Nie mehr von Beruf Sohn

3. Dezember 2012, 16:10
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Vor einem Monat stürzte Sergej Bubka jr. aus einem Pariser Fenster. Beschenkt mit einem neuem Leben, will er nun endlich aus dem langen Schatten des Vaters treten

Paris/Wien - Die Stabhochsprung-Legende aus der Ukraine ist stets hoch geflogen, der Sohn musste tief fallen, um eigene Schlagzeilen zu schreiben. Sergej Bubka junior stürzte vor einem Monat aus dem dritten Stock einer Pariser Wohnung, zog sich multiple Knochenbrüche zu und wurde neun Stunden in einem Spital operiert. Bubka hatte sein persönliches Wunder erlebt und überlebt, kam offenbar nur mit einem gebrochenen rechten Arm und Bein sowie einem Hüftschaden davon. Und kämpft sich bereits zurück. Sechs Stunden am Tag soll er schon an seinem Comeback arbeiten.

"Ich hatte großes Glück, dass meine Freunde mich gefunden und in ein gutes Krankenhaus gebracht haben. Es ist großes Glück, am Leben zu sein", sagt der 25-Jährige. Es war der Tiefpunkt des Tennisprofis, der in seiner Karriere bisher vor allem von Beruf Sohn war. Vorgestellt hatte sich Bubka junior das freilich anders. Mit 18 hatte er bereits einen Aufschlag, für den ein Waffenschein notwendig ist. Doch der Ehrgeiz, der ist bekanntlich nicht vererbbar. Darum ging der Sohnemann auch nicht in die Leichtathletik. 

Im Off

"Mein Vater hat die Latte ziemlich hoch gelegt", sagte Bubka jr. in einem der zahlreichen Interviews, die er führen musste, weil Sergej senior olympisches Gold in Seoul gewonnen hat, sechsmal in Serie Weltmeister war und 35 Weltrekorde aufgestellt hat. Seine 6,14 Meter sind eine Marke für die Ewigkeit.

Also grundelte der Junior mehrere Jahre auf der Challenger-Tour herum, irgendwo zwischen Bulgarien, Finnland und Kasachstan. Mit der Unterstützung seines Vaters konnte er sich dieses Minusgeschäft erlauben. Bubka jr. hat alle Anlagen für einen Top-Tennisspieler, Defizite wurden ihm in der Vergangenheit vor allem im konditionellen Bereich nachgesagt. Hoffnung gab aber das letzte Jahr, als er immerhin in die zweite Runde der US-Open einziehen konnte und den Franzosen Jo-Wielfried Tsonga ärgern durfte. Allein, für mehr als zu Platz Nr. 145 in der ATP-Weltrangliste reichte es in seiner Karriere bisher nicht.

Trösten kann sich Bubka jr. womöglich in den Armen seiner Freundin Wiktoria Asarenka, die ist immerhin die Nummer eins der Damen-Weltrangliste. Eine Partnerin fürs Schlagtraining ist also auch in nächster Nähe. Bubka bleibt damit auch in seiner Beziehung nur ein Platz im Schatten. (vet, sid, 3.12.2012)

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    Sergej Bubka jr. machte letztes Jahr 77 Prozent der Punkte, wenn sein erster Aufschlag im Feld landete. Beim Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic waren es im selben Zeitraum 74 Prozent.

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    An seiner Seite: Wiktoria Asarenka.

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