Jahresrundschau: Heaven and Hell's Bells

Ansichtssache | Josefson, 15. Dezember 2012, 10:13
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coverfotos: heyne

Wiederveröffentlichungen

Und für alle diejenigen, die beim Buchschenken auf Nummer sicher gehen wollen und deshalb am liebsten zu einem Klassiker greifen, sei hier noch auf ein paar Reissues dieses Jahres hingewiesen. Im deutschsprachigen Raum ist's um Wiederveröffentlichungen ja nicht ganz so üppig bestellt wie in der Anglosphäre, aber ein paar bemerkenswerte Titel gibt's doch immer wieder. Hier drei besonders renommierte Exemplare herausgegriffen und in der Reihenfolge des Anspruchsgrades präsentiert.

Drei zeitlose Tipps

John Wyndhams "Die Triffids" ist das klassische Beispiel einer Verschmelzung von SF- und Horrorelementen schlechthin und als solches sogar als Urahn des heutigen Zombie-Booms zu betrachten. Auch wenn hier nicht Untote die Welt überrannt haben, sondern Pflanzen - buchstäblich, denn die künstlich gezüchteten Triffids können gehen. Und sie haben Menschen zum Fressen gern. Weil Technik hier keine Rolle spielt, merkt man dem Roman seine 60 Jahre kaum an: Wyndhams nüchternes Endzeit-Szenario verweist so manches Zombie-Spektakel unserer Tage immer noch locker auf die Plätze.

"Die Foundation-Trilogie" von Isaac Asimov ist sich zeitlich leider nie für eine ausführliche Rezension ausgegangen. Blöd eigentlich, so im Nachhinein betrachtet. Mit 880 Seiten ist das Monumentalwerk auch nicht länger als der erste Band einer durchschnittlichen Fantasy-Trilogie irgendeines hoffungsvollen Jungautors von heute. Zeichen der Zeit ... 1951 bis '53, als die drei Romane "Foundation", "Foundation and Empire" und "Second Foundation" ursprünglich erschienen, durfte es eben noch etwas kürzer sein.

Asimov gilt neben Robert A. Heinlein als einer der Urväter der Future History, also einer fortlaufenden Geschichtsschreibung, die sich über mehrere Erzählungen hinweg erstreckt. Asimov hat dabei besonders langwellig gedacht: Hier versinken ganze galaktische Imperien im Staub, aus dem sich schließlich wieder neue erheben. Vor Asimov dachte nur Olaf Stapledon in noch größeren Zeiteinheiten. Natürlich ist auch in der realen Welt reichlich Zeit seit der Erstveröffentlichung vergangen, und etwas grau um die Schläfen ist die "Foundation-Trilogie" inzwischen schon geworden. Speziell was die Technik-Visionen anbelangt. Als Betrachtung der menschlichen Geschichte und deren Steuerbarkeit ist sie aber immer noch beeindruckend. Außerdem ist die Trilogie längst selbst Teil der Geschichte. Größen wie Stephen Baxter oder Alastair Reynolds haben auf dem aufgebaut, was Asimov begründete. Wie es im Englischen so schön heißt: Standing on the shoulders of giants.

Und dann wäre da noch "Die Differenzmaschine" des Star-Duos William Gibson & Bruce Sterling. Der 1990 veröffentlichte Roman gilt als Pionierwerk des Steampunk, auch wenn er auf dieses Genre in seiner heutigen Form offensichtlich so gut wie gar keinen stilistischen Einfluss ausgeübt hat. "Die Differenzmaschine" ist nämlich keine Abenteuergeschichte zwischen Reifröcken und dampfbetriebenen Wundermaschinen, sondern ein raffiniertes Puzzle, das die Informationsrevolution des 20. Jahrhunderts ins viktorianische Zeitalter vorverlegt. Von seiner Komplexität her steht der Roman dem zuvor schon empfohlenen "Cyberabad" in nichts nach ... ironischerweise steuern beide Werke auch auf dasselbe Ziel zu.

2013 kommt, wir glauben fest daran

Aber auch bei deutschsprachiger Science Fiction hat sich mittlerweile ein ansehnlicher Back-Katalog angesammelt. So sind beispielsweise zwei Werke von Andreas Eschbach ("Die Haarteppichknüpfer" und "Kelwitts Stern") neu aufgelegt worden. Auf die werde ich dann im Jänner noch genauer eingehen. Außerdem wird dann die Frage geklärt werden, ob die Zukunft wirklich japanisch ist - oder nicht doch eher polnisch. Bis dahin frohen Weltuntergang und keine Angst vor Weihnachten! Oder so. (Josefson, derStandard.at, 15. 12. 2012)

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Lange halte ich es aber jetzt nicht mehr aus.

Zwei Tage ist noch Zeit...

Enormity fand ich auch fantastisch :) hat Riesenspaß gemacht (höhö).
Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes fand ich allerdings eher schwach (nach dieser euphorischen Rezension). Die Aliensprachen-Geschichte war wohl das Highlight.

Wir brauchen

dringend eine neue Rundschau!

J. Josefson
010

... und damit kommen wir zur schlechten Nachricht: Geplant war, die Rundschau bis zu meinem Februarurlaub online zu stellen. Leider kam mir dann die Grippe dazwischen und in den letzten zwei Wochen ging nichts mehr.

Die nächste Ausgabe wird es daher leider erst nach meiner Rückkehr Ende Februar geben, sorry!

kanns kaum mehr erwarten

ich dachte schon die Rundschau wird eingestellt ... aber in diesem Sinne kann man sich ja schon auf Ende Februar freuen.

