Irans neues Gesicht des Widerstands

Solmaz Khorsand
3. Dezember 2012, 13:48
  • Die inhaftierte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh befindet sich seit über 40 Tagen im Hungerstreik. Am 12.12. wird ihr der Sacharow-Preis in Abwesenheit verliehen.
    foto: afp/atta kenare

    Die inhaftierte Menschenrechtsanwältin Nasrin Sotudeh befindet sich seit über 40 Tagen im Hungerstreik. Am 12.12. wird ihr der Sacharow-Preis in Abwesenheit verliehen.

  • Sympathisanten von Nasrin Sotudeh aus Wien. Minoosh Malekzadeh (Mitte) und Farshideh Tehrani (re).
    foto: epa/mihan news

    Sympathisanten von Nasrin Sotudeh aus Wien. Minoosh Malekzadeh (Mitte) und Farshideh Tehrani (re).

Die diesjährige Sacharow-Preisträgerin Nasrin Sotudeh ist seit Mitte Oktober im Hungerstreik - Seit zwei Jahren sitzt sie im berüchtigten Evin Gefängnis

Zwei Datteln am Morgen, zwei Datteln am Abend. So sieht Nasrin Sotudehs Speiseplan aus. Und das seit mehr als 40 Tagen. Seit 17. Oktober ist die iranische Menschenrechtsanwältin und diesjährige Sacharow-Preisträgerin im Hungerstreik. Vor zwei Jahren hat die iranische Regierung Sotudeh inhaftiert, weil sie mit ihrer Arbeit die nationale Sicherheit des Landes gefährden würde. Außerdem, so der Vorwurf, würde die Anwältin Propaganda gegen das Regime betreiben.

Ikone des friedlichen Widerstands

Menschenrechtsaktivisten weltweit machen auf Sotudehs Schicksal aufmerksam. Blogs und Facebook-Seiten sind der 49-Jährigen gewidmet. Unter iranischen Oppositionellen ist die zierliche Frau längst eine Ikone des friedlichen Widerstands, Irans Aung San Suu Kyi sozusagen (die Burmesin hat den Sacharow-Preis 1990 erhalten). Sotudeh wurde Ende Oktober gemeinsam mit dem unter Hausarrest stehenden iranischen Filmemacher Jafar Panahi zu Gewinnern des Sacharow-Preises für Meinungsfreiheit gekürt. Seitdem ist Sotudeh auch einem breiteren Publikum bekannt.

Man weiß von ihrer Arbeit, dass sie namhafte iranische Oppositionelle und Aktivisten der grünen Bewegung, die 2009 gegen das umstrittene Ergebnis der damaligen Präsidentschaftswahlen protestierten, verteidigt hat. Außerdem hat sie sich seit Jahren für die Rechte von Kindern, zu Tode verurteilten Jugendlichen und Frauen stark gemacht.

Politische Gefangene

Seit 2010 ist sie nun in Teherans berüchtigtem Evin Gefängnis für politische Gefangene. Einmal pro Woche darf sie ihren Mann und ihre zwei Kinder sehen, wenn es sich die Behörden nicht kurzfristig anders überlegen. Bei diesen Besuchen ist sie von ihrer Familie immer getrennt durch eine Glasscheibe.

Zehn bis 15 Minuten dauern diese Treffen. Mit ihrem Hungerstreik versucht sie die Behörden zu erweichen, ihre Angehörigen auch persönlich sehen zu dürfen. Hinzu kommt, dass sie sich gegen ein neues Urteil zur Wehr setzen möchte, dass nicht sie, sondern ihre 12-jährige Tochter betrifft. Ihrer Tochter hat man verboten, dass Land zu verlassen. Ein klarer Fall von Sippenhaftung. Nicht ungewöhnlich in der Theokratie.

Sympathisanten in Wien

"Das Regime versucht sie zu brechen", sagt Minoosh Malekzadeh. Der 45-jährige Wiener ist einer von zahlreichen Sympathisanten weltweit, die sich aus Solidarität mit der Anwältin einem dreitägigen Hungerstreik angeschlossen haben. Einige Exiliraner haben sich im Büro der Menschenrechtsorganisation Amnesty International im 15. Wiener Gemeindebezirk versammelt und diskutieren über den Fall. Mit der Solidaritätssaktion versuchen sie der Menschenrechtsanwältin Mut zu machen. Ursprünglich sollte Sotudeh elf Jahre hinter Gittern bleiben. Mittlerweile hat ein Berufungsgericht die Haftstrafe auf sechs Jahre verkürzt. Doch mit dem Ausreiseverbot der Tochter versucht die Regierung weiter Druck auf Sotudeh auszuüben. Dass sie den Sacharow-Preis gewonnen hat, habe ihre Situation nicht unbedingt verbessert, urteilt Malekzadeh: "Die internationalen Preise machen es in der Regel für diese Leute schwieriger, und erhöhen den Druck auf sie."

