Weihnachten: Welches Tablet darf‘s denn sein?

3. Dezember 2012, 17:24
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iPad, Nexus, Paperwhite: Auf der Suche nach dem perfekten Gadget für die Bescherung

Tablets in vieler Munde und in zunehmend mehr Händen. Wer noch keines hat, aber bereits die Vorzüge eines Smartphones erkannt hat, könnte zum heurigen Fest einen der zahlreichen Sieben- und Zehnzöller unter dem Weihnachtsbaum vorfinden. Leseratten wiederum könnten in einem E-Reader ihr digitales Heil finden.

Der Markt ist jedenfalls unübersichtlich. Wir versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

Zehn Zoll: Viel Geld für viel Tablet

Wer bereit ist, für das neue Technikspielzeug einen höheren dreistelligen Betrag zu investieren, wird sich unweigerlich die Frage stellen müssen, ob er sich lieber dem Google- oder Apple-Ökosystem anvertraut. In dieser Preisklasse finden sich auf beiden Seiten taugliche Geräte.

Dauerbrenner ist ohnehin das iPad, dessen jüngste, herbstliche Neuauflage nicht nur eine hohe Bildschirmauflösung, sondern auch etwas flottere Hardware besitzt. In Sachen Verarbeitung gibt es an dem Gerät, wie NYT-Experte David Pogue schreibt, nichts auszusetzen. Die Wahl des metallenen Covers vermittelt auch mehr Wertigkeit als die Android-Konkurrenz, die in vielen Fällen auf Vollplastik baut.

Für das iPad finden sich bei iTunes zudem zahlreiche für den Tabletgebrauch optimierte Apps, die das größere Platzangebot des Zehn-Zoll-Displays intelligent nutzen. Darüberhinaus vermag auch die integrierte Kamera für ein Tablet durchaus brauchbare Bilder zu schießen.

Kampf der Ökosysteme

Auf Android-Seite ist mittlerweile ernsthafte Konkurrenz erwachsen. Hier schickt ASUS etwa seine Transformer-Reihe in die Schlacht, die mit einer Kombination aus Tablet und Tastaturdock mit Zusatzakku auch produktives Arbeiten ermöglichen sollen, soweit dies das Betriebssystem zulässt.

Ein beinahe unschlagbares Angebot liefern Google und Samsung mit dem Nexus 10 ab. In Sachen Auflösung schlägt das Gerät die Apple-Konkurrenz, es bietet mehr Anschlüsse - etwa einen microHDMI-Port - und wartet mit Top-Hardware zu einem derzeit konkurrenzlosen Preis auf, hinkt im Vergleich aber bei der Akkulaufzeit hinterher.

Dafür schwächelt hier das Ökosystem, in dem viele Apps auf Tablets kaum mehr als aufgeblasene Versionen ihrer Smartphone-Ausgaben sind. Noch überschaubarer ist die Anzahl der Programme, die bereits native Unterstützung für die 2.560 x 1.600 Pixel des Bildschirms mitbringen. Und dann haben sich interessierte Kunden mit massiven Lieferengpässen herumzuschlagen, so dass die Wahrscheinlichkeit, das Nexus 10 noch vor Weihnachten hierzulande zu einem rechtfertigbaren Preis zu erstehen, gegen Null liegt.

iPad macht das Rennen

Als mögliche Kompromisslösung würde sich der Kindle Fire HD in seiner großen und LTE-fähigen Ausgabe und 8,9 Zoll-Display anbieten. Das Amazon-Tablet läuft technisch gesehen mit Android - sein Vorgänger ließ sich auch relativ einfach mit der unverfälschten Version davon bespielen - ist aber in das Ökosystem des mächtigen Onlinehändlers eingebunden.

In Sachen Apps muss auch hier der Store noch wachsen. Dazu ist im deutschsprachigen Raum offiziell nur die Sieben-Zoll-Version zu haben. Soll es also zu Weihnachten wirklich ein "großes" Tablet teurerer Sorte sein, dürfte man mit dem iPad wohl am besten bedient sein.

Kleine Tablets: Dichtes Gedränge am Markt

Anders stellt sich die Situation bei den handlicheren Geräten im Bereich von sieben und acht Zoll Bildschirmdiagonale dar. Wer weniger Geld ausgeben und trotzdem ein Markengerät haben will, findet im kleineren Kindle Fire HD, dessen Vorgänger und (für einen etwas höheren Betrag) im Nexus 7 taugliche Angebote. Im Bereich von unter 300 bzw. 200 Euro liefern diese Geräte solide Performance bei verhältnismäßig niedriger Belastung des Geldbeutels.

Insbesondere das von Google und Asus coproduzierte Tegra 3-Tablet wartet hier mit ungeschlagenem Preis-/Leistungsverhältnis auf. Der Rückstand von Googles Ökosystem in Sachen Apps ist auch hier nicht außer Acht zu lassen, dafür dürfen Besitzer auf absehbare Zeit als eine der Ersten mit neuen Versionen von Android experimentieren.

Empfehlung: Nexus 7

Nach langem Abwarten mischt Apple nun auch in diesem Segment mit. Mit dem iPad mini platziert man sich markentypisch etwas höherpreisig und liefert ein solides Gerät ab, dass in vielerlei Hinsicht einem etwas aufgemotzten iPad 2 mit einer knapp acht Zoll großen Bildschirmdiagonale entspricht. Dabei hält man am 4:3-Format fest, weil dieses besser fürs Internetsurfen geeignet sein soll als der Breitbild-Standard der Konkurrenz.