Danke für die vielen tollen Tipps, ist immer wieder hilfreich!

J. Josefson
08
18.2.2013, 14:41
*hüstel*

An der Prognose hat sich im Prinzip nichts geändert, allerdings hab ich bei ihrer Erstellung vergessen, dass der Februar nicht wie jeder anständige Monat 30 Tage hat, sondern nur 28 (als Wissenschaftsredakteur erfährt man sowas immer als letzter ...). Sie soll also wie geplant online gehen, bloß ist das dann ja schon der 2. März, ähem. Ohne die Grippewelle, die unser Ressort übrigens immer noch im Würgegriff hält und zu kurzfristigen Dienstumstellungen zwingt, wäre das alles schon längst über die Bühne. Leider hat uns die heuer schwer getroffen!

welche zeitzone?

also auf den fidschis ist doch schon der 2 maerz, oder? wart ... wart ... wart

Dürfte wohl eher doch nach Hawaii geflogen sein unser aller LieblingsReviewer :-((

J. Josefson
03

Von wegen, ich hab jetzt eine Woche mit Mütze und Schal im Büro gesessen, damit nicht noch eine Erkältung dazwischenkommt. Jetzt ist das Ding jedenfalls fertig.

Morgen Vormittag geht's wie angekündigt online; auf unserer Facebook-Seite wird's schon heute Abend eine Sneak Preview geben.

und jetzt soll man noch schlafen können? Bei all der Aufregung?

Dagegen ist die kommende Papstwahl ja kalter Rauch (oder wie man das auch immer ausdrückt).

kein problem

solange die dann fehlende rundschau wieder eingearbeitet wird... ;oP
btw darf ich die anwesendschaft auf den hanser verlag (ja, wirklich) und das neue von jirgl aufmerksam machen.

Hauptsache sie kommt. Ich hatte auch schon meine Befürchtungen ...

Gute Besserung wünsche ich allen deinen Kollegen, die noch darniederliegen. Die "Welle" war heuer wirklich ein mittlerer Tsunami, auch in meinem Betrieb.

In diesem Sinne - Vorfreude soll ja eine der Schönsten sein ;-)

Für "Gute Besserung" ist es wohl schon zu spät - aber dann jedenfalls einen schönen Urlaub!
Hatte schon befürchtet, Ihnen sei was passiert, so eine lange Pause war schon ungewöhnlich.

Und jedenfalls Danke für all die bisherigen Rundschauen, hatten mir immer wieder wertvolle Tipps geliefert und neue Horizonte eröffnet. Freu mich auf die nächste!

(Und es ist beruhigend zu wissen, dass Sie doch auch nur ein Mensch sind. Der Stapel der Bücher, die Sie jedes Monat abgearbeitet haben, hat mich daran schon fallweise zweifeln lassen).

ARGGGGGLLL. NEIN! morgen auch nicht! *kreischröchel*

Gute Besserung

Mit Grippe im Bett kann man zwar lesen, aber nicht so gut tippen!

J. Josefson
04

Genau genommen war's da für einige Zeit auch mit dem Lesen Essig. Fürs Fernsehen scheint dagegen selbst der kleinste Rest Hirn zu genügen, immer wieder erstaunlich.
Und danke allseits für die Genesungswünsche!

gute besserung und viel spass im urlaub beim lesen :-)

Wir werden's aushalten; Vorfreude ist ja bekanntlich die schönste Freude...
:)

Auf jeden Fall Gute Besserung und schönen Urlaub!

Dem schließe ich mich herzlichst an! Wir werden es wirklich aushalten ...

der Stapel der ungelesenen Bücher hat eine gewisse Chance an Höhe zu verlieren ...

Das passt schon. Nur keine Eile!
Habe gerade "Existenz" fertig gelesen und bin mitten in "Wie die Welt endet", dann muss ich noch die letzten Geschichten in "Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes" und in "Zu einem Preis" lesen.
Zudem sollte endlich auch "Error" von Neal Stephenson gelesen werden.

Ich denke die Meisten müssen eh noch ein wenig aufholen, bzw Bücher lesen die hier nicht vorgestellt wurden:-)

Existenz

Leider ist Herr Brin nicht in der Lage seinen Charaktären mehr Leben einzuhauchen. Natürlich ist Tor sein Liebling aber ihre Entwicklung ist kaum nachvollziehbar, kein Mensch würde sich so einfach sein Schicksal akzeptieren. Auch ist der Subplot mit Hacker ein ins Nichts laufendes Unterfangen.
Die letzten 200 Seiten sind zwar interessant aber nicht befriedigend, somit schade aber toll...

Ich weiß wo sich die Menschheit hinbewegt

müsste auch allen Skeptikern klar sein. Von Optimismus halte ich nichts, denn wie immer die Sache ausgeht, sie wird schlecht ausgehen. Wenn nicht für uns, dann für den Rest des Universums :)

*Hippel*

Habe mir gerade die bestellten Bände 7-14 von Erkisons "Spiel der Götter" geholt.

Nun können die Weihnachtsferien beginnen. Die Serie wird von Band zu Band besser, unglaublich der Spannungsbogen.

lese gerade dan simmons hyperion(gesänge). ist zwar schon älter, aber sehr beeindruckend. selten so schöne geschichten in der geschichte gelesen. vorallem die geschichten des konsuls und von weintraub. wahnsinn!

Das Buch ist wirklich einer der besten SF-Romane aller Zeiten. Viel Spaß beim Lesen!

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