Auch Farshideh Tehrani hungert dieser Tage aus Solidarität mit. Auf den Magen hat sich der Hungerstreik noch nicht geschlagen, der 46-jährigen Ingenieurin sei nur permanent kalt, sagt sie. Wenn sie von Sotudeh spricht, nennt sie die Anwältin nur liebevoll "Nasrin", als seien die zwei Frauen alte Freundinnen. "Das Regime bekommt Angst, wenn die Frauen Widerstand leisten", sagt sie. Und immer mehr Frauen würden sich für Sotudeh einsetzen, beobachtet Tehrani, da sie in ihr eine Mutter sehen würden, die sich für das Recht einsetzt ihre Kinder zu sehen, weniger eine politische Aktivistin, die das Ende des Regimes im Sinn hat. Heute wird das europäische Parlament in Brüssel ein meterhohes Banner mit Sotudehs und Panahis Konterfei an seine Fassade anbringen. Den Sacharow-Preis will man ihnen dann am 12.Dezember überreichen. Persönlich wird keiner von beiden den Preis entgegen nehmen können. (Solmaz Khorsand, derStandard.at, 3.12.2012)

Am Montag, 3.12. in Wien: Anlässlich der Verleihung des Sacharowpreises 2012 an die iranische Anwältin Nasrin Sotoudeh und den iranischen Filmemacher Jafar Panahi wird beim Internationalen Filmfestival der Menschenrechte Panahis Film "In Film Nist" (Dies Ist Kein Film) gezeigt.

Im Anschluss an die Filmvorführung findet ein Publikumsgespräch mit dem renommierten iranischen Menschenrechtsanwalt Mohammad Mostafai, Hannes Swoboda (Europäisches Parlament) und Manfred Nowak (Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte; Universität Wien) statt.

Schikaneder-Kino 17.30 Uhr, Margaretenstraße 24, 1040 Wien

derStandard.at bringt am Dienstag ein Interview mit Mohammad Mostafai.

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Ich erspare mir eine Meinung, da ich den Iran nur vom Hörensagen, Fernsehen und von den Medien kenne.
Selbiges sollten alle, die hier eifrig grün-Stricherl sammeln auch machen, aber ich weiß ja:

In der "Demokratie" darf ja jeder Lump eine Meinung haben. Muss er ja sogar, nur interessieren tut es dem westeuropäisch-amerikanisch hörigen "Demokratieregime" nicht.

mit non-konformen Grüßen

mutige Frau

eine sehr starke Frau, Respekt! Leider gibt es viel zu wenig Menschen dieser Sorte. Auch ein Bradley Manning zaehlt zu diesen Menschen, auch ihm meine Hochachtung und Respekt!

Wie viele Anwältinnen arbeiten in Saudi-Arabien? Dem tollen Verbündeten des Westens.

Und wieder einmal wird uns klar vor Augen geführt ,
der Iran ist heute das Böse in der Welt .
Hoffentlich wird uns der Gute ,
unser Friedensnobelpreisträger retten

Nein, nicht der Iran ist böse...

..., es ist das Regime, das den Iran unterdrückt.
Aber auch ihre Götterdämmerung wird kommen.

lol witzig

sie verwenden schon das vokabular von nazis

wann lernen wir endlich, dass das starke geschlecht, die frauen sind.

noch eine starke und mutige frau:
http://www.badassoftheweek.com/hawaabdi.html

Super.

Jetzt wissen wir ENDLICH alle was im Iran Sache ist.
Oder etwa doch nicht?
Für derartige Artikel sollte sich der Verfasser
a bissal mehr Zeit nehmen.
Sonst werden solche Beiträge ganz schnell zum _substandard.

Aha!

Wissen wir das wirklich erst jetzt?

Na ja sie vielleicht?

Wenn man ein paar Jahre ohne Zeitung, Fernsehen, Internet oder sonstigen Medien verbringt ist man halt nicht immer auf dem Laufenden!

.

Sie wissen also das ich in Haft war?
Naja, passt doch perfekt zum Thema.

Mögen alle Männer, die sich an diesem Terror-Regime beteiligen oder es unterstützen auf ewig verdammt sein! Alles soll diesen Kerlen verkehrt sein und das Leid, das sie verursacht haben, sollen sie 3 Mal so stark erfahren!

Wieso nur die Männer? Wieso sollen Frauen die dieses Regime unterstützen ungeschoren davonkommen (abgesehn von ihrem chronischen Männerhaß)?

Kleine Korrektur:

Mögen alle, die sich an diesem Terror-Regime beteiligen oder es unterstützen auf ewig verdammt sein! Alles soll diesen Menschen verkehrt sein und das Leid, das sie verursacht haben, sollen sie 3 Mal so stark erfahren!

