Kurz kündigt Bürgermeister-Handbuch zum Moscheebau an

3. Dezember 2012, 11:45
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Islamisch-theologisches Studium soll bis 2015 an Uni Wien eingerichtet sein - Kurz kündigte Ombudsstelle für "radikalisierte Jugendliche" an

Wien - Das seit langem geforderte islamisch-theologische Studium für die Ausbildung von Imamen in Österreich soll bis 2015 eingerichtet sein, geht es nach dem Vizerektor der Uni Wien, Heinz Faßmann. Weitere Ergebnisse des "Dialogforum Islam" stellte am Montag Integrations-Staatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP) in einer Pressekonferenz vor: So plane man eine Ombudsstelle für "radikalisierte Jugendliche" sowie ein Bürgermeister-Handbuch für den Moscheebau.

Ein Globalbudget für die geplante Fakultät an der Uni Wien gebe es zwar noch nicht, trotzdem zeigte sich Faßmann zuversichtlich, was deren baldige Einrichtung betrifft. Absolventen dieser Ausbildung könnten dann durch ein bestehendes Masterstudium auch im Bereich der islamischen Religionspädagogik als islamische Religionslehrer an höheren Schulen eingesetzt werden.

Professuren werden ausgeschrieben

Im kommenden Jahr werde ein Plattform die Planung des Studienplans aufnehmen, ein Jahr später könnten bereits die Professuren ausgeschrieben werden. Man sei auf der Suche nach "anerkannten Personen mit Charisma und fachlicher Qualifikation", so Faßmann. Dies werde allerdings nicht einfach sein, da der Nachwuchs in diesem Bereich für den deutschsprachigen Raum selbst erst ausgebildet werde. Auch die notwendigen Ressourcen müssten erst erfasst werden.

Ein weiterer Plan nach Abschluss der ersten Phase des "Dialogforum Islam" ist die Überarbeitung der Schulbücher für Muslime durch die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Deren Präsident, Fuat Sanac, verwies zudem auf die laufende Ausbildung von Frauen- und Dialogbeauftragten. "Wir wollen eine gesunde, friedliche und harmonische Gesellschaft in Österreich."

Ombudsstelle

Auch die Einrichtung einer Ombudsstelle wurde von den Experten im "Dialogforum", das seine Arbeit uneingeschränkt fortsetzen soll, vorgeschlagen. Nicht nur Angehörige "radikalisierter Jugendlicher" sollen sich an diese wenden können, sondern auch Betroffene von Islamfeindlichkeit. Ein Handbuch für Bürgermeister soll helfen, Streitfragen bei Plänen zum Bau einer Moschee im Ort zu lösen.

Die Novellierung des Islamgesetzes nach 100 Jahren dürfte nun wieder ein wenig konkreter werden. Dabei werden Bereiche wie eben die Imame-Ausbildung, die Seelsorge, Friedhöfe und Speisevorschriften rechtlich abgesichert. Auch Kurz ortet in diesem Bereich noch "Defizite". Zuständig für eine Überarbeitung sei zwar das Kultusministerium, das Staatssekretariat will sich allerdings dabei einbringen. (APA, 3.12.2012)

Die Ergebnisse des "Dialogforums Islam" im ersten Jahr:

1. Fortgang des Dialogforums

Der Dialog wird fortgesetzt, die Steuerungsgruppe bleibt bestehen.

2. Einführung eines islamisch-theologischen Studiums

Einrichtung eines islamisch-theologischen Studiums an der Universität Wien, das Absolventinnen und Absolventen qualifizieren soll, als Imam, Seelsorger oder Islamwissenschaftler tätig zu sein.
Absolventinnen und Absolventen dieser theologischen Ausbildung können durch das Absolvieren des bestehenden Masterstudiums im Bereich der islamischen Religionspädagogik als islamische Religionslehrerinnen und Religionslehrer an den höheren Schulen eingesetzt werden. Um die genaue Zahl von Imamen in Österreich darzustellen, vor allem jener, die aus dem Ausland nach Österreich kommen, wird die IGGIÖ künftig eine umfassende Statistik über alle Imame, die in Moscheegemeinden tätig sind, erstellen.

3. Etablierung einer Wertedebatte

Die aktuelle Debatte um gesellschaftliche Werte, wie sie derzeit zum Beispiel im Prozess der Erstellung der RWR-Fibel geführt wird, soll auf akademisch-wissenschaftlicher Ebene weitergeführt werden, um diesen Diskurs einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

4. Maßnahmen gegen Radikalisierung und Islamfeindlichkeit

Nach einer Bedarfsprüfung ist eine Ombudsstelle für radikalisierte Jugendliche und deren Angehörige sowie Betroffene von Islamfeindlichkeit anzudenken.

5. Überarbeitung der islamischen Schulbücher

Die Schulbücher für den islamischen Religionsunterricht werden von der Islamischen Glaubensgemeinschaft überarbeitet - basierend auf dem aktuellen Curriculum für den islamischen Religionsunterricht.

6. Bürgermeister-Handbuch für Moscheebau vor Ort

Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass Streitfragen in Zusammenhang mit der Errichtung von Moscheen am besten gemeinsam mit allen Betroffenen vor Ort gelöst werden. Dazu wird eine interdisziplinäre Broschüre erarbeitet, eine Art Bürgermeister-Handbuch für Streitfragen im Zusammenhang mit dem Bau von Moscheen hinsichtlich Anrainerbeteiligung, Bauordnung, Flächenwidmung, Architektur, Gesetze.

7. Gleichstellung von Mann und Frau

Ausbau der bestehenden Schulungen für Frauenbeauftragte, um die Partizipation von Frauen in der Gemeindearbeit zu stärken.

8. Muslimische Österreicherinnen und Österreicher als Vorbild

Das Schulbesuchsprojekt "Zusammen: Österreich" soll im Hinblick auf muslimische Role-Models sowie Veranstaltungen auch in islamischen
Vereinen ausgeweitet werden.

9. Islam und Medien

Junge Menschen mit islamischem Religionsbekenntnis sollen dazu ermuntert werden, in Medienberufen tätig zu werden.

10. Novellierung des Islamgesetzes

Das Islamgesetz ist mittlerweile 100 Jahre alt und es bedarf einer entsprechenden Novellierung, um den Ansprüchen und Gegebenheiten des
21. Jahrhunderts Rechnung zu tragen bzw. um Österreich im Umgang mit dem Islam wieder eine Vorreiterrolle zu sichern.

 

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