen FB macht.

Und spar dir die Beleidigungen, die unterstreichen nur wie arm du bist.

Wo machen sie denn "aktiv" Stimmung gegen FB? Sagen sie, man solle sein Konto löschen, zu G+ abwandern, etc? Nein. Lies dir doch bitte zumindest die Ziele auf deren Seite durch.

Was du als "Stimmung gegen FB machen" bezeichnest ist normale PR, und die ist ja wohl notwendig um auf die Sache aufmerksam zu machen.

Tatsache ist, dass selbst du als unmündiger FB-Nutzer von deren Aktionen profitierst, also verstehe ich diese lächerliche und unbegründete Kritik nicht.

Zunächst mal: Woher weisst du das ich unmündig bin? Hast du die fb Nutzungsbedingungen gelesen? Ich schon. Also wer von uns kennt seine Rechte?

Nebenbei...dein Argument hinkt nicht nur, sein Bein wurde gestern amputiert.
PR ist also notwendig in einem Rechtsstreit? Seit wann? Ich dachte hierzulande sind Gerichte angehalten sich nicht von Medien oder der öffentlichen Meinung anleiten zu lassen (Ein Fakt den dir jeder Erstsemester auf der Jus sagen könnte).
Also, wozu braucht man die PR? Erklärs mir.

Wenn jemand gegen geltendes Recht verstösst, kann man ihn vor Gericht bringen.
Was hier gemacht wird, ist nichts als eine grundlose Verteufelung, Stimmungsmache der untersten Schublade.

Wenn du das nicht erkennst, tust du mir ernsthaft leid.

geben sie sich doch nicht so naiv.

wenn man als einzelperson gegen große firmen vorgeht, hat man ohne die unterstützung der medien keine chance. dazu gibt es genug beispiele (z.B. McLibel)

Fragt sich wer von uns der Naive ist.

Zivilrechtlich hast du natürlich recht...hier hast du gegen ein Unternehmen im Regelfall keine Chance.

Hier aber liegt der Fall anders...wenn fb gegen geltendes Recht verstösst, sich also Strafbar macht, bist du nicht allein...in diesem Fall MUSS die Staatsgewalt nach der Anzeige aktiv werden, und die ganze Sache wird von "Person vs. Konzern" zu "Staat gegen Firma".

Und seit wann braucht der Staat die Unterstützung drittklassiger Hetzinitiativen um zu seinem Recht zu kommen?

Informier dich wenigstens ein kleines bisschen darüber wie das Gesetz funktioniert bevor du Kommentare zu rechtlichen Themen abgibst, ok?

ich checks ned... warum sind die überhaupt bei facebook?

statt zu klagen könnten sie sich ja auch einfach abmelden ? mich nervts ja schon dass diese technologie-feinde die gesichts-erkennung verhindert haben!!!

irgendwie versteh ich das ganze nicht.

ich mein, da stellt der typ, mit sicherheit genau so wie hunderte millionen von anderen leuten, freiwillig die privatesten/intimsten daten und fotos einer firma gratis zur verfügung und dann regt er sich (und für einige andere) darüber auf, dass der datenschutz nicht eingehalten wird ??

wenn die daten mal den heimischen rechner verlassen, dann hat man keine kontrolle mehr darüber, was mit den daten passiert.

und dass die geheimdienste zugriff auf die daten haben, ist wohl selbstverständlich.
würde mich im übrigen nicht wundern, wenn fbi oder cia oder sonst wer beim aufbau von fb tatkräftig mitgeholfen haben.

Facebook sammelt enorme Mengen von Daten über Nichtmitglieder. Ich war vorübergehend Mitglied. Bei der Anmeldung hat mich Facebook schockiert, indem es mir allein auf Grund meines Namens und meiner Emailadresse Hunderte von tatsächlichen Bekannten weltweit vorgeschlagen als "Friend" vorgeschlagen hat.

Grund: Mehrere Leute hatten bei der Anmeldung ihre Emailpasswörter preisgegeben (was ich natürlich nicht gemacht habe), so dass Facebook ihre kompletten Adressverzeichnisse speichern konnte. Was sie offenbar auch getan haben. Dazu kommt (außerhalb Europas) das Taggen der Gesichter von Nichtmitgliedern in Fotos.

"die privatesten/intimsten daten"

Sie glauben wohl, dass man auf Facebook nur peinliche (Nackt)bilder findet oder?

Ich nehme an...

...wenn Sie in Wien ins Restaurant gehen, gehen Sie davon aus, dass das Lokal die österreichischen Hygienevorschriften einhält; beim BILLA, dass keine verdorbenen Waren verkauft werden; beim Reisebüro, dass es sich an das österr. Konsumentenschutzgesetz hält; beim Rechtsanwalt, dass er tatsächlich einen Jus-Abschluss und eine heimische Zulassung hat. Wieso also ausgerechnet bei Facebook NICHT, dass sich die US-Firma BEI IHREN GESCHÄFTEN IN EUROPA verd***t nochmal an europäisches Recht zu halten hat? Seltsame Logik...

wissen sie eigentlich, dass facebook daten von personen speichert und kommerziell verwertet, die nicht mal mitglied bei facebook sind? die also gar nicht davon wissen, dass ihre daten gegen ihren willen verwendet werden.

das ist illegal und muss gestoppt werden.

na, dann erklär ichs ihnen.

es is ein bissl so, wie wenn sie u-bahn fahren und ihnen wird werbung um die ohren gedröhnt. weil das aber aus irgendwelchen gründen nicht erlaubt ist in europa, ärgern sie sich.

jetzt wollen sie aber halt nicht aufhören, u-bahn zu fahren, sondern schlicht, dass die verbotene werbung aufhört.

ois kloa?

Nicht ganz.

Wenn ich UBahn fahre, dann zahle ich die entsprechende Gebühr und den rest zahle ich über Steuern.

Bei FB zahle ich nichts (ok, ich seh mir die Werbung an) und will die Spielregeln mitgestalten. Das paßt nicht so ganz zusammen. Niemand muß bei FB dabei sein.

"
Bei FB zahle ich nichts (ok, ich seh mir die Werbung an) und will die Spielregeln mitgestalten. Das paßt nicht so ganz zusammen. Niemand muß bei FB dabei sein."

U-Bahn fahren musst auch nicht, und die U-Bahn sollte sich auch blos an die oest. Gesetze halten.

Mehr wird auch von FB nicht verlangt, ausser das es halt EU-Gesetze sind und nicht die oest.

Wichtigtuerei v. Schrems ist das - mehr nicht!

mag sein, aber es ist gut, dass er facebook auf die zehen tritt.

"irgendwie versteh ich das ganze nicht."

Damit haben Sie jedenfalls recht.

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