Mir fallen auch immer mehr mutige muslimische Frauen auf, die sich gegen Gewaltregime zur Wehr setzen. Und die unsrigen Schwestern im Geiste fallen ihnen mit ihrem Stillschweigen in den Rücken, siehe österreichische islamische Glaubensgemeinschaft.

In der Tat. Alle Iranerinnen, die ich kenne und die im Ausland leben haben sich intelligenterweise vom Islam abgewandt und sind Regime-Gegnerinnen.

was wäre diesem land und der welt erspart geblieben

hätte "man" nicht mossadegh ge-ajax-t

http://www.zeit.de/2003/34/A-Mossaedgh

und den verhassten pfau mitsamt savak inthroniert.

aber das war für die sogenannte "stabilität" von wichtigkeit, sowie das menschenrechtelnde königshaus al saud heute für die "stabilität" des nahen ostens von wichtigkeit ist.

schönreden kann man sich ja alles.

beinharte interessen stehen immer über theoretischen idealen, auch wenn großreiche gelernt haben, dass das fressen von kreide der stimme einen sanften klang gibt.

der mut dieser frau muss und soll geehrt werden, aber bitte nicht von falschen fuffzigern in meinem namen.

den iranern wünsche ich von herzen, dass sie die mullahs zum teufel zu jagen, ohne sich den nächsten pfau einzufangen.

Am Beispiel Ägyptens sieht man ganz gut das es extrem schwierig ist. Und an Saudi-Arabien sieht man ganz gut daß es auch noch schlimmer kommen kann.

"beinharte interessen stehen immer über theoretischen idealen"

Nein.

Es gibt einige Beispiele auf dieser Welt, wo theoretischen Idealen wie zB einer Theokratie oder einer totalitär umgesetzten Ideologie, die einem bei der Verfolgung profaner Interessen MASSIV im Weg stehen, ganz klar der Vorzug gegeben wird.

Oder inwiefern solls denn bitte - wenn wir schon in der Gegend sind - zB im INTERESSE des Irans bzw. seiner neuen Machthaber nach Khomeinis Revolution gewesen sein, erst mal BEIDE Supermächte anzup*ssen und somit keinen einzigen Freund mehr auf der Welt zu haben?

Da haben sich klar theoretische Ideale durchgesetzt. Und Kreide haben die noch NIE gefressen, oder haben Sie einen andern Eindruck?

"beinarte interessen stehen immer über theoretischen idealen"

tatsächlich - ?

ich weiß, das es überall so aussieht, immer schon so ausgesehen hat & wohl auch in absehbarer zukunft so aussehen wird.
dennoch ist dieser satz, zu ende gedacht, nicht mehr und nicht weniger als eine kapitulation.

aber es gibt und gab immer schon neben all diesen letztendlich beliebigen militärs, pfaffen, kaufmännern ect. auch noch menschen wie z.b. nasrin sotudeh; menschen, die dagegen stehen, die ins gefängnis gehen, die letztendlich alles in die waagschale werfen.

und sie widerlegen diesen satz für mich allein durch ihre existenz.

sie dürfen diesen satz nicht aus dem kontext reißen. wenn sie das tun, ja, dann mag es für sie wie eine kapitulation wirken.

aber noch habe ich meinen glauben an nächstenliebe und vernunft des menschen nicht verloren, noch sehe ich was sich auf der anderen seite der frontlinie stetig verstärkt und aufbaut; zentralismus und das dogma der alternativlosigkeit, lügen, betrug, verrat und korruption, repression und gewalt.

menschen wie frau sotoudeh wird es immer geben, egal wie sich eine (oben umschriebene) staatsgewalt der köpfe und herzen der menschen annimmt und sie manipuliert und zersetzt.

ein staat ist wie ein feuer, ist es groß, wird es unermüdlich fressen und töten, ist es ein kleines, so besteht zum. die möglichkeit sich daran wärmen zu können.

es war immer schon das konzert der großen welches die grausamste musik für den menschen zum besten gab.

Was wäre wenn...

nun vermutlich wäre der Iran zu einer weiteren Volksrepublik nach sowjetischem Zuschnitt geraten.

was diese frau tat und tut, erfordert mehr mut, als die meisten hier sich auch nur vorstellen können.

die - bestenfalls - gedankenlosigkeit vieler postings hier ist deprimierend.

man kann deutlich den unterschied sehen, was fuer leidende menschen repressive diktaturen wie der iran hervorbringt, und die menschen sogenannter diktaturen des westens von sich geben.......die einen fuerchten um ihr leben, die anderen stufen diese als propaganda ein....tja....

http://derstandard.at/plink/135... id28642975

diese frau ist gegen yhwh-gott.

Man müsst doch wissen, dass auf hoher Politikebene solche Regimegegner nur der Propaganda dienen.

Jo, i was eh ... der böse Iran! Aber wieso verleiht man den Sacharaow Preis nicht den Aufdeckern der Kindermissbräuchsserie durch die Kirche? Die hättens mindestens genauso verdient. Danke

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