Schnabl moderiert erstmals ORF-"Report"

3. Dezember 2012, 12:12
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Vorbilder der Waldner-Nachfolgerin: Hochner und Will

Der Eurofighter-Skandal, der Promi-Aufmarsch um die Wehrpflicht-Volksbefragung, die konfliktgeladene Lage in Asylwerber-Gemeinden, Ernst Strassers Erzählungen vor Gericht und das Modemedium Twitter sind die Themen des ORF-"Report", der diese Woche erstmals von Susanne Schnabl moderiert wird. "Kritisch, hintergründig und frisch" will es Schnabl anlegen, mit "akribischer Recherche" will sich die bisherige Innenpolitik-Journalistin der "Zeit im Bild" auf das für sie neue Format vorbereiten und gemeinsam mit dem Redaktionsteam "jede Woche um die besten Geschichten rennen".

Kampf gegen Politmarketing

Bei den Live-Interviews will Schnabl, die der ins ORF-Radio zurückehrenden Gabi Waldner nachfolgt, "lästig und hartnäckig nachfragen". "Am Ende soll ein Erkenntnisgewinn stehen, nicht nur für mich, sondern primär für den Zuseher - was spielt sich hinter den Kulissen ab, wie wird Politik gemacht. Herausforderung aller Innenpolitik-Journalisten ist es ja, gegen bloßes Politmarketing anzukämpfen." Robert Hochner mit seiner feinen Klinge oder Anne Will, die ihre Fragen in eiskalte Eleganz kleidet, nennt Schnabl als Vorbilder.

Herausforderung: Relevanz

Von Kritikern wurde dem "Report" zuletzt schwindende Relevanz im Informationskonzert des ORF attestiert. Wegen der attraktiven ORF eins-Programmierung mit Österreich-Programmen wie "Braunschlag" hatte das Polit-Magazin mitunter mit den Seherzahlen zu kämpfen. "Relevanz ist für jedes Magazin eine Herausforderung", so Schnabl. Das hänge auch vom "unterschiedlichen Aggregatszustand" eines Magazins oder einer Nachrichtensendung wie der "ZiB" ab. Herausforderung sei es, "andere Zugänge" zur Politik zu finden. "Aber es gibt nichts Spannenderes als Innenpolitik, weil die Entscheidungen die gesamte Gesellschaft betreffen, vom Kindergartenplatz bis zur Pension."

Kein großer Relaunch geplant

Ein großer Relaunch ist beim "Report" nicht geplant, ein paar neue frische Details soll es aber geben. Wie im US-Wahlkampf will man künftig mehr "Reality-Checks" und "Fact-Checks" von politischen Ankündigungen und Aussagen liefern. "Ursprüngliche Aufgabe der Journalisten ist es auch, politische Inhalte abzuklopfen und zu schauen, wie die Fakten- und Sachlage wirklich aussieht. In einem Magazin hat man die Möglichkeit, das genauer zu zeigen. Wir werden allen auf die Finger schauen", so Schnabl, die seit zehn Jahren für den ORF arbeitet und im Landesstudio Kärnten, bei Ö3, in der Innenpolitik der Radio-Information und zuletzt bei der "ZiB" im Fernsehen Station machte.

Investigativer Journalismus kostet

Dass das "Report"-Team mit investigativen Aufrissen aufwarten kann, sei erklärtes Ziel, in Zeiten des Sparens aber ein generelles Problem. Schnabl: "Das Unternehmen hat massiv einsparen müssen. Recherche erfordert Zeit und nicht immer ist das Ergebnis ein Knüller wie die Stiftungscausa Graf. Es ist schwierig, das in Sparzeiten, die die gesamte Medienbranche betreffen, angesichts der Personalsituation zu leisten, aber wir versuchen es." (APA, 3.12.2012)

  • Susanne Schnabl will "Lästig und hartnäckig nachfragen".
    foto: orf/hans leitner/orf

    Susanne Schnabl will "Lästig und hartnäckig nachfragen".

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