Das Gerät erntete grundsätzlich Lob für seine Kapazitäten, musste aber auch Kritik einstecken - vor allem wegen der niedrigen Auflösung des Displays, die bei 1.024 x 768 Pixel liegt. Damit erleichtert man zwar Entwicklern die Arbeit, da diese dem iPad 2 entspricht, enttäuscht aber angesichts dessen, dass man vor wenigen Monaten mit dem "new iPad" unter dem Slogan "Resolutionary" und vor Kurzem mit einer neuen MacBook-Generation neue Standards gesetzt hat.

Ist man nicht schon mit einem anderen Produkt an Apples umfangreiches Inhaltsangebot angebunden, fällt es schwer, ein anderes Gerät als das Nexus 7 zu empfehlen. Ein Blick auf Konkurrenz mit ähnlicher oder identer Hardwarebasis, etwa das Toshiba AT270, kann aber nicht schaden.

Androiden direkt aus Asien

Ist das Budget knapp bemessen und Aftermarket-Support kein entscheidender Faktor, kann sich auch ein Blick nach Asien lohnen. Dort konkurrieren zahllose größere und kleinere Unternehmen mit einer Vielzahl an Android-Tablets unter verschiedenen Markennamen miteinander. Dementsprechend ist vor einem Kauf Eigenrecherche auf Händlerwebseiten und vor allem in spezialisierten Foren angesagt.

Problematisch ist nicht nur die schiere Auswahl, sondern auch die Tatsache, dass auch bekanntere Tabletproduzenten in sehr kurzen Abständen neue Modelle auf den Markt werfen, die zwei Monate später schon wieder abverkauft werden. Darunter leidet nicht unbedingt die Hardware, gerne aber die Qualität der Software. Entsprechend mangelt es dem aufgespielten System oft an wichtigen Optimierungen.

Schnäppchen möglich

Es gilt also einen Anbieter zu wählen, der selbst zuverlässig Firmwareupdates liefert und über eine Community mit eifrigen Entwicklern verfügt. Einer davon wäre etwa Ainol (siehe unser Test des Ainol Fire), der mittlerweile auch außerhalb Chinas tätig ist. Ein anderer ist Hiapad, dessen Produkte auch unter den Markennamen Sanei und Ampe vertrieben werden. Hier gibt es, jedenfalls für einige Modelle, alternative Firmware, die aus der Hardware das Möglichste herausholt.

Je nach Investition - vernünftige Einsteigergeräte gibt es schon im oberen zweistelligen Bereich zu erstehen - wird hier durchaus solide Performance geliefert, die zu weit mehr als bloßem Websurfen ausreicht. Wer zuschlagen möchte, sollte dies aber schnell tun. Denn selbst per kostenpflichtigem Express-Versand könnte es im Weihnachtsgeschäft sonst knapp bis zur Bescherung werden.

E-Reader

Als letzte Kategorie gilt es die E-Reader zu behandeln. Abseits der Geräte mit Farbdisplay und Videoabspiel-Funktion, die in der Regel nichts anderes als abgespeckte Tablets von meist bescheidener Bildschirmqualität sind, ist auch das Angebot an E-Ink-Devices mittlerweile umfangreich.

Paperwhite gegen den Rest

Für 130 Euro liefert Amazon mit dem Kindle Paperwhite ein hochwertiges Gerät mit dem im Vergleich zur Konkurrenz besten Display am Markt ab. Bemängelt wird allerdings der mit zwei GB knapp bemessene Speicher und die Tatsache, dass Amazon den Kopfhörerausgang nebst der Unterstützung für Hörbücher gestrichen hat.

Auch hier liefert man sich dem Contentsystem des Anbieters aus, bei Amazon gekaufte E-Books werden im proprietären AMZ-Format geliefert, das sonst kein anderer Reader unterstützt. Im Gegenzug kann das Gerät keine EPUB-Dateien anzeigen, so dass entsprechende Bücher zuerst ins ältere MOBI-Format konvertiert werden müssen. Ein Vorteil des Amazon-Kontos ist wiederum, dass die eigene Bibliothek in der Cloud gespeichert wird und Bücher aus selbiger beliebig abgerufen werden können.

Cybook HD Frontlight: Alternative von Thalia

Wer sich ein beleuchtetes Display mit höherer Auflösung wünscht, kann auch zum Kobo Glo oder dem von Thalia vertriebenen Cybook HD Frontlight greifen. Letzteres ist in der Ausführung nicht ganz so wertig und kann auch in Sachen Bildschirm nicht mit dem Konkurrenten mithalten (Test folgt). Dafür beherrscht das Gerät die Anzeige von mehr Formaten und hat einen microSD-Slot. Sowohl das Cybook-Produkt als auch der Kindle Paperwhite werden für 129 Euro verkauft.

Für Sparfüchse lohnt sich ein Blick auf die Vorjahresgeneration ohne Beleuchtung. Amazon legt den Standard-Kindle mit Tastenbedienung für 79 Euro wieder auf und hat ihm neue Schriftarten spendiert. Alternativen im Angebot haben auch Firmen wie Sony, Trekstor oder Pocketbook. 

Umfrage

Das Gesamtangebot an Tablets und E-Readern ist natürlich um einiges größer und die hier behandelte Auswahl ein teils durch subjektive Eindrücke entstandener Querschnitt.

Daher stellt sich berechtigterweise die Frage: Welcher E-Reader oder welches Tablet landet bei Ihnen unter dem Weihnachtsbaum? (gpi, derStandard.at, 03.12.2012)

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    Tablets: Die Auswahl ist groß, die Orientierung fällt nicht jedem leicht